Zustän­dig­keits­pro­ble­me bei der Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des

Mit der Fra­ge, wel­ches Organ der Hoch­schu­le für die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des zustän­dig ist, wenn dies in der Pro­mo­ti­ons­ord­nung nicht aus­drück­lich gere­gelt ist, hat­te sich das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he zu befas­sen:

Zustän­dig­keits­pro­ble­me bei der Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des

Die Zustän­dig­keit für die Ent­schei­dung über die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des liegt nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Karls­ru­he nicht beim Rek­to­rat der Hoch­schu­le, son­dern viel­mehr beim Prü­fungs­aus­schuss. Die­ser ist zur Ent­schei­dung über die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des beru­fen.

Im vor­lie­gen­den Fall fin­den das Lan­des­hoch­schul­ge­setz in der Fas­sung vom 01.01.2005, zuletzt geän­dert durch Art. 2 des Ver­fass­te-Stu­die­ren­den-Geset­zes vom 10.07.2012, GBl. S. 457 (im Fol­gen­den: LHG a.F.), sowie die Pro­mo­ti­ons­ord­nung der Uni­ver­si­tät vom 28.06.2007, Amt­li­che Bekannt­ma­chung vom 29.06.2007, Nr. 25/​2007, in der am 01.06.2012 in Kraft getre­te­nen Fas­sung der Fünf­ten Ord­nung zur Ände­rung der Pro­mo­ti­ons­ord­nung der

vom 20.06.2012, Amt­li­che Bekannt­ma­chung vom 21.06.2012 Nr. 60/​2012 (im Fol­gen­den: Pro­mO) Anwen­dung. Dies folgt dar­aus, dass sich die Recht­mä­ßig­keit der Ent­zie­hung eines Dok­tor­gra­des – und damit auch die Zustän­dig­keit des zur Ent­schei­dung beru­fe­nen Gre­mi­ums – man­gels ander­wei­ti­ger Bestim­mun­gen im Hoch­schul­recht als dem ein­schlä­gi­gen Fach­recht nach der Sach- und Rechts­la­ge im Zeit­punkt des Erlas­ses des Wider­spruchs­be­scheids rich­tet [1].

Danach liegt die Zustän­dig­keit für die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des bei der Hoch­schu­le, die den Grad ver­lie­hen hat. Dies gilt über den in § 35 Abs. 7 Satz 2 LHG a.F. (neu: § 36 Abs. 7 Satz 2 LHG) gere­gel­ten Fall der Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des wegen unwür­di­gen Ver­hal­tens hin­aus für alle Fäl­le der Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des [2]. Nach § 8 Abs. 2 Satz 1 LHG a.F. han­deln in Ange­le­gen­hei­ten, die Hoch­schul­prü­fun­gen betref­fen, für die Hoch­schu­le die nach den Prü­fungs­ord­nun­gen zustän­di­gen Stel­len. Die­se Zustän­dig­keit für Hoch­schul­prü­fun­gen erfasst auch Pro­mo­tio­nen und damit die Ver­lei­hung wie auch – als „actus con­tra­ri­us“ – die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des. Auch bei der Rück­nah­me eines ver­lie­he­nen Dok­tor­gra­des han­delt es sich somit um eine Hoch­schul­prü­fun­gen betref­fen­de Ange­le­gen­heit [3].

Die Pro­mo­ti­ons­ord­nung der Uni­ver­si­tät als die hier ein­schlä­gi­ge Prü­fungs­ord­nung regelt in § 14 Abs. 3 Pro­mO, dass der Dok­tor­grad nach den gel­ten­den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen ent­zo­gen wer­den kann. Da die­se Rege­lung kei­ne aus­drück­li­che Zustän­dig­keits­be­stim­mung ent­hält, ist das für die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des zustän­di­ge Organ im Wege der Aus­le­gung ermit­teln.

