Zulas­sung der Sprung­re­vi­si­on – durch den Ein­zel­rich­ter

Der Zuläs­sig­keit der Sprung­re­vi­si­on steht nicht ent­ge­gen, dass die Zulas­sung durch den Ein­zel­rich­ter anstel­le der Kam­mer erfolgt ist 1.

Zulas­sung der Sprung­re­vi­si­on – durch den Ein­zel­rich­ter

Mit der Über­tra­gung des Rechts­streits auf den Ein­zel­rich­ter geht die Ent­schei­dungs­be­fug­nis für den Rechts­streit unein­ge­schränkt auf den Ein­zel­rich­ter über; die­ser, nicht die gan­ze Kam­mer, ent­schei­det am Ende im Urteil nach sei­ner aus dem Gesamt­ergeb­nis des Ver­fah­rens gewon­ne­nen Über­zeu­gung.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt lässt offen, ob die nach § 134 Abs. 2 Satz 2 VwGO in aller Regel zwin­gen­de Bin­dung des Revi­si­ons­ge­richts an die Zulas­sungs­ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts nach § 134 Abs. 2 Satz 1 VwGO aus­nahms­wei­se ent­fal­len oder eine Revi­si­ons­zu­las­sung unwirk­sam sein kann, wenn sie im Ein­zel­fall unter Ver­let­zung des Ver­fas­sungs­ge­bots des gesetz­li­chen Rich­ters nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG – d.h. in mani­pu­la­ti­ver oder objek­tiv will­kür­li­cher Miss­ach­tung der ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen – ergan­gen ist 2 und ob eine erst nach der Über­tra­gung erkann­te, ent­stan­de­ne oder abwei­chend von der über­tra­gen­den Kam­mer gese­he­ne grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che eine "wesent­li­che Ände­rung der Pro­zess­la­ge" bewirkt 3, wel­che die Rück­über­tra­gung auf die Kam­mer ermög­licht oder eine Reduk­ti­on des Rück­über­tra­gungs­er­mes­sens bewirkt. Denn hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te für eine Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG ver­let­zen­de, objek­tiv will­kür­li­che Miss­ach­tung einer etwa gege­be­nen Rück­über­tra­gungs­mög­lich­keit bestan­den im hier ent­schie­de­nen Fall nicht; sie fol­gen auch nicht dar­aus, dass die Sprung­re­vi­si­on zur Klä­rung einer nicht ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Grund­satz­fra­ge zuge­las­sen wor­den ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 22. Mai 2019 – 1 C 10.18

  1. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 29.07.2004 – 5 C 65.03, BVerw­GE 121, 292, 295; und vom 28.09.2004 – 1 C 10.03, BVerw­GE 122, 94, 95 f.[]
  2. BVerwG, Urteil vom 28.09.2004 – 1 C 10.03, BVerw­GE 122, 94, 95 f.[]
  3. dazu BVerwG, Urteil vom 29.07.2004 – 5 C 65.03, BVerw­GE 121, 292, 295[]