Zusatz­ver­sor­gung der DDR – und die Ein­be­zie­hung poli­ti­scher Ver­folg­ter

Nach dem Beruf­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­setz (Ber­Re­haG) kann die Zuge­hö­rig­keit von poli­tisch Ver­folg­ten zu einem Zusatz­ver­sor­gungs­sys­tem der DDR, die von den DDR-Stel­len eine Ver­sor­gungs­zu­sa­ge auch ohne die poli­ti­sche Ver­fol­gung nicht erhal­ten hät­ten, nicht mit Blick auf die Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts zum Anspruchs- und Anwart­schafts­über­tra­gungs­ge­setz (AAÜG) fin­giert wer­den.

Zusatz­ver­sor­gung der DDR – und die Ein­be­zie­hung poli­ti­scher Ver­folg­ter

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger in der DDR bis Mit­te 1986 als Diplom-Inge­nieur beim VEB Halb­lei­ter Frank­furt/​Oder gear­bei­tet. Nach der Stel­lung eines Aus­rei­se­an­trags war er gezwun­gen wor­den, die­ses Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis zu kün­di­gen; bis zu sei­ner Aus­rei­se im Febru­ar 1988 arbei­te­te er als Haus­meis­ter. In der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wur­de er mit der Ver­fol­gungs­zeit Juni 1986 bis Febru­ar 1988 als Ver­folg­ter im Sin­ne des Beruf­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­set­zes aner­kannt; er wird in der Ren­ten­ver­si­che­rung als Diplom-Inge­nieur geführt. Nach­träg­lich begehr­te er ergän­zend die reha­bi­li­tie­rungs­recht­li­che Aner­ken­nung einer fik­ti­ven Zuge­hö­rig­keit zum Zusatz­ver­sor­gungs­sys­tem der tech­ni­schen Intel­li­genz der DDR. Es sei davon aus­zu­ge­hen, dass er die­sem Zusatz­ver­sor­gungs­sys­tem ange­hört hät­te, wenn er sei­ne Inge­nieur­tä­tig­keit in der DDR bis zur Wie­der­ver­ei­ni­gung hät­te fort­füh­ren kön­nen. Des­halb habe er nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ent­spre­chend dem Anspruchs- und Anwart­schafts­über­füh­rungs­ge­setz (AAÜG) einen Anspruch auf eine Ein­be­zie­hung in die­ses Ver­sor­gungs­sys­tem.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Pots­dam hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Dem Klä­ger sei in der DDR die Zuge­hö­rig­keit zu dem Zusatz­ver­sor­gungs­sys­tem nicht auf­grund einer Ver­fol­gungs­maß­nah­me ver­wei­gert wor­den. Anspruch auf eine fik­ti­ve Ein­be­zie­hung in das Zusatz­ver­sor­gungs­sys­tem auf der Grund­la­ge der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts habe er nicht. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te dies nun und wies die Revi­si­on gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Pots­dam zurück:

Der Klä­ger hat dem Zusatz­ver­sor­gungs­sys­tem der tech­ni­schen Intel­li­genz zu kei­nem Zeit­punkt ange­hört. Nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts ist nicht ersicht­lich, dass er aus Grün­den der poli­ti­schen Ver­fol­gung nicht ein­be­zo­gen wor­den war; eine Ver­sor­gungs­zu­sa­ge haben nur die Spit­zen­leis­tungs­trä­ger der tech­ni­schen Ent­wick­lung erhal­ten. Eine Zuge­hö­rig­keit kann auch nicht mit Blick auf die Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts zum AAÜG fin­giert wer­den. Nach die­ser Recht­spre­chung genügt es, wenn der Betrof­fe­ne die Vor­aus­set­zun­gen für die Auf­nah­me in das Zusatz­ver­sor­gungs­sys­tem zum Stich­tag 30. Juni 1990 (Schlie­ßung der Zusatz­ver­sor­gungs­sys­te­me) objek­tiv erfüllt hat. Das Beruf­li­che Reha­bi­li­tie­rungs­ge­setz bezweckt, in der DDR erlit­te­ne ver­fol­gungs­be­ding­te Nach­tei­le aus­zu­glei­chen. Zu die­sen Nach­tei­len gehört es nicht, wenn ein Ver­folg­ter aus einer im bun­des­deut­schen Ren­ten­recht geschaf­fe­nen Stich­tags­re­ge­lung kei­nen Nut­zen zie­hen kann.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 25. Janu­ar 2018 – 3 C 3.16

  1. VG Pots­dam, Urteil vom 18.11.2014 – 11 K 4205/​13[]