Wie­der­auf­bau eines ab­ge­brann­ten Pu­ten­mast­stal­les

§ 16 Abs. 5 BIm­SchG gilt auch für gemäß § 67 Abs. 2 BIm­SchG ange­zeig­te Anla­gen. Im Fall des Wie­der­auf­baus einer zer­stör­ten Anla­ge ent­bin­det § 16 Abs. 5 BIm­SchG ledig­lich von der Pflicht, ein immis­si­ons­schutz­recht­li­ches Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren, nicht jedoch von der Beach­tung ande­rer behörd­li­cher Geneh­mi­gungs­er­for­der­nis­se. Die Vor­schrift lässt die Pflicht, ein Bau­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren, unbe­rührt.

Wie­der­auf­bau eines ab­ge­brann­ten Pu­ten­mast­stal­les

Nach dem Wort­laut des § 16 Abs. 5 BIm­SchG könn­te unter „Geneh­mi­gung“ zwar auch eine bau­recht­li­che Geneh­mi­gung zu ver­ste­hen sein. Bereits aus kom­pe­ten­zi­el­len Grün­den liegt es nahe, dass § 16 Abs. 5 BIm­SchG ent­spre­chend dem Rege­lungs­ge­gen­stand des Bun­des­Im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes ledig­lich die immis­si­ons­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gungs­be­dürf­tig­keit meint. Die Sys­te­ma­tik bestä­tigt die­sen Befund. § 16 Abs. 5 BIm­SchG ent­fal­tet selbst kei­ne Kon­zen­tra­ti­ons­wir­kung. Die Kon­zen­tra­ti­ons­wir­kung des § 13 BIm­SchG ist auf immis­si­ons­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gun­gen im Sin­ne der §§ 4, 19 BIm­SchG beschränkt. § 13 BIm­SchG unter­schei­det sei­ner­seits zwi­schen „Geneh­mi­gung“ und „ande­ren behörd­li­chen Ent­schei­dun­gen“. Zu den „ande­ren behörd­li­chen Ent­schei­dun­gen“ gehört nicht zuletzt die Bau­ge­neh­mi­gung. Für das Ent­fal­len auf ande­rer Rechts­grund­la­ge beru­hen­der Geneh­mi­gungs­er­for­der­nis­se hät­te es daher einer aus­drück­li­chen Rege­lung bedurft. Eine sol­che Rege­lung, mit der ange­ord­net wird, dass § 16 Abs. 5 BIm­SchG Kon­zen­tra­ti­ons­wir­kung gemäß § 13 BIm­SchG ent­fal­ten sol­le, fehlt indes. Die feh­len­de Rege­lung stellt auch kei­ne Rege­lungs­lü­cke dar, die im Wege einer ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 13 BIm­SchG auf Fäl­le des § 16 Abs. 5 BIm­SchG zu schlie­ßen wäre. Das ergibt sich aus den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en und wird durch Sinn und Zweck des § 16 Abs. 5 BIm­SchG bestä­tigt.