Die sys­te­ma­ti­sche Aus­le­gung, die die sons­ti­gen Rege­lun­gen der Pro­mo­ti­ons­ord­nung in den Blick nimmt, spricht dafür, dass der Prü­fungs­aus­schuss nach § 3a Pro­mO für die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des zustän­dig ist. Nach § 14 Abs. 1 Pro­mO kann der Prü­fungs­aus­schuss die Pro­mo­ti­ons­leis­tun­gen für ungül­tig erklä­ren, wenn sich vor Aus­hän­di­gung der Pro­mo­ti­ons­ur­kun­de ergibt, dass der Bewer­ber oder die Bewer­be­rin sich bei den Pro­mo­ti­ons­leis­tun­gen einer Täu­schung schul­dig gemacht oder die Zulas­sung zum Pro­mo­ti­ons­ver­fah­ren durch Täu­schung erlangt hat. Es erscheint sach­ge­recht, dass die Zustän­dig­keit für die Ent­schei­dung über Sank­tio­nen wegen eines Ver­sto­ßes gegen die Pro­mo­ti­ons­ord­nung beim Prü­fungs­aus­schuss liegt – unab­hän­gig davon, ob die Urkun­de bereits über­ge­ben ist oder nicht, da in der Sache im Wesent­li­chen die­sel­ben Sach­ver­hal­te, ins­be­son­de­re die Schwe­re des Ver­sto­ßes, zu beur­tei­len sind.

Jeden­falls folgt die Zustän­dig­keit des Prü­fungs­aus­schus­ses für die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des aus dem Umstand, dass es sich bei der Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des um den actus con­tra­ri­us zur Ver­lei­hung han­delt und der Prü­fungs­aus­schuss nach den im vor­lie­gen­den Fall anwend­ba­ren Rege­lun­gen die eigent­li­che Sach­ent­schei­dung über die Ver­lei­hung des Dok­tor­gra­des trifft. Die Zustän­dig­keit des Prü­fungs­aus­schus­ses für die Ver­lei­hung des Dok­tor­gra­des folgt zum einen aus § 3 Pro­mO, wonach der Prü­fungs­aus­schuss für den orga­ni­sa­to­ri­schen Ablauf des Pro­mo­ti­ons­ver­fah­rens zustän­dig ist, soweit kei­ne ande­ren Zustän­dig­kei­ten fest­ge­legt sind. Die­se Zustän­dig­keit für die Orga­ni­sa­ti­on des Ver­fah­rens wird in § 3a Abs. 1 Pro­mO dahin­ge­hend erwei­tert, dass „für die Durch­füh­rung des Pro­mo­ti­ons­ver­fah­rens und die Erfül­lung der sons­ti­gen durch die­se Pro­mo­ti­ons­ord­nung zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben“ ein Prü­fungs­aus­schuss zu bil­den ist. Dar­aus lässt sich erse­hen, dass dem Prü­fungs­aus­schuss die tra­gen­de Rol­le bei der Durch­füh­rung des Pro­mo­ti­ons­ver­fah­rens zukommt. Ins­be­son­de­re ent­schei­det er auch gemäß § 8 Abs. 6 Satz 4 Pro­mO auf der Grund­la­ge der Gut­ach­ten und auf der Grund­la­ge vor­lie­gen­der Stel­lung­nah­men über die Annah­me oder die Ableh­nung der Dis­ser­ta­ti­on und legt bei Annah­me eine Bewer­tung der Dis­ser­ta­ti­on gemäß § 10 Abs. 1 Pro­mO fest. Nach­dem die Dis­ser­ta­ti­on ange­nom­men und die münd­li­che Prü­fung absol­viert wor­den ist, beschränkt sich die Ent­schei­dung des Vor­sit­zen­den des Prü­fungs­aus­schus­ses auf die blo­ße Fest­stel­lung, dass alle Pro­mo­ti­ons­leis­tun­gen außer der Ver­öf­fent­li­chung der Dok­tor­ar­beit erbracht sind, § 11 Abs. 3 Pro­mO. Auch der Pro­fes­so­ren­ver­samm­lung kom­men – anders als dem Prü­fungs­aus­schuss – nur sin­gu­lä­re Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se im Rah­men des Pro­mo­ti­ons­ver­fah­rens zu, die in der Pro­mo­ti­ons­ord­nung auf­ge­zählt sind. So ent­schei­det sie etwa gemäß § 5 Abs. 3 Pro­mO über die Annah­me als Dok­to­rand und weist die bei­den betreu­en­den Pro­fes­so­ren zu.

