Wie­der­ein­set­zung – wegen tief­grei­fen­der Fol­gen der Säum­nis?

Ein Rechts­an­walt hat in sei­ner Kanz­lei hin­rei­chen­de Sicher­heits­vor­keh­run­gen für den Fall zu tref­fen, dass eine Büro­an­ge­stell­te das Ein­tra­gen der Frist in den Fris­ten­ka­len­der schlicht ver­gisst.

Wie­der­ein­set­zung – wegen tief­grei­fen­der Fol­gen der Säum­nis?

Zudem hat er glaub­haft zu machen, dass es sich bei der für die Frist­ver­säum­nis ver­ant­wort­li­chen Ange­stell­ten um eine gut aus­ge­bil­de­te, zuver­läs­si­ge sowie sorg­fäl­tig aus­ge­wähl­te und über­wach­te Büro­kraft gehan­delt hat.

Die­sen Anfor­de­run­gen kann nicht allein mit dem Hin­weis ent­ge­gen getre­ten wer­den, die Ver­sa­gung der Wie­der­ein­set­zung ver­sto­ße gegen den Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­satz, weil er sich nicht mit den für die Klä­ger ein­schnei­den­den Kon­se­quen­zen der Ent­schei­dung aus­ein­an­der set­ze, vor deren Hin­ter­grund das Beru­fungs­ge­richt einen weni­ger stren­gen Maß­stab bei der Beur­tei­lung der Ver­schul­dens­fra­ge im Hin­blick auf die Ver­säu­mung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist hät­te anle­gen müs­sen.

Die­se Rechts­be­haup­tung ist rechts­ir­rig und setzt sich ins­be­son­de­re nicht mit der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 1 aus­ein­an­der, nach der das Wie­der­ein­set­zungs­recht auch im Asyl­ver­fah­ren gilt und die Zurech­nung des Ver­schul­dens des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten bei der Fra­ge der Wie­der­ein­set­zung in eine ver­säum­te Frist im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Asyl­ver­fah­ren mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 10. April 2017 – 1 B 66.17

  1. seit BVerfG, Beschluss vom 20.04.1982 – 2 BvL 26/​81, BVerfGE 60, 253[]