Der Befund, dass die Bau­auf­sichts­be­hör­de im Fall des Wie­der­auf­baus einer zer­stör­ten Anla­ge ver­pflich­tet bleibt, die bau­recht­li­che Zuläs­sig­keit des Vor­ha­bens zu prü­fen, deckt sich mit dem Wil­len des Gesetz­ge­bers. Im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren wur­de die Pro­ble­ma­tik erkannt und erör­tert, dass sich im Fall der Erset­zung einer Anla­ge nicht nur die Fra­ge der immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Geneh­mi­gungs­be­dürf­tig­keit, son­dern auch die Fra­ge ande­rer behörd­li­cher Ent­schei­dun­gen stellt. Im Zusam­men­hang mit dem in § 15 BIm­SchG gere­gel­ten Anzei­ge­ver­fah­ren hat der feder­füh­ren­de Aus­schuss den Kon­flikt zwi­schen dem gesetz­ge­be­ri­schen Ziel der Beschleu­ni­gung des Ver­fah­rens und der Anpas­sungs­pflicht eines Betrei­bers eben­falls erör­tert und zusam­men­fas­send dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Anzei­ge­ver­fah­ren „wegen dem dann erfor­der­lich wer­den­den (par­al­le­len) Bau­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren“ zu kei­ner Ver­fah­rens­ver­ein­fa­chung füh­re 1. Der Gesetz­ge­ber ging also selbst davon aus, dass der von ihm mit der Ände­rung des Bun­des­Im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes gewünsch­te Beschleu­ni­gungs­ef­fekt, auf den auch § 16 Abs. 5 BIm­SchG zielt, in den wenigs­ten Fäl­len zum Tra­gen kommt. Gleich­wohl hat er dar­auf ver­zich­tet, eine Rege­lung auf­zu­neh­men, die anord­net, dass beim Wie­der­auf­bau einer zer­stör­ten Anla­ge nicht nur das immis­si­ons­schutz­recht­li­che Ver­fah­ren, son­dern auch die nach dem ein­schlä­gi­gen Fach­recht not­wen­di­gen ande­ren Geneh­mi­gungs­er­for­der­nis­se ent­fal­len. Vor die­sem Hin­ter­grund ver­fängt der Ein­wand des Klä­gers nicht, Ziel der Ände­rung des Bun­des­Im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes sei eine Ver­ein­fa­chung und Beschleu­ni­gung des Ver­fah­rens. Der Gesetz­ge­ber hat es in Kennt­nis der Pro­ble­ma­tik hin­ge­nom­men, dass der Beschleu­ni­gungs­ef­fekt des § 16 Abs. 5 BIm­SchG beschränkt ist. Die Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te ent­hält kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass der Gesetz­ge­ber mit § 16 Abs. 5 BIm­SchG nicht nur das for­mel­le Geneh­mi­gungs­er­for­der­nis nach dem Bun­des­Im­mis­si­ons­schutz­ge­setz ent­fal­len las­sen, son­dern auch mate­ri­ell Bestands­schutz ver­mit­teln woll­te 2.

Sinn und Zweck des § 16 Abs. 5 BIm­SchG bestä­ti­gen, dass die Vor­schrift ledig­lich von der Durch­füh­rung eines immis­si­ons­schutz­recht­li­chen Geneh­mi­gungs­ver­fah­rens, nicht jedoch von der Beach­tung ande­rer behörd­li­cher Geneh­mi­gungs­er­for­der­nis­se ent­bin­det. § 16 Abs. 5 BIm­SchG zielt auf eine ver­fah­rens­recht­li­che Beschleu­ni­gung, lässt jedoch die mate­ri­ell­recht­li­chen Pflich­ten des Immis­si­ons­schutz­rechts unbe­rührt. Im Anwen­dungs­be­reich des § 6 Abs. 1 Nr. 1 BIm­SchG folgt die Anpas­sungs­pflicht an nach­träg­li­che Rechts­än­de­run­gen schon aus der dyna­mi­schen Natur der Betrei­ber­pflich­ten im Sin­ne des § 5 BIm­SchG. Durch sie wird sicher­ge­stellt, dass der mate­ri­el­le Stan­dard des Immis­si­ons­schutz­rechts gewahrt bleibt 3. Die zustän­di­ge Behör­de wird durch § 16 Abs. 5 BIm­SchG nicht gehin­dert, nach­träg­li­che immis­si­ons­schutz­recht­li­che Anord­nun­gen zu erlas­sen. Nicht nur die Betrei­ber­pflich­ten nach dem Bun­des­Im­mis­si­ons­schutz­ge­setz, son­dern auch die Ver­pflich­tun­gen, die sich aus öffent­lich­recht­li­chen Vor­schrif­ten im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Nr. 2 BIm­SchG zusätz­lich erge­ben, kön­nen Ände­run­gen unter­wor­fen sein. Für Rechts­än­de­run­gen im Bereich der öffent­lich­recht­li­chen Vor­schrif­ten im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Nr. 2 BIm­SchG ent­hält das Bun­des­Im­mis­si­ons­schutz­ge­setz weder eine aus­drück­li­che Anpas­sungs­pflicht noch spe­zi­el­le Ermäch­ti­gungs­grund­la­gen für die Umset­zung nach­träg­li­cher Ände­run­gen. Dar­aus folgt jedoch nicht, dass Anla­gen im Bereich der öffent­lich­recht­li­chen Vor­schrif­ten im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Nr. 2 BIm­SchG einen grö­ße­ren (Bestands-)Schutz genie­ßen. Einen bau­recht­li­chen Bestands­schutz ver­mag das Bun­des­Im­mis­si­ons­schutz­ge­setz nicht zu ver­mit­teln. Die Ver­pflich­tung, eine Anla­ge an nach­träg­li­che Ände­run­gen anzu­pas­sen, beur­teilt sich viel­mehr nach dem jeweils ein­schlä­gi­gen Fach­recht 4.