In der Aus­fer­ti­gung der Pro­mo­ti­ons­ur­kun­de mit den Unter­schrif­ten des Rek­tors und des Dekans der zustän­di­gen Fakul­tät liegt dage­gen kei­ne inhalt­li­che Sach­ent­schei­dung über die Ver­lei­hung des Dok­tor­gra­des, son­dern damit wird ledig­lich der durch das erfolg­rei­che Absol­vie­ren des Pro­mo­ti­ons­ver­fah­ren erwor­be­ne Anspruch auf Ver­lei­hung des Dok­tor­gra­des voll­zo­gen. Ins­be­son­de­re kön­nen weder der Dekan noch der Rek­tor die Ver­lei­hung des Dok­tor­gra­des aus eige­nem Recht ver­hin­dern, sofern der Bewer­ber die Anfor­de­run­gen der Pro­mo­ti­ons­ord­nung erfüllt, sprich der Prü­fungs­aus­schuss die Dis­ser­ta­ti­on ange­nom­men hat, die münd­li­che Prü­fung bestan­den und die Ver­öf­fent­li­chung der Arbeit erfolgt ist. Der Umstand, dass ein Mit­glied des Rek­to­rats, wel­ches zugleich Mit­glied der für die betref­fen­de Pro­mo­ti­on zustän­di­gen Fakul­tät ist und als sol­ches bei­spiels­wei­se eine gut­ach­ter­li­che Stel­lung­nah­me im Rah­men der Aus­le­gung der Dis­ser­ta­ti­on gemäß § 8 Abs. 5 Satz 4 Pro­mO abge­ben kann, ändert nichts dar­an, dass das Rek­to­rat oder ein­zel­ne Rek­to­rats­mit­glie­der kei­ne Sach­ent­schei­dung im Rah­men des Pro­mo­ti­ons­ver­fah­rens tref­fen.

Die­se Zustän­dig­keits­ver­tei­lung ent­spricht auch der gesetz­ge­be­ri­schen Funk­ti­ons­ver­tei­lung zwi­schen den Fakul­tä­ten auf der einen und dem Rek­to­rat als dem Zen­tral­or­gan der Hoch­schu­le auf der ande­ren Sei­te.

