Zen­sus 2011 – und doch noch kei­ne Daten­lö­schung

Die aus dem Zen­sus 2011 gewon­ne­nen Daten dür­fen – ent­ge­gen der aus­drück­li­chen Bestim­mung in § 19 ZesG 2011 – nicht gelöscht wer­den, bis die Kla­gen von Kom­mu­nen gegen die Festel­lung ihrer jewei­li­gen amt­li­chen Ein­woh­ner­zahl rechts­kräf­tig abge­schlos­sen sind.

Zen­sus 2011 – und doch noch kei­ne Daten­lö­schung

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len hat in zwei Ver­fah­ren Beschwer­den des Lan­des­be­triebs Infor­ma­ti­on und Tech­nik – IT.NRW – gegen einst­wei­li­ge Anord­nun­gen der Ver­wal­tungs­ge­rich­te Aachen [1] und Düs­sel­dorf [2] zurück­ge­wie­sen, die den Lan­des­be­trieb jeweils im Wege einer einst­wei­li­gen Anord­nung ver­pflich­tet hat­ten, das gesam­te bei ihm vor­han­de­ne Daten­ma­te­ri­al aus dem Zen­sus 2011, das die antrag­stel­len­den Gemein­den (Baes­wei­ler, Bad Müns­ter­ei­fel, Aachen, Gei­len­kir­chen, Buch­holz) betraf, von Daten­lö­schun­gen nach § 19 ZensG 2011 aus­zu­neh­men und wei­ter auf­zu­be­wah­ren, bis über die gemeind­li­chen Kla­gen gegen die Fest­stel­lung ihrer jewei­li­gen amt­li­chen Ein­woh­ner­zahl rechts­kräf­tig ent­schie­den ist.

Der Lan­des­be­trieb IT.NRW hat­te dage­gen mit der Beschwer­de im Wesent­li­chen ein­ge­wandt, das Gesetz ord­ne in § 19 ZensG 2011 die Löschung der Hilfs­merk­ma­le und die Ver­nich­tung der Erhe­bungs­un­ter­la­gen aus­nahms­los bis zum 9. Mai 2 015 an. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter ist die­ser Argu­men­ta­ti­on nicht gefolgt und hat die erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dun­gen bestä­tigt:

Nach Ansicht des OVG Müns­ter umfasst die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie eine sub­jek­ti­ve Rechts­stel­lungs­ga­ran­tie, die grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen ver­gleich­bar sei und ihrer­seits die Gewäh­rung effek­ti­ven Rechts­schut­zes ein­schlie­ße. Es kom­me ernst­haft in Betracht, die Frist­be­stim­mun­gen des § 19 ZensG 2011 dahin­ge­hend ver­fas­sungs­kon­form aus­zu­le­gen, dass Erhe­bungs­da­ten aus dem Zen­sus 2011 erst dann zu löschen sei­en, wenn sie zur Gewäh­rung effek­ti­ven Rechts­schut­zes nicht mehr benö­tigt wür­den. Zudem bestün­den pro­zes­sua­le Mög­lich­kei­ten, dem Sta­tis­tik­ge­heim­nis unter­lie­gen­de Erhe­bungs­un­ter­la­gen und sons­ti­ge Daten aus dem Zen­sus 2011 zum Gegen­stand eines Ver­wal­tungs­pro­zes­ses über gemeind­li­che Kla­gen gegen die Fest­stel­lung ihrer amt­li­chen Ein­woh­ner­zahl zu machen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein ‑West­fa­len – Beschlüs­se vom 3. Juni 2015 – 4 B 458/​15 und 4 B 512/​15

  1. VG Aachen – 4 L 298/​15[]
  2. VG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 13.04.2015 – 20 L 1001/​15[]