10% – auch auf frem­de Rabatt-Cou­pons

Für den Bun­des­ge­richts­hof ist es grund­sätz­lich nicht unlau­ter, wenn ein Unter­neh­men Rabatt-Cou­pons sei­ner Mit­be­wer­ber ein­löst.

10% – auch auf frem­de Rabatt-Cou­pons

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Falls warb ein Unter­neh­men, das bun­des­weit Dro­ge­rie­märk­te betreibt, damit, dass in ihren Filia­len Kun­den 10%-Rabatt-Coupons von Mit­be­wer­bern vor­le­gen und einen ent­spre­chen­den Rabatt auf den Ein­kauf erhal­ten kön­nen. Die Zen­tra­le zur Bekämp­fung unlau­te­ren Wett­be­werbs hielt die­se Wer­bung unter dem Gesichts­punkt der geziel­ten Behin­de­rung der ande­ren Dro­ge­rie­märk­te, die die Rabatt-Cou­pons aus­ge­ge­ben haben, für wett­be­werbs­wid­rig. Die Dro­ge­rie­ket­te zie­le in ers­ter Linie dar­auf ab, sich die Wer­be­maß­nah­men der Mit­be­wer­ber zu eigen zu machen und deren Erfolg zu ver­hin­dern. Die Wer­bung sei zudem irre­füh­rend, weil den Kun­den sug­ge­riert wer­de, die Dro­ge­rie­ket­te habe mit ihren Kon­kur­ren­ten ver­ein­bart, Rabatt­gut­schei­ne gegen­sei­tig anzu­er­ken­nen. Die Wett­be­werbs­zen­tra­le hat die Dro­ge­rie­ket­te daher auf Unter­las­sung und Ersatz von Abmahn­kos­ten in Anspruch genom­men.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Ulm hat die Unter­las­sungs­kla­ge der Wett­be­werbs­zen­tra­le abge­wie­sen (LG Ulm, Urteil vom 20.11.2014 – 11 O 36/​14 KfH, WRP 2015, 491)), das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart die Beru­fung der Wett­be­werbs­zen­tra­le zurück­ge­wie­sen 1. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun auch die Revi­si­on der Wett­be­werbs­zen­tra­le zurück­ge­wie­sen:

Ein unlau­te­res Ein­drin­gen in einen frem­den Kun­den­kreis ist der Dro­ge­rie­ket­te nicht vor­zu­wer­fen, befand der Bun­des­ge­richts­hof. Die Emp­fän­ger von Rabatt­gut­schei­nen sind für ihre nächs­ten Ein­käu­fe noch kei­ne Kun­den des wer­ben­den Unter­neh­mens. Das gilt auch, wenn die Gut­schei­ne an Inha­ber einer Kun­den­kar­te oder Teil­neh­mer eines Kun­den­bin­dungs­pro­gramms ver­sandt wer­den. Ob sol­che Gut­schei­ne ver­wen­det wer­den, ent­schei­det der Ver­brau­cher regel­mä­ßig erst spä­ter.

Soweit die Dro­ge­rie­ket­te mit Auf­stel­lern in ihren Filia­len wirbt, wen­det sie sich zudem gezielt an eige­ne und nicht an frem­de Kun­den. Die Ver­brau­cher wer­den fer­ner nicht dar­an gehin­dert, die Gut­schei­ne bei dem jeweils aus­ge­ben­den Unter­neh­men ein­zu­lö­sen. Viel­mehr erhal­ten sie die Mög­lich­keit, den­sel­ben wirt­schaft­li­chen Vor­teil auch durch einen Ein­kauf bei der Dro­ge­rie­ket­te zu erlan­gen.

Die­se wei­te­re Chan­ce der Ver­brau­cher, Rabat­te zu erhal­ten, ist kei­ne unlau­te­re Wer­be­be­hin­de­rung der Mit­be­wer­ber. Der Dro­ge­rie­ket­te steht es frei, sich beson­ders um die­je­ni­gen Kun­den zu bemü­hen, die von ihren Mit­be­wer­bern mit Gut­schei­nen und Kun­den­bin­dungs­pro­gram­men umwor­ben wer­den.

Auch eine unlau­te­re Irre­füh­rung liegt nicht vor. Die Wer­bung der Dro­ge­rie­ket­te bezieht sich ein­deu­tig nur auf ihr Unter­neh­men. Aus Ver­brau­cher­sicht liegt es fern, dar­in eine abge­spro­che­ne Wer­be­maß­nah­me meh­re­rer Unter­neh­men zu sehen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Juni 2016 – – I ZR 137/​15

  1. OLG Stutt­gart, Urteil vom 02.07.2015 – 2 U 148/​14, WRP 2015, 1128[]