Gemäß § 16 Abs. 3 Satz 1 LHG a.F. ist das Rek­to­rat für alle Ange­le­gen­hei­ten zustän­dig, für die in die­sem Gesetz oder in der Grund­ord­nung nicht aus­drück­lich eine ande­re Zustän­dig­keit fest­ge­legt ist. Nach § 22 Abs. 1 LHG a.F. ist die Fakul­tät die orga­ni­sa­to­ri­sche Grund­ein­heit der Hoch­schu­le; sie erfüllt unbe­scha­det der Gesamt­ver­ant­wor­tung und der Zustän­dig­kei­ten der Hoch­schul­or­ga­ne in ihrem Bereich die Auf­ga­ben der Hoch­schu­le. Die Ver­lei­hung eines Dok­tor­gra­des ist eine klas­si­sche Auf­ga­be der Fakul­tä­ten, da die inner­halb eines Fach­be­reichs erbrach­ten wis­sen­schaft­li­chen Leis­tun­gen mit dem Dok­tor­ti­tel aus­ge­zeich­net wer­den. Im Bereich des Pro­mo­ti­ons­we­sens han­delt es sich bei den Fakul­tä­ten somit kei­nes­wegs um „nach­ge­ord­ne­te Behör­den“ der zen­tra­len Uni­ver­si­täts­ver­wal­tung, son­dern um die ori­gi­när zustän­di­gen Rechts­trä­ger. Dass dies bei­spiels­wei­se bei der Ernen­nung von Pro­fes­so­ren gemäß § 48 Abs. 3 Satz 1 LHG a.F. (neu: § 48 Abs. 2 Satz 1 LHG) oder bei der Ent­schei­dung über die Ver­tei­lung der für die Hoch­schu­le ver­füg­ba­ren Stel­len und Mit­tel gemäß § 16 Abs. 3 Satz 2 Nr. 6 LHG a.F. (neu: § 16 Abs. 3 Satz 2 Nr. 7 LHG) nach den gesetz­li­chen Rege­lun­gen anders ist, hat kei­ne Bedeu­tung für die vor­lie­gend in Rede ste­hen­de Fra­ge des Pro­mo­ti­ons­rechts. Aus die­sem Grund ist im Übri­gen auch eine ein­deu­ti­ge Zuord­nung des Pro­mo­ti­ons­vor­ha­bens zu einer Fakul­tät gebo­ten, was durch das Erfor­der­nis der Antrag­stel­lung zur Annah­me als Dok­to­rand bei einer Fakul­tät gemäß § 5 Abs. 1 Pro­mO und durch den ent­spre­chen­den Annah­me­be­schluss des Pro­fes­so­ren­kol­le­gi­ums die­ser Fakul­tät sicher­ge­stellt wird.

Inwie­weit eine Über­tra­gung der Auf­ga­ben der Fakul­tä­ten auf die zen­tra­len Orga­ne der Hoch­schu­le durch die Grund­ord­nung mög­lich wäre [4], bedarf hier kei­ner wei­te­ren Klä­rung, da die Grund­ord­nung der Uni­ver­si­tät hier­von kei­nen Gebrauch gemacht hat. Ins­be­son­de­re han­delt es sich bei dem Prü­fungs­aus­schuss, der sich nach § 3a Abs. 2 Pro­mO aus den Deka­nen der

Fakul­tä­ten sowie je einem wei­te­ren Pro­fes­sor aus jeder Fakul­tät sowie dem Lei­ter des Aka­de­mi­schen Prü­fungs­amts zusam­men­setzt, nicht um ein zen­tra­les Organ der Uni­ver­si­tät. Ein der­art zusam­men­ge­setz­tes Gre­mi­um konn­te viel­mehr zuläs­si­ger­wei­se auf der Grund­la­ge des § 15 Abs. 6 LHG a.F. als gemein­sa­me Kom­mis­si­on der Fakul­tä­ten gebil­det wer­den und damit stell­ver­tre­tend für die­se han­deln. Nach § 15 Abs. 6 Satz 1 LHG a.F. kön­nen für Auf­ga­ben, die eine Zusam­men­ar­beit meh­re­rer Fakul­tä­ten einer Hoch­schu­le oder meh­re­rer Stu­di­en­aka­de­mien erfor­dern, gemein­sa­me Ein­rich­tun­gen und gemein­sa­me Kom­mis­sio­nen gebil­det und zugleich deren Bezeich­nung fest­ge­legt wer­den. Einer sol­chen gemein­sa­men Kom­mis­si­on kön­nen nach § 15 Abs. 6 Satz 2 LHG a.F. unter ande­rem Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se über Habi­li­ta­ti­ons, Pro­mo­ti­ons- und ande­re Prü­fungs­an­ge­le­gen­hei­ten ein­ge­räumt wer­den, wobei die Vor­ga­ben des § 10 Abs. 3 LHG hin­sicht­lich der Stim­men­ge­wich­tun­gen ein­zu­hal­ten sind. Von die­ser Mög­lich­keit der Ein­räu­mung von Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen haben die Fakul­tä­ten der Uni­ver­si­tät mit der Über­tra­gung der Zustän­dig­keit für das Pro­mo­ti­ons­ver­fah­ren auf den Prü­fungs­aus­schuss gemäß § 3a Pro­mO in recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se Gebrauch gemacht.

