Ver­öf­fent­li­chung von Sub­ven­ti­ons­emp­fän­gern im Inter­net V

Nach dem Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den hat jetzt auch das Ver­wal­tungs­ge­richt Schles­wig in drei Eil­ver­fah­ren die für Ende April 2009 im Rah­men der soge­nann­ten "Euro­päi­schen Trans­pa­renz­in­itia­ti­ve" vor­ge­schrie­be­ne Ver­öf­fent­li­chung von geleis­te­ten Agrar­sub­ven­tio­nen unter Namens­nen­nung der betrof­fe­nen Land­wir­te im Inter­net vor­läu­fig gestoppt.

Ver­öf­fent­li­chung von Sub­ven­ti­ons­emp­fän­gern im Inter­net V

Die Antrag­stel­ler der drei Eil­ver­fah­ren, exem­pla­risch ein Land­wirt als natür­li­che Per­son, eine Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung (GmbH) und eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, hat­ten gel­tend gemacht, die vor­ge­se­he­ne Ver­öf­fent­li­chung der Daten im Inter­net ver­let­ze das euro­pa­recht­lich gewähr­leis­te­te Recht auf Ach­tung des Pri­vat­le­bens – inso­weit ver­gleich­bar dem vom Grund­ge­setz gewähr­leis­te­ten Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung – bzw. ver­sto­ße gegen betrieb­li­chen Daten­schutz im Zusam­men­hang mit Geschäfts- und Betriebs­ge­heim­nis­sen. Die für jeder­mann unkon­trol­lier­bar zugäng­li­chen Infor­ma­tio­nen im Inter­net lie­ßen Rück­schlüs­se auf per­sön­li­che Ein­kom­men inklu­si­ve Ein­kom­mens­schwan­kun­gen, Kre­dit­wür­dig­keit und ande­re nicht für die Öffent­lich­keit bestimm­te betriebs­be­zo­ge­ne Daten, etwa in Bezug auf die Grö­ße des Betrie­bes oder ähn­li­ches zu. Dies sei von einem Inter­es­se der Öffent­lich­keit an einer Trans­pa­renz von geleis­te­ten (Agrar-) Sub­ven­tio­nen nicht mehr gedeckt.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Schles­wig ist die­ser Argu­men­ta­ti­on im Wesent­li­chen gefolgt und hat erheb­li­che Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit der Ver­öf­fent­li­chung der genann­ten Daten im Inter­net geäu­ßert. Neben for­mel­len Beden­ken hin­sicht­lich der betref­fen­den EU-Ver­ord­nung bestehen die­se Beden­ken haupt­säch­lich bezüg­lich einer Ver­öf­fent­li­chung gera­de im Inter­net. Damit wer­de welt­weit ein nicht rück­ver­folg­ba­rer Zugang zu die­sen Daten ermög­licht, der eine mög­li­che Kon­trol­le miss­bräuch­li­cher Wei­ter­ver­ar­bei­tung durch Drit­te erheb­lich erschwe­re. Das Gericht hat, selbst wenn es sich nur um Daten mitt­le­rer Sen­si­bi­li­tät han­delt, ganz erheb­li­che Zwei­fel dar­an, ob die Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net ohne zusätz­li­che Siche­rungs­me­cha­nis­men noch in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zum ver­folg­ten Ziel einer erhöh­ten Trans­pa­renz bei der Sub­ven­ti­ons­ver­ga­be steht.

Mit den aus­ge­spro­che­nen einst­wei­li­gen Anord­nun­gen wird das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ver­pflich­tet, die Ver­öf­fent­li­chung der betref­fen­den Daten solan­ge zu unter­las­sen, bis der Euro­päi­sche Gerichts­hof über die Vor­la­ge des Ver­wal­tungs­ge­richts Wies­ba­den zu die­ser Pro­ble­ma­tik ent­schie­den hat.

Ver­wal­tungs­ge­richt Schles­wig, Beschlüs­se vom 23. April 2009 – 1 B 6/​09, 1 B 7/​09, 1 B 8/​09).