21 Orgas­men vor dem Land­ge­richt Düs­sel­dorf

Auf der Ver­pa­ckung von Kon­do­men darf nicht mit der Anga­be „1 Tüte à 7 Stück ent­spricht bis zu 21 Orgas­men“ gewor­ben wer­den. Denn dadurch kann der Ver­brau­cher dar­über getäuscht wer­den, dass ein Kon­dom tat­säch­lich nur ein­mal ver­wen­det wer­den darf.

21 Orgas­men vor dem Land­ge­richt Düs­sel­dorf

Kon­do­me sind Medi­zin­pro­duk­te im Sin­ne des § 3 Abs. 1 d) MPG und dür­fen, wie sich aus der für Kon­do­me anwend­ba­ren EN ISO 4074: 2002 ergibt, nur ein­mal ver­wen­det wer­den. Die­ses Gebot zur Ein­mal­ver­wen­dung mag einem erheb­li­chen Teil der ange­spro­che­nen Ver­brau­cher aller Alters­klas­sen zwar bekannt sein. Gera­de bei Jugend­li­chen, so das Land­ge­richt Düs­sel­dorf, ist der Auf­klä­rungs­be­darf zur rich­ti­gen Anwen­dung von Kon­do­men aber anhal­tend hoch und bei mehr­deu­ti­gen Anga­ben die Gefahr der Irre­füh­rung gege­ben.

Zu urtei­len hat­te das Land­ge­richt in einer Wett­be­werbs­strei­tig­keit zwi­schen zwei Kon­dom­her­stel­lern. Im Urteil heißt es, dass die Gefahr der Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on der Aus­sa­ge „1 Tüte à 7 Stück ent­spricht bis zu 21 Orgas­men“ nicht dadurch aus­ge­schlos­sen ist, dass der Ver­brau­cher den humor­vol­len Cha­rak­ter der Äuße­rung erkennt, weil auf der Rück­sei­te der Kon­dom­ver­pa­ckung in der „Mehr­wer­t­e­ta­bel­le“ auch Anga­ben zum Kalo­rien­ver­brauch und in einer Fuß­no­te am Ende der Tabel­le der Hin­weis „Kann Spu­ren von Feen­staub ent­hal­ten“ abge­druckt sind. Die Kam­mer ver­weist dar­auf, dass auf der Rück­sei­te der Ver­pa­ckung viel­mehr auch dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass 50 % des Gewinns an gemein­nüt­zi­ge Pro­jek­te abge­führt wer­den. Wegen die­ser Kom­bi­na­ti­on von einer­seits ernst zu neh­men­den und ande­rer­seits eher lus­ti­gen Anga­ben wer­de dem Ver­brau­cher nicht auf Anhieb klar, dass ledig­lich humor­voll das sen­si­ble The­ma der mul­ti­plen Orgas­men ange­spro­chen wer­de.

Land­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 26. Novem­ber 2015 – 14c O 124/​15