Eben­falls nur mit der Zustän­dig­keit der Fakul­tä­ten bzw. der für ihre Auf­ga­ben­er­fül­lung geschaf­fe­nen gemein­sa­men Kom­mis­sio­nen – hier des Prü­fungs­aus­schus­ses – für die Fra­gen der Pro­mo­ti­on und des sons­ti­gen Prü­fungs­we­sens, ist zu erklä­ren, dass das Lan­des­hoch­schul­ge­setz in § 8 Abs. 2 Satz 3 LHG a.F. anord­net, dass das für die Leh­re zustän­di­ge Mit­glied des Rek­to­rats über Wider­sprü­che in Ange­le­gen­hei­ten, die Hoch­schul­prü­fun­gen betref­fen, ent­schei­det. Die­se dem für die Leh­re zustän­di­gen Mit­glied des Rek­to­rats zuge­wie­se­nen Befug­nis­se einer Wider­spruchs­be­hör­de, stel­len sicher, dass die ein­zel­nen Fakul­tä­ten der Uni­ver­si­tät in prü­fungs­recht­li­chen Fra­gen ein­heit­li­che recht­li­che Maß­stä­be anle­gen. Aller­dings ist nach der Recht­spre­chung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg bei der Ent­schei­dung über den Wider­spruch auf den beson­de­ren Beur­tei­lungs­spiel­raum des Prü­fungs­gre­mi­ums, hier des Prü­fungs­aus­schus­ses, Rück­sicht zu neh­men [5].

Die­se Ein­schrän­kung der Wider­spruchs­be­fug­nis setzt vor­aus, dass nicht das Rek­to­rat als zen­tra­les Organ der Hoch­schu­le, son­dern viel­mehr das zustän­di­ge Prü­fungs­gre­mi­um die Aus­gangs­ent­schei­dung getrof­fen hat, wobei die­ses im Fal­le der Ent­zie­hung eines Dok­tor­gra­des neben der Beur­tei­lung des Umfangs oder des Gewichts des Pla­gi­ats und des Aus­ma­ßes der damit ver­bun­de­nen Schä­di­gung der öffent­li­chen Inter­es­sen im Rah­men des Ermes­sens auch über die Bedeu­tung der per­sön­li­chen Belan­ge des Betrof­fe­nen zu ent­schei­den hat. Nur wenn das Prü­fungs­gre­mi­um eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung ein­schließ­lich der erfor­der­li­chen Ermes­sens­aus­übung getrof­fen hat und der Betrof­fe­ne dage­gen einen Wider­spruch ein­legt, wird die Wider­spruchs­be­fug­nis des Pro­rek­tors für Leh­re begrün­det. Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Uni­ver­si­tät fin­det eine Auf­spal­tung der Ent­schei­dungs­kom­pe­ten­zen zwi­schen dem Prü­fungs­gre­mi­um, das über das Gewicht des Ver­sto­ßes ent­schei­det, und dem zen­tra­len Organ, das die Ermes­sens­ent­schei­dung trifft, auf der Ebe­ne des Aus­gangs­be­schei­des nicht statt. Dem­entspre­chend wür­de sich bei rich­ti­ger Rechts­an­wen­dung das von der Klä­ge­rin zu Recht auf­ge­wor­fe­ne Pro­blem, dass ein Mit­glied des Rek­to­rats zur Ent­schei­dung gemäß § 8 Abs. 2 Satz 3 LHG über den Wider­spruch gegen den Bescheid des gesam­ten Gre­mi­ums beru­fen wäre, nicht stel­len.

