Absatz­för­de­rung der deut­schen Forst- und Holz­wirt­schaft

Neben der bereits Anfang Febru­ar vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt als ver­fas­sungs­wid­rig abge­ur­teil­ten Absatz­för­de­rung der deut­schen Land- und Ernäh­rungs­wirt­schaft (CMA) gibt es auch noch die – ähn­lich struk­tu­rier­te – Absatz­för­de­rung der deut­schen Forst- und Holz­wirt­schaft nach dem Holz­ab­satz­fonds­ge­setz (HAfG) bzw., bis Ende 1998, nach dem Forstab­satz­fonds­ge­setz (FAfG). Die­sen Holz­ab­satz­fonds sowie sei­nen Vor­gän­ger, den Forstab­satz­fonds ereil­te heu­te das glei­che Ver­dikt des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts. Das BVerfG stuf­te auch die­se Absatz­för­de­rungs­fonds heu­te als ver­fas­sungs­wid­rig ein.

Absatz­för­de­rung der deut­schen Forst- und Holz­wirt­schaft

Der Forstab­satz­fonds und anschlie­ßend der Holz­ab­satz­fonds hat­ten als Anstalt des öffent­li­chen Rechts mit Sitz in Bonn die Auf­ga­be, den Absatz und die Ver­wer­tung von Erzeug­nis­sen der deut­schen Forst­wirt­schaft und der Holz­wirt­schaft durch Erschlie­ßung und Pfle­ge von Märk­ten im In- und Aus­land mit moder­nen Mit­teln und Metho­den zu för­dern. Zu die­sem Zweck flos­sen dem Fonds zur Durch­füh­rung Abga­ben zu. Die­se Abga­ben wur­den von den Betrie­ben der Forst­wirt­schaft, spä­ter auch der Holz­wirt­schaft erho­ben. Auf aus­län­di­sche Roh­holz­im­por­te wur­den kei­ne Abga­ben erho­ben. Die Gesamt­auf­wen­dun­gen des Holz­ab­satz­fonds betru­gen aus­weis­lich sei­nes Jah­res­be­richts im Jahr 2007 ins­ge­samt rund 14,1 Mil­lio­nen Euro. Davon wur­den rund 13,5 Mil­lio­nen Euro für Mar­ke­ting­maß­nah­men auf­ge­wen­det.

Mit Bescheid vom 21. Juni 1996 setz­te die im Aus­gangs­ver­fah­ren beklag­te Bun­des­an­stalt gegen­über dem Beschwer­de­füh­rer gemäß § 10 Abs. 1 FAfG