Zuver­läs­sig­keits­über­prü­fung bei Pri­vat­pi­lo­ten mit Alt­li­zen­zen

Nine-Ele­ven lässt grü­ßen: Auch Pri­vat­pi­lo­ten, die noch im Besitz einer soge­nann­ten Alt­li­zenz sind, müs­sen sich der seit 2005 vor­ge­schrie­be­nen Über­prü­fung ihrer luft­si­cher­heits­recht­li­chen Zuver­läs­sig­keit unter­zie­hen, wie jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig in zwei Fäl­len ent­schied.

Zuver­läs­sig­keits­über­prü­fung bei Pri­vat­pi­lo­ten mit Alt­li­zen­zen

Die Klä­ger in den bei­den jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fäl­len waren Inha­ber von Flug­li­zen­zen für Pri­vat­pi­lo­ten. Nach­dem sie sich wei­ger­ten, sich einer Über­prü­fung ihrer luft­si­cher­heits­recht­li­chen Zuver­läs­sig­keit nach Maß­ga­be des am 15. Janu­ar 2005 in Kraft getre­te­nen Geset­zes zur Neu­re­ge­lung von Luft­si­cher­heits­auf­ga­ben zu unter­zie­hen, wur­den ihre Luft­fah­rer­er­laub­nis­se ganz bzw. teil­wei­se wider­ru­fen. Hier­ge­gen wand­ten sich die Klä­ger mit dem Argu­ment, dass das Gesetz ver­fas­sungs­wid­rig sei; es sei ohne die erfor­der­li­che Zustim­mung des Bun­des­ra­tes zustan­de gekom­men und ver­let­ze sie in ihren Grund­rech­ten. Die Neu­re­ge­lun­gen ent­hiel­ten auch kei­ne Rechts­grund­la­ge dafür, von Pilo­ten, die zum Zeit­punkt des In-Kraft-Tre­tens der Neu­re­ge­lung bereits im Besitz einer Flug­li­zenz gewe­sen sei­en, die Durch­füh­rung einer Zuver­läs­sig­keits­über­prü­fung zu ver­lan­gen. Die gegen die Beschei­de erho­be­nen Kla­gen sind in sowohl vor den erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Ver­wal­tungs­ge­rich­ten Min­den [1] und Arns­berg [2] wie auch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter [3] jeweils ohne Erfolg geblie­ben.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te dies jetzt und wies die Revi­sio­nen der Klä­ger zurück. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe in sei­nem Beschluss vom 4. Mai 2010 [4] mit bin­den­der Wir­kung fest­ge­stellt, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, dass die Neu­re­ge­lun­gen nicht der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes bedurft hät­ten und dass die dort vor­ge­se­he­ne Über­prü­fung der luft­si­cher­heits­recht­li­chen Zuver­läs­sig­keit von Pri­vat­pi­lo­ten nicht gegen Grund­rech­te oder gegen Anfor­de­run­gen des Rechts­staats­prin­zips ver­sto­ßen. Der dort vor­ge­schrie­be­nen Zuver­läs­sig­keits­über­prü­fung müss­ten sich nach dem Sinn und Zweck der Rege­lung auch Alt­li­zenz­in­ha­ber unter­zie­hen. Stell­ten sie kei­nen Antrag auf Über­prü­fung, ver­blie­ben Zwei­fel an ihrer luft­si­cher­heits­recht­li­chen Zuver­läs­sig­keit, die die Luft­fahrt­be­hör­de zum Wider­ruf der Erlaub­nis berech­tig­ten. Eine Ver­let­zung des Rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung sei damit nicht ver­bun­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 14. April 2011 – 3 C 20.10 und 24.10

  1. VG Min­den, Urteil vom 08.03.2007 – 7 K 185/​06[]
  2. VG Arns­berg, Urteil vom 30.08.2007 – 7 K 2608/​06[]
  3. OVG NRW, Urtei­le vom 23.04.2008 – 20 A 971/​07; und vom 16.10.2008 – 20 A 2921/​07[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 4. Mai 2010 – 2 BvL 8 und 9/​07[]