Wie­der­ein­set­zung – und der Frist­be­ginn

Wenn jemand ohne Ver­schul­den ver­hin­dert war, eine gesetz­li­che Frist ein­zu­hal­ten, so ist ihm nach § 60 Abs. 1 VwGO auf Antrag Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu gewäh­ren. Der Antrag ist bin­nen zwei Wochen nach Weg­fall des Hin­der­nis­ses zu stel­len; bei Ver­säu­mung der Frist zur Begrün­dung der Beru­fung, des Antrags auf Zulas­sung der Beru­fung, der Revi­si­on, der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de oder der Beschwer­de beträgt die Frist einen Monat.

Wie­der­ein­set­zung – und der Frist­be­ginn

Die Tat­sa­chen zur Begrün­dung des Antrags sind bei der Antrag­stel­lung oder im Ver­fah­ren über den Antrag glaub­haft zu machen (§ 60 Abs. 2 Satz 1, 2 VwGO). Dabei ist der die Wie­der­ein­set­zung Begeh­ren­de ver­pflich­tet anzu­ge­ben, wann das zur Frist­ver­säum­nis füh­ren­de Hin­der­nis weg­ge­fal­len ist, um dem Gericht die Prü­fung zu ermög­li­chen, ob der Wie­der­ein­set­zungs­an­trag frist­ge­recht gestellt wor­den ist 1.

Ein Hin­der­nis für die Ein­hal­tung einer gesetz­li­chen Frist fällt weg, sobald der Betei­lig­te oder sein Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter erkannt hat oder bei Anwen­dung der gebo­te­nen Sorg­falt hät­te erken­nen kön­nen und müs­sen, dass die Frist ver­säumt wor­den ist. Der Betei­lig­te ist zwar regel­mä­ßig nicht gehal­ten, den recht­zei­ti­gen Zugang eines Schrift­stücks zu über­wa­chen. Lie­gen jedoch Umstän­de vor, die ihn zwei­feln las­sen, ob die Rechts­mit­tel­frist ein­ge­hal­ten wor­den ist, oder hät­ten ihm auf­grund sol­cher Umstän­de Zwei­fel kom­men müs­sen, beginnt die Antrags­frist spä­tes­tens in dem Zeit­punkt, in dem er durch Nach­fra­ge Gewiss­heit über die Recht­zei­tig­keit des Rechts­mit­tels hät­te erlan­gen kön­nen 2. Auch eine gericht­li­che Mit­tei­lung über den Ein­gang eines Schrift­stücks löst eine Erkun­di­gungs­pflicht aus, wenn in ihr eine Tat­sa­chen­mit­tei­lung ent­hal­ten ist, die unzwei­deu­tig bekun­det, dass etwas fehl­ge­lau­fen ist; es bedarf kei­nes aus­drück­li­chen Hin­wei­ses des Gerichts, dass die Rechts­mit­tel­frist ver­säumt wor­den ist 3.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden ‑Würt­tem­berg, Beschluss vom 8. Juni 2016 – 1 S 783/​16

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 22.08.1984 – 9 B 10609.83 – BayVBl.1985, 286; Urteil vom 01.03.1991 – 8 C 31.89, BVerw­GE 88, 60[]
  2. vgl. BVerfG Kam­mer­be­schl. v. 11.01.1991 – 1 BvR 1435/​89NJW 1992, 38; OVG NRW, Beschluss vom 29.08.1995 – 25 A 4760/​95.A – NJW 1996, 334; Czy­bul­ka in: Sodan/​Ziekow, VwGO, 4. Aufl., § 60 Rn. 112; vgl. auch zu § 56 Abs. 2 FGO: BFH, Beschluss vom 20.12.2000 – I B 116/​00BFH/​NV 2001, 481, und v. 12.06.2009 – II B 166/​08 []
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 12.06.2009, a.a.O.; vgl. auch VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 03.05.1996 – 16 S 2535/​94, NVwZ-RR 1997, 327[]