Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt für fern­stra­ßen­recht­li­che Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Die sach­li­che Zu­stän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts für Strei­tig­kei­ten über fern­stra­ßen­recht­li­che Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren gemäß § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO um­fasst nicht Strei­tig­kei­ten dar­über, ob die kon­kre­te Bau­aus­füh­rung sich im Rah­men des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses hält.

Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt für fern­stra­ßen­recht­li­che Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ist für die Ent­schei­dung des Rechts­streits sach­lich unzu­stän­dig. Der als Zustän­dig­keits­norm allein in Betracht kom­men­de § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO, wonach das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im ers­ten und letz­ten Rechts­zug über sämt­li­che Strei­tig­kei­ten ent­schei­det, die Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren für die dort näher bezeich­ne­ten Fern­stra­ßen­vor­ha­ben betref­fen, erfasst den hier vor­lie­gen­den Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Siche­rungs­an­ord­nung (§ 123 Abs. 1 Satz 2 VwGO) nicht. Zustän­dig­keits­be­stim­mend ist dabei allein das mit den Haupt­an­trä­gen ver­folg­te Begeh­ren, wäh­rend die Hilfs­an­trä­ge inso­weit außer Betracht blei­ben [1].

Der Zweck des § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO besteht dar­in, durch die Ver­kür­zung des Ver­wal­tungs­ge­richts­ver­fah­rens auf eine Instanz die Ver­wirk­li­chung der von der Vor­schrift erfass­ten Infra­struk­tur­vor­ha­ben zu beschleu­ni­gen. Zugleich sol­len durch die Kon­zen­tra­ti­on der Streit­sa­chen beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt diver­gie­ren­de Ent­schei­dun­gen ver­mie­den wer­den. Die­sem Geset­zes­zweck wird eine Aus­le­gung der Vor­schrift gerecht, die alle Rechts­strei­tig­kei­ten erfasst, die einen unmit­tel­ba­ren Bezug zu kon­kre­ten Plan­fest­stel­lungs- (oder Plangenehmigungs-)Verfahren für Vor­ha­ben nach § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO haben, also die geneh­mi­gungs­recht­li­che Bewäl­ti­gung des Vor­ha­bens betref­fen [2]. Das gilt nicht nur für Anfech­tungs­kla­gen gegen den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss bzw. Anträ­ge Drit­ter nach § 80a Abs. 1 Nr. 2, Abs. 3, § 80 Abs. 5 Satz 1 VwGO auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung oder – in ent­spre­chen­der Anwen­dung die­ser Vor­schrif­ten – auf Fest­stel­lung man­geln­der Voll­zieh­bar­keit des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses [3]. Der unmit­tel­ba­re Bezug zu einem Plan­fest­stel­lungs- oder Plan­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren ist dar­über hin­aus bei­spiels­wei­se auch vor­han­den, wenn um Maß­nah­men gestrit­ten wird, die einem sol­chen Ver­fah­ren zeit­lich und sach­lich vor­aus­ge­hen und sei­ner Vor­be­rei­tung die­nen oder einen Aus­schnitt der in einem lau­fen­den Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren zu lösen­den Pro­ble­me dar­stel­len, des­glei­chen, wenn der Streit die Fra­ge betrifft, ob bestimm­ten Bau­maß­nah­men an dem betref­fen­den Ver­kehrs­weg ein Plan­fest­stel­lungs- oder Plan­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren hät­te vor­aus­ge­hen müs­sen. Dage­gen fehlt ein unmit­tel­ba­rer Bezug in dem vor­ge­nann­ten Sin­ne, wenn ein Klä­ger nach Unan­fecht­bar­keit eines Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses nach­träg­li­che Schutz­auf­la­gen gemäß § 75 Abs. 2 Satz 2 bis 4 VwVfG ver­langt [4]. Eben­so wird auch das Begeh­ren, eine ver­meint­lich plan­wid­ri­ge Ver­wirk­li­chung des bestands­kräf­tig plan­fest­ge­stell­ten Vor­ha­bens zu ver­hin­dern, nicht von § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO erfasst [5]. Denn Aus­ein­an­der­set­zun­gen dar­über bezie­hen sich nicht auf die geneh­mi­gungs­recht­li­che Bewäl­ti­gung des Vor­ha­bens, son­dern allein auf des­sen Umset­zung. Auch tref­fen die Erwä­gun­gen, die die beschleu­ni­gen­de Kon­zen­tra­ti­on der rich­ter­li­chen Über­prü­fung wich­ti­ger Infra­struk­tur­vor­ha­ben auf eine Instanz recht­fer­ti­gen, auf Strei­tig­kei­ten über die Voll­zie­hung eines bestands­kräf­ti­gen Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses nicht oder nur ein­ge­schränkt zu [6].

