Wie­der­auf­grei­fen eines ver­trie­be­nen­recht­li­chen Auf­nah­me­ver­fah­rens

Ein Auf­nah­me­be­wer­ber, des­sen Auf­nah­me­an­trag nach dem Bun­des­ver­trie­be­nen­ge­setz (BVFG) bestands­kräf­tig abge­lehnt wor­den ist, hat kei­nen Anspruch auf Wie­der­auf­grei­fen des Ver­fah­rens nach § 51 Abs. 1 Nr. 1 VwVfG, wenn sich zwar bestimm­te recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen für die Ertei­lung des begehr­ten Auf­nah­me­be­schei­des nach­träg­lich zu sei­nen Guns­ten geän­dert haben, der bestands­kräf­ti­ge Ableh­nungs­be­scheid jedoch auch auf einen Ableh­nungs­grund gestützt wor­den ist, zu dem der Betrof­fe­ne kei­nen durch­grei­fen­den Wie­der­auf­nah­me­grund gel­tend gemacht hat.

Wie­der­auf­grei­fen eines ver­trie­be­nen­recht­li­chen Auf­nah­me­ver­fah­rens

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall 1 hat­te die 1978 in Kasach­stan gebo­re­ne Klä­ge­rin im Jahr 1997 erst­mals die Ertei­lung eines Auf­nah­me­be­schei­des bean­tragt 2. Die­sen Antrag hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­amt mit der Begrün­dung abge­lehnt, die Klä­ge­rin erfül­le nicht das Abstam­mungs­er­for­der­nis, weil ihre Eltern weder deut­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge noch deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge sei­en. Zudem sei ange­sichts ihrer unzu­rei­chen­den deut­schen Sprach­kennt­nis­se nicht von einer fami­liä­ren Ver­mitt­lung der deut­schen Spra­che aus­zu­ge­hen. Im Dezem­ber 2013 bean­trag­te die Klä­ge­rin unter Bezug­nah­me auf die Rechts­än­de­run­gen durch das Zehn­te BVFG-Ände­rungs­ge­setz und die zwi­schen­zeit­li­che Teil­nah­me an einem Deutsch­kurs, ihr im Wege des Wie­der­auf­grei­fens des Ver­fah­rens einen Auf­nah­me­be­scheid zu ertei­len. Das Bun­des­ver­wal­tungs­amt lehn­te den Antrag ab, weil sich hin­sicht­lich des Abstam­mungs­er­for­der­nis­ses für die Klä­ge­rin kei­ne Bes­ser­stel­lung erge­ben habe. Sowohl der Wider­spruch wie die Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln 3 hat­ten kei­nen Erfolg. Auf die Beru­fung der Aus­sied­le­rin hin hat dage­gen das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter die Behör­de ver­pflich­tet, ihr einen Auf­nah­me­be­scheid zu ertei­len, weil das Vor­lie­gen eines Wie­der­auf­nah­me­grun­des hin­sicht­lich eines Tat­be­stands­merk­mals für eine neue Sach­prü­fung und ‑ent­schei­dung aus­rei­che 4. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun jedoch das Müns­te­ra­ner Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Beru­fung der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen:

Allein die Ände­rung der Sach- und Rechts­la­ge zuguns­ten der Klä­ge­rin hin­sicht­lich der gefor­der­ten Kennt­nis­se der deut­schen Spra­che ver­mit­telt ihr kei­nen Anspruch auf Wie­der­auf­grei­fen des Ver­fah­rens nach § 51 Abs. 1 Nr. 1 VwVfG.

Denn der ableh­nen­de Bescheid war tra­gend auch auf das Nicht­vor­lie­gen der deut­schen Abstam­mung gestützt; inso­weit hat die Klä­ge­rin kei­nen Wie­der­auf­nah­me­grund zu ihren Guns­ten gel­tend gemacht. Die 2008 erfolg­te höchst­rich­ter­li­che Klä­rung, dass für das Abstam­mungs­kri­te­ri­um auch auf die Groß­el­tern zurück­ge­grif­fen wer­den kann, begrün­det kei­nen Wie­der­auf­nah­me­an­spruch. Da die Bestands­kraft des ableh­nen­den Beschei­des somit in Bezug auf die ver­nein­te deut­sche Abstam­mung nicht durch­bro­chen wor­den ist, ist für eine neue Sach­ent­schei­dung nach § 51 Abs. 1 VwVfG kein Raum, mag die Klä­ge­rin auch nach der aktu­el­len Rechts­la­ge nun­mehr alle Vor­aus­set­zun­gen für die Ertei­lung eines Auf­nah­me­be­schei­des erfül­len. Ein dane­ben zuläs­si­ges Wie­der­auf­grei­fen des Ver­fah­rens im wei­te­ren Sin­ne hat die Behör­de ermes­sens­feh­ler­frei abge­lehnt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 20. Novem­ber 2018 – 1 C 23.17

  1. eben­so BVerwG, Urtei­le vom 20.11.2018 – 1 C 24.17 und 1 C 25.17[]
  2. BVerwG – 1 C 23.17[]
  3. VG Köln, Urteil vom 11.11.2016 – 10 K 5972/​15[]
  4. OVG NRW, Urteil vom 21.07.2017 – 11 A 2411/​16[]