Die Pflicht, im Fall des Wie­der­auf­baus einer immis­si­ons­schutz­recht­lich nach § 16 Abs. 5 BIm­SchG pri­vi­le­gier­ten Anla­ge ein Bau­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren, ver­stößt nicht gegen Art. 14 Abs. 1 GG.

Aus Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG lässt sich kein Anspruch auf Zulas­sung eines Vor­ha­bens außer­halb gesetz­li­cher Rege­lun­gen her­lei­ten. Wel­che Befug­nis­se einem Eigen­tü­mer in einem bestimm­ten Zeit­punkt zuste­hen, ergibt sich aus der Zusam­men­schau aller in die­sem Zeit­punkt gel­ten­den, die Eigen­tü­merstel­lung regeln­den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten. Ergibt sich hier­bei, dass der Eigen­tü­mer eine bestimm­te Befug­nis nicht hat, so gehört die­se nicht zu sei­nem Eigen­tums­recht 5. Auf Bestands­schutz kann sich der Klä­ger nicht beru­fen. § 16 Abs. 5 BIm­SchG ver­mit­telt – wie dar­ge­legt – kei­ne gesi­cher­te bau­recht­li­che Posi­ti­on. An die auf der Aus­le­gung der lan­des­recht­li­chen Vor­schrif­ten der Nie­der­säch­si­schen Bau­ord­nung beru­hen­de Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, dass die im Jahr 1999 erteil­te Bau­ge­neh­mi­gung die Wie­der­errich­tung einer zer­stör­ten Anla­ge nicht abdeckt, ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt gebun­den. Dass sich aus dem Bau­recht ein Bestands­schutz für das durch Zer­stö­rung unter­ge­gan­ge­ne Eigen­tum ergibt, behaup­tet auch der Klä­ger nicht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. Dezem­ber 2011 – 4 C 12.10

  1. BR-Drucks 31/​1/​96 S. 18; BT-Drucks 13/​5100 S. 15, 17; BT, 13. WP, Aus­schuss für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit, Pro­to­koll Nr. 31 S.20[]
  2. Sto­rost, in: Ule/​Laubinger, BIm­SchG, Stand April 2011, § 16 Rn. C 22; Reidt/​Schiller, in: Landmann/​Rohmer, Umwelt­recht, Bd. III, Stand April 2011, § 16 Rn. 150, 181; Böhm, in: Koch/​Pache/​Scheuing, GKBIm­SchG, Stand 2010, § 4 Rn. 24; Nöth­lichs, Immis­si­ons­schutz, Band 1, Stand März 2011, § 16 BIm­SchG, Erl.01.06.2; Sell­ner, in: Landmann/​Rohmer, Umwelt­recht, Bd. III, Stand Okto­ber 1998, § 16 BIm­SchG Rn. 167; Führ, in: Koch/​Pache/​Scheuing, GKBIm­SchG, Stand Sep­tem­ber 2006, § 16 Rn. 147; ders., ZUR 1997, 293, 296; Wasie­lew­ski, LKV 1997, 77, 80; Kah­le, NVwZ 2011, 1159, 1163 f.; a.A. Diet­lein, in: Landmann/​Rhomer, Umwelt­recht, Bd. III, Stand Juli 2011, § 4 Rn. 67; vgl. auch Kotul­la, BIm­SchG, Stand 2007, § 4 Rn. 72[]
  3. BVerwG, Urteil vom 30.04.2009 – 7 C 14.08, NVwZ 2009, 1441 Rn. 24 sowie dazu BVerfG, Beschluss vom 14.01.2010 – 1 BvR 1627/​09, NVwZ 2010, 771 Rn. 43[]
  4. BVerwG, Urteil vom 30.04.2009 a.a.O. Rn. 25; BVerfG, Beschluss vom 14.01.2010 a.a.O. Rn. 44[]
  5. BVerfG, Beschluss vom 14.01.2010 a.a.O. Rn. 26[]