Zen­sus 2011 und die Aus­kunfts­pflicht

Die im Zen­sus­ge­setz gere­gel­te Aus­kunfts­pflicht, wonach eine Haus­halts­be­fra­gung im Rah­men des Zen­sus 2011 statt­fin­det, ver­stößt nicht gegen Grund­rech­te.

Zen­sus 2011 und die Aus­kunfts­pflicht

Mit die­ser Begrün­dung ist der Eil­an­trag eines Wolfs­bur­gers gegen die Haus­halts­be­fra­gung (soge­nann­te Volks­be­fra­gung) vom Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig abge­lehnt wor­den. Der 45-jäh­ri­ge Antrag­stel­ler lebt in Wolfs­burg in einem Haus­halt, der im Rah­men der Haus­halts­stich­pro­be des Zen­sus 2011 Fra­gen beant­wor­ten soll­te. Dies lehn­te er gegen­über einer Inter­viewe­rin ab. Auch die ihm von der Stadt Wolfs­burg über­sand­ten Fra­ge­bö­gen füll­te er trotz wie­der­hol­ter Erin­ne­run­gen und der Andro­hung eines förm­li­chen Beschei­des nicht aus. Dar­auf­hin for­der­te die Stadt ihn im Sep­tem­ber 2011 mit „Her­an­zie­hungs­be­scheid" auf, die vom Zen­sus­ge­setz ver­lang­ten Aus­künf­te zu ertei­len. Außer­dem setz­te sie ein Zwangs­geld von 300 Euro gegen ihn fest, nach­dem er auch auf eine ent­spre­chen­de Andro­hung nicht reagiert hat­te. Sei­nen Eil­an­trag beim Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig gegen den Her­an­zie­hungs­be­scheid begrün­de­te der Antrag­stel­ler im Wesent­li­chen damit, dass die gesetz­li­chen Aus­kunfts­pflich­ten sei­ner Auf­fas­sung nach sein Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ver­let­zen.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Braun­schweig ist im Eil­ver­fah­ren nicht ersicht­lich, dass die im Zen­sus­ge­setz gere­gel­te Aus­kunfts­pflicht gegen Grund­rech­te ver­stößt. Das Gesetz grei­fe zwar in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ein. Ein­schrän­kun­gen die­ses Grund­rechts sei­en aber im über­wie­gen­den All­ge­mein­in­ter­es­se zuläs­sig, wenn sie auf einer ver­fas­sungs­ge­mä­ßen gesetz­li­chen Grund­la­ge beru­hen. Der Gesetz­ge­ber müs­se ins­be­son­de­re den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit beach­ten und durch orga­ni­sa­to­ri­sche und ver­fah­rens­recht­li­che Vor­keh­run­gen der Gefahr ent­ge­gen­wir­ken, dass Per­sön­lich­keits­rech­te ver­letzt wer­den. Die­se Vor­aus­set­zun­gen dürf­ten nach dem Zen­sus­ge­setz erfüllt sein.

Die Daten­er­he­bung die­ne legi­ti­men Zwe­cken, weil sie unter ande­rem dazu benö­tigt wer­de, um euro­pa­recht­li­che Berichts­pflich­ten der Bun­des­re­pu­blik zu erfül­len. Die Befra­gung belas­te den Antrag­stel­ler auch nicht über­mä­ßig: Sie betref­fe ent­we­der den „Gemein­schafts­be­zug des Indi­vi­du­ums", soweit z. B. Anga­ben zu Aus­bil­dung und Berufs­tä­tig­keit abge­fragt wür­den, oder über­las­se es dem Betrof­fe­nen, Anga­ben frei­wil­lig zu machen (z. B. hin­sicht­lich Reli­gi­on oder Glau­bens­rich­tung). Daten wür­den nur anony­mi­siert zu sta­tis­ti­schen Zwe­cken ver­ar­bei­tet. Der Gesetz­ge­ber habe nach der im Eil­ver­fah­ren mög­li­chen Prü­fung hin­rei­chend dafür gesorgt, dass alle Daten nicht iden­ti­fi­ziert und rück­ver­folgt wer­den kön­nen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig nimmt dazu auch auf die Recht­spre­chung ande­rer Ver­wal­tungs­ge­rich­te Bezug.

Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 3. April 2012 – 5 B 199/​11