Der Zustän­dig­keit des Prü­fungs­aus­schus­ses steht auch nicht ent­ge­gen, dass nach § 1 Satz 1 Pro­mO die Uni­ver­si­tät den Dok­tor­grad ver­leiht. Damit wird ledig­lich das in § 38 Abs. 1 Satz 2 LHG a.F. gere­gel­te Pro­mo­ti­ons­recht der Hoch­schu­len im Rah­men ihrer Auf­ga­ben­stel­lung aus­ge­füllt. Eben­so wie die sons­ti­gen aka­de­mi­schen Titel erwirbt der Dok­to­rand den Titel an der Uni­ver­si­tät, in der Sache wird die Prü­fung und die Durch­füh­rung des Ver­fah­rens jedoch, wie bereits aus­ge­führt, von den Fakul­tä­ten bzw. den von ihnen gebil­de­ten Kom­mis­sio­nen erfüllt. Dem­entspre­chend legt auch nicht etwa die Hoch­schu­le, son­dern viel­mehr die zustän­di­ge Fakul­tät jeweils bei der Annah­me als Dok­to­rand fest, wel­cher Dok­tor­grad ver­lie­hen wird, § 1 Satz 2 Pro­mO.

Nichts ande­res folgt aus dem Umstand, dass es sich vor­lie­gend nicht um eine Pro­mo­ti­ons­ord­nung der Fakul­tät, son­dern um eine sol­che der gesam­ten Hoch­schu­le han­delt. Eben­so wie es im Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen der Hoch­schu­le liegt, gemein­sa­me Gre­mi­en bzw. Kom­mis­sio­nen der Fakul­tä­ten gemäß § 16 Abs. 5 LHG a.F. zu schaf­fen, kön­nen die Fakul­tä­ten ihr Prü­fungs­we­sen auch nach einer gemein­sa­men Pro­mo­ti­ons­ord­nung oder nach sons­ti­gen gemein­sa­men Prü­fungs­ord­nun­gen aus­rich­ten, denn dies­be­züg­li­che Vor­ga­ben las­sen sich § 38 Abs. 4 LHG a.F., der die Sat­zungs­er­mäch­ti­gung für die Pro­mo­ti­ons­ord­nun­gen der Hoch­schu­len ent­hält, nicht ent­neh­men. Dies begrün­det jedoch nicht die Zustän­dig­keit des Rek­to­rats ent­ge­gen der gesetz­li­chen Auf­ga­ben­ver­tei­lung. Eine sol­che könn­te – wenn über­haupt – nur durch die Grund­ord­nung der Uni­ver­si­tät erfol­gen, was hier jedoch, wie bereits aus­ge­führt, nicht gesche­hen ist.

Schließ­lich begrün­det auch der Umstand, dass ein Prü­fungs­aus­schuss gemäß § 3a Pro­mO nach den Anga­ben der Uni­ver­si­tät zum Zeit­punkt des Erlas­ses des Ent­zie­hungs­be­scheids nicht ein­ge­setzt war, son­dern des­sen Auf­ga­ben regel­mä­ßig durch die Pro­fes­so­ren­ver­samm­lung der jewei­li­gen Fakul­tät wahr­ge­nom­men wur­den, nicht die Zustän­dig­keit des Rek­to­rats. Unge­ach­tet des Umstan­des, dass die Uni­ver­si­tät jeden­falls für den Erlass belas­ten­der Ver­fü­gun­gen, um die es sich bei der Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des han­delt, gege­be­nen­falls einen Prü­fungs­aus­schuss hät­te ein­rich­ten müs­sen und dies nach den Vor­ga­ben des § 3a Pro­mO auch mög­lich gewe­sen wäre, führt eine stän­di­ge Pra­xis der Uni­ver­si­tät, die nicht im Ein­klang mit den Sat­zungs­re­ge­lun­gen steht, nicht zu einer Zustän­dig­keits­be­grün­dung. Dass im Nor­mal­fall der rei­bungs­lo­sen Durch­füh­rung eines Pro­mo­ti­ons­ver­fah­ren, das mit der Ver­lei­hung der Dok­tor­wür­de und damit einem begüns­ti­gen­den Ver­wal­tungs­akt endet, das Feh­len des zustän­di­gen Prü­fungs­aus­schus­ses nicht rele­vant wird, hat kei­ne Bedeu­tung für die recht­lich maß­ge­ben­den Rege­lun­gen im vor­lie­gen­den Fall.

