180 Frei­mi­nu­ten in 21 Minu­ten abte­le­fo­nie­ren

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf unter­sag­te letz­te Woche dem Tele­fon­an­bie­ter Tele2 die Wer­bung mit dem Slo­gan "Als Start­ge­schenk erhal­ten Sie von uns 180 Frei­mi­nu­ten." Nach Über­zeu­gung des OLG Düs­sel­dorf ist die Wer­bung irre­füh­rend, weil das Unter­neh­men kei­ne "ech­ten Frei­mi­nu­ten" gewäh­re, son­dern ledig­lich eine Gut­schrift von 4,18 €. Tele2 hat­te ledig­lich in einer Fuß­no­te der Anzei­ge dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Frei­mi­nu­ten­an­ga­be sich auf Fern­ge­sprä­che im Fest­netz bezie­he. Die­se Start­gut­schrift von 4,18 € wäre etwa bei dem von Tele 2 ange­bo­te­nen Mobil­funk­ta­rif bei Anru­fen in Mobil­funk­net­ze bereits nach 21 Minu­ten ver­braucht gewe­sen.

180 Frei­mi­nu­ten in 21 Minu­ten abte­le­fo­nie­ren

Die Deut­sche Tele­kom AG hat­te die Tele2 GmbH des­we­gen vor dem Land­ge­richt Düs­sel­dorf auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men und bereits in ers­ter Instanz obsiegt. Die hier­ge­gen von Tele2 ein­ge­leg­te Beru­fung blieb jetzt auch vor dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ohne Erfolg. Das OLG Düs­sel­dorf schloss sich der Auf­fas­sung des Land­ge­richts an und bejah­te einen Unter­las­sungs­an­spruch des kla­gen­den Kon­kur­ren­ten, weil die Wer­bung irre­füh­rend sei (§ 8 Abs. 1, § 3 Abs. 1, § 5 Abs. 1 Nr. 2 UWG). Die Wer­bung erwe­cke den unzu­tref­fen­den Ein­druck, dass der Kun­de ein­schrän­kungs­los 180 Minu­ten in alle Net­ze tele­fo­nie­ren kön­ne, ohne dass Tele­fon­kos­ten anfie­len. Tat­säch­lich könn­ten die Kun­den mit dem „Start­ge­schenk“ jedoch bei Aus­lands- oder Mobil­funk­ge­sprä­chen nur wesent­lich kür­zer tele­fo­nie­ren, in Mobil­funk­net­ze nur 21 Minu­ten. Im Kern wer­de daher mit einer Gut­schrift von 4,18 Euro und nicht mit Frei­mi­nu­ten gewor­ben. Auch der Hin­weis in der Fuß­no­te ände­re hier­an nichts, weil schon die blick­fang­mä­ßi­ge Wer­bung objek­tiv unrich­tig gewe­sen sei. Außer­dem ver­wir­re die Fuß­no­te mit der wei­te­ren For­mu­lie­rung „Die Frei­mi­nu­ten­gut­schrift kann auch zu ande­ren Zei­ten und Zie­len genutzt wer­den“ und ver­stär­ke sogar noch die Irre­füh­rung.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 19.5.2009 – I‑20 U 77/​08,