Gemes­sen an die­sem Maß­stab fehlt es im vor­lie­gen­den Fall an der sach­li­chen Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts. Die Antrag­stel­ler beru­fen sich dar­auf, dass der Antrags­geg­ner mit den von ihm in Auf­trag gege­be­nen Bau­maß­nah­men die Gren­zen des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses vom 21.02.2007 über­schrei­te. Die Strei­tig­keit betrifft damit nicht im Sin­ne des § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren selbst, son­dern ledig­lich die kon­kre­te Voll­zie­hung des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses. Auch soweit die Antrag­stel­ler monie­ren, dass für eine wäh­rend der Bau­zeit vor­ge­se­he­ne pro­vi­so­ri­sche Ent­wäs­se­rungs­maß­nah­me die was­ser­recht­li­che Erlaub­nis feh­le und die Aus­füh­rungs­pla­nung dar­über hin­aus an ande­rer Stel­le von der gleich­zei­tig mit dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss erteil­ten was­ser­recht­li­chen Erlaub­nis abwei­che, man­gelt es an dem not­wen­di­gen unmit­tel­ba­ren Bezug zum Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren. Nichts ande­res gilt schließ­lich auch, soweit sie sich auf die in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt vom 19.02.2009 abge­ge­be­ne Pro­to­koll­erklä­rung beru­fen, in der die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de die Vor­la­ge der geprüf­ten Aus­füh­rungs­un­ter­la­gen vor Bau­be­ginn ange­ord­net und sich eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung für den Fall vor­be­hal­ten hat, dass Zwei­fel an der Durch­führ­bar­keit des Vor­ha­bens in tech­ni­scher oder in ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht bestehen. Zwar kann ein Rechts­streit um eine im Sin­ne von § 74 Abs. 3 VwVfG vor­be­hal­te­ne Ent­schei­dung von der Zuwei­sung gemäß § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO erfasst sein [7]. Doch geht es dar­um hier nicht. Die erwähn­te Pro­to­koll­erklä­rung vom 19.02.2009 soll­te nicht die Ent­schei­dung über den Auto­bahn­bau ganz oder teil­wei­se offen­hal­ten, son­dern eine abschlie­ßen­de Prü­fung ermög­li­chen, ob die Aus­füh­rungs­pla­nung tech­nisch geeig­net ist und sich im Rah­men der Plan­fest­stel­lung hält; der ergän­zend for­mu­lier­te Vor­be­halt einer Plan­än­de­rung bezieht sich ledig­lich auf einen nach inge­nieur­wis­sen­schaft­li­cher Ein­schät­zung nicht abseh­ba­ren Even­tu­al­fall, für den in der Plan­fest­stel­lung kei­ne Vor­sor­ge getrof­fen wer­den muss­te [8]. Auch im Zusam­men­hang mit der Pro­to­koll­erklä­rung betrifft der vor­lie­gen­de Rechts­streit daher nicht gemäß § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren, son­dern die Fra­ge, ob die umstrit­te­nen Bau­maß­nah­men von dem voll­zieh­ba­ren Plan­fest­stel­lungs­be­schluss gedeckt sind oder nicht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Juli 2013 – 9 VR 5.13

  1. vgl. auch Ehlers, in: Schoch/​Schneider/​Bier, VwGO, Stand August 2012, § 41 Rn. 26 m.w.N.[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 12.06.2007 – 7 VR 1.07, Buch­holz 310 § 50 VwGO Nr. 25 Rn. 8; ähn­lich bereits zu § 5 Ver­kPBG: Beschluss vom 18.05.2000 – 11 A 6.99, Buch­holz 407.3 § 5 Ver­kPBG Nr. 11 S. 2, jeweils m.w.N.[]
  3. s. etwa BVerwG, Beschluss vom 04.07.2012 – 9 VR 6.12, NVwZ 2012, 1126 Rn. 5[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 18.05.2000 a.a.O. m.w.N.[]
  5. BVerwG, Beschlüs­se vom 15.06.2011 – 7 VR 8.11, Buch­holz 407.3 § 5 Ver­kPBG Nr.20 Rn. 6 und vom 09.10.2012 – 7 VR 10.12, Buch­holz 310 § 50 VwGO Nr. 31 Rn. 5; anders noch zu dem frü­he­ren § 5 Ver­kPBG: BVerwG, Beschluss vom 31.07.2006 – 9 VR 11.06, Buch­holz 406.400 § 61 BNatSchG 2002 Nr. 6 Rn. 2[]
  6. vgl. auch zu § 48 Abs. 1 VwGO: OVG Ber­lin, Beschluss vom 13.12.1990 – 2 A 9.90 – DÖV 1991, 559; VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 20.10.2010 – 5 S 2335/​10, NVwZ 2011, 126[]
  7. vgl. zu § 48 VwGO auch VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 11.07.1995 – 8 S 434/​95, NVwZ-RR 1996, 69; Bier/​Panzer, in: Schoch/​Schneider/​Bier, VwGO, Stand August 2012, § 48 Rn. 9[]
  8. s. BVerwG, Urteil vom 18.03.2009 – 9 A 39.07, BVerw­GE 133, 239 Rn. 100, wört­lich in Bezug genom­men in dem Urteil vom sel­ben Tag – 9 A 31.07, dort Rn. 27[]