Zugang zu Sui­zid­me­di­ka­men­ten – ohne krank­heits­be­ding­te Not­la­ge

Nach den Vor­schrif­ten des Betäu­bungs­mit­tel­ge­set­zes ist die Ertei­lung einer Erlaub­nis für den Erwerb eines Betäu­bungs­mit­tels zum Zweck der Selbst­tö­tung grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen.

Zugang zu Sui­zid­me­di­ka­men­ten – ohne krank­heits­be­ding­te Not­la­ge

Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den und damit sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung 1 bestä­tigt. Anlass hier­für war die Kla­ge zwei­er 1937 und 1944 gebo­re­ner Ehe­gat­ten. Die­se bean­trag­ten im Juni 2014 beim Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te (BfArM) die Erlaub­nis zum Erwerb von jeweils 15 g Natri­um-Pento­bar­bi­tal zum Zweck einer gemein­sa­men Selbst­tö­tung. Zur Begrün­dung führ­ten sie aus, sie wünsch­ten, dass ihr Leben zu einem Zeit­punkt enden sol­le, in dem sie noch hand­lungs­fä­hig und von schwe­ren Erkran­kun­gen ver­schont sei­en. Sie woll­ten nicht mit­er­le­ben, wie ihre kör­per­li­chen und geis­ti­gen Kräf­te immer wei­ter nach­lie­ßen. Auch sei es stets ihr Wunsch gewe­sen, den Lebens­abend nicht ohne den ande­ren ver­brin­gen zu müs­sen. Das BfArM lehn­te den Antrag der Klä­ger mit Bescheid vom 1. Okto­ber 2014 ab, weil der Erwerb eines Betäu­bungs­mit­tels mit dem Ziel der Selbst­tö­tung nicht erlaub­nis­fä­hig sei.

Die dage­gen gerich­te­te Kla­ge ist in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln 2 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter 3 ohne Erfolg geblie­ben. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Urtei­le nun bestä­tigt und auch die Revi­si­on der Ehe­gat­ten zurück­ge­wie­sen:

Gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 6 BtMG ist die Erlaub­nis zum Erwerb eines Betäu­bungs­mit­tels zu ver­sa­gen, wenn sie nicht mit dem Zweck die­ses Geset­zes ver­ein­bar ist, die not­wen­di­ge medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung sicher­zu­stel­len. Damit setzt die Erlaub­nis­er­tei­lung vor­aus, dass die Ver­wen­dung des bean­trag­ten Betäu­bungs­mit­tels eine the­ra­peu­ti­sche Ziel­rich­tung hat, also dazu dient, Krank­hei­ten oder krank­haf­te Beschwer­den zu hei­len oder zu lin­dern. Danach schließt § 5 Abs. 1 Nr. 6 BtMG die Ertei­lung einer Erwerbser­laub­nis zum Zweck der Selbst­tö­tung grund­sätz­lich aus, weil sie mit dem Ziel des Betäu­bungs­mit­tel­ge­set­zes, die mensch­li­che Gesund­heit und das Leben zu schüt­zen, nicht ver­ein­bar ist. Die­ser Geset­zes­zweck recht­fer­tigt es auch ver­fas­sungs­recht­lich, den Zugang zu einem Betäu­bungs­mit­tel zu ver­bie­ten. Soweit von dem Ver­bot eine Aus­nah­me für schwer und unheil­bar erkrank­te Antrag­stel­ler zu machen ist, die sich in einer extre­men Not­la­ge befin­den 4, lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen im hier ent­schie­nen Fall nicht vor.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. Mai 2019 – 3 C 6.17

  1. BVerwG, Urteil vom 02.03.2017 – 3 C 19.15[]
  2. VG Köln, Urteil vom 01.12.2015 – 7 K 14/​15[]
  3. OVG NRW, Urteil vom 17.02.2017 – 13 A 3079/​15[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 2. März 2017 – 3 C 19.15[]