Zu Ostern an die Küs­te oder auf die Ost­see­insel ?

§ 4 a der Coro­na­ver­ord­nung für Meck­len­burg-Vor­pom­mern, nach der über Ostern tages­tou­ris­ti­sche Aus­flü­ge zu den Ost­see­inseln und in die küs­ten­na­hen Gemein­den unter­sagt wor­den sind, ist nicht ver­hält­nis­mä­ßig.

Zu Ostern an die Küs­te oder auf die Ost­see­insel ?

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len zwei­er Eil­ver­fah­ren ent­schie­den und die Vor­schrift außer Voll­zug gesetzt. Mit § 4a der Ver­ord­nung der Lan­des­re­gie­rung über Maß­nah­men zur Bekämp­fung der Aus­brei­tung des neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 in Meck­len­burg-Vor­pom­mern (SARS-CoV‑2 Bekämp­fungs­ver­ord­nung) in der Fas­sung vom 8. April 2020 war für den Zeit­raum der Oster­fei­er­ta­ge den Ein­woh­nern Meck­len­burg-Vor­pom­merns unter­sagt wor­den tages­tou­ris­ti­sche Aus­flü­ge zu den Ost­see­inseln und in die Gemein­den, die unmit­tel­bar an die Ost­see­küs­te angren­zen, sowie in die Stadt Waren an der Müritz und in meh­re­re Ämter der meck­len­bur­gi­schen Seen­plat­te zu unter­neh­men.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Meck­len­burg-Vor­pom­mern sei die ange­grif­fe­ne Vor­schrift des § 4a der Ver­ord­nung nach der im Eil­ver­fah­ren nur mög­li­chen sum­ma­ri­schen recht­li­chen Wür­di­gung nicht ver­hält­nis­mä­ßig. Die Norm sei zwar geeig­net, die mit der Ver­ord­nung bezweck­ten Zie­le der Ver­hin­de­rung bzw. der Ver­lang­sa­mung der Infek­tio­nen mit dem Coro­na­vi­rus zu errei­chen. Auch kön­ne offen blei­ben, ob sie zu die­sen Zie­len erfor­der­lich sei, jeden­falls sei die Rege­lung nicht ver­hält­nis­mä­ßig im soge­nann­ten „enge­ren Sin­ne“.

Dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mer sei zwar die außer­ge­wöhn­li­che Gefähr­dungs­si­tua­ti­on durch das Coro­na­vi­rus bewusst. Die mit der Vor­schrift ver­bun­de­nen Ein­grif­fe in das Grund­recht auf Frei­heit der Per­son sei­en jedoch nicht ange­mes­sen. Die Norm ver­hin­de­re nicht, dass sich gro­ße Bevöl­ke­rungs­tei­le auf zum Teil ver­gleichs­wei­se engem Raum auf­hal­ten könn­ten. Des­halb könn­ten die im Übri­gen wei­ter­gel­ten­den Vor­schrif­ten der Bekämp­fungs­ver­ord­nung mög­li­cher­wei­se nicht im not­wen­di­gen Maß ein­ge­hal­ten wer­den. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt habe sich die­se Über­le­gung anhand der Ver­hält­nis­se der Han­se­stadt Ros­tock mit dem Orts­teil War­ne­mün­de klar­ge­macht. Glei­ches gel­te für die ande­ren Han­se­städ­te. Zudem sei­en nicht unbe­trächt­li­che Berei­che des Gebie­tes des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern von der Beschrän­kung frei, dar­un­ter die Lan­des­haupt­stadt Schwe­rin und ihre Umge­bung. Deren Nicht­auf­füh­rung in § 4a der Ver­ord­nung sei nicht nach­voll­zieh­bar.

Auch sei die Argu­men­ta­ti­on des Antrag­stel­lers, ange­sichts des Feh­lens der über die Oster­ta­ge aus ande­ren Bun­des­län­dern und aus­län­di­schen Staa­ten stam­men­den Tou­ris­ten sei aus­rei­chend Platz, um unter Berück­sich­ti­gung der wei­ter­gel­ten­den Beschrän­kun­gen der sozia­len Kon­tak­te das Infek­ti­ons­ri­si­ko zu min­dern, nicht von der Hand zu wei­sen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Beschlüs­se vom 9. April 2020 – 2 KM 268/​20 OVG und 2 KM 281/​20 OVG