Der for­mel­le Feh­ler ist auch nicht nach § 46 LVwVfG unbe­acht­lich. Nach § 46 LVwVfG kann die Auf­he­bung eines Ver­wal­tungs­ak­tes, der nicht nach § 44 LVwVfG nich­tig ist, nicht allein des­halb bean­sprucht wer­den, weil er unter Ver­let­zung von Vor­schrif­ten über das Ver­fah­ren, die Form oder die ört­li­che Zustän­dig­keit zustan­de gekom­men ist, wenn offen­sicht­lich ist, dass die Ver­let­zung die Ent­schei­dung in der Sache nicht beein­flusst hat. Zwar liegt hier ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ge­rin kein Fall der Nich­tig­keit des Ver­wal­tungs­ak­tes nach § 44 LVwVfG vor, da weder einer der Nich­tig­keits­grün­de des § 44 Abs. 2 LVwVfG gege­ben ist, noch der Feh­ler, an dem der Ver­wal­tungs­akt lei­det, bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung aller in Betracht kom­men­den Umstän­de offen­kun­dig im Sin­ne des § 44 Abs. 1 LVwVfG ist. Soweit das Rek­to­rat über die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des ent­schie­den hat, liegt jedoch kein blo­ßer Ver­fah­rens­feh­ler, son­dern ein Ver­stoß gegen die sach­li­che Zustän­dig­keit vor. Ein sol­cher wird von der Unbe­acht­lich­keits­re­ge­lung des § 46 LVwVfG von vorn­her­ein nicht erfasst [6]. Dar­über hin­aus han­delt es sich bei der Ent­schei­dung über die Ent­zie­hung des Dok­tor­gra­des nach § 48 Abs. 1 Satz 1 LVwVfG um eine Ermes­sens­ent­schei­dung, bei der ange­sichts des Umstan­des, dass ein ande­res Gre­mi­um gege­be­nen­falls ande­re Ermes­sens­er­wä­gun­gen anstel­len kann, es nicht offen­sicht­lich ist, dass die Ver­let­zung die Ent­schei­dung in der Sache nicht beein­flusst hat [7].

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 21. Janu­ar 2015 – 7 K 761/​11

  1. VG Düs­sel­dorf, Urteil vom 20.03.2014 – 15 K 2271/​13 39; Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts vom 04.03.2013 – 7 K 3335/​11 28; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 19.04.2000 – 9 S 2435/​99, KMK-HschR/NF 21A Nr.19[]
  2. VG Karls­ru­he, Urteil vom 04.03.2013 – 7 K 3335/​11 26; eben­so unter Hin­weis auf die stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts: VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 19.04.2000 – 9 S 2435/​99, KMK-HschR/NF 21A Nr.19[]
  3. zuletzt VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 03.02.2014 – 9 S 885/​13 8 m.w.N.; Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts vom 04.03.2013 – 7 K 3335/​11 63[]
  4. vgl. zur Rege­lung des § 26 Abs. 5 Satz 1 HG NRW OVG NRW, Urtei­le vom 22.01.2013 – 6 A 839/​11; und vom 27.02.2014 – 6 A 274/​12[]
  5. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 19.04.2000 – 9 S 2435/​99 34 m.w.N.[]
  6. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 18.12.2012 – 10 S 2058/​11, ESVGH 63, 154; Kopp/​Ramsauer, Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz, Kom­men­tar, 14. Aufl., § 46 Rdnr. 14[]
  7. BVerwG, Urteil vom 07.10.1980 – 6 C 39.80, BVerw­GE 61, 45; Kopp/​Ramsauer, VwVfG, 14. Aufl., § 46 Rdnr. 32 m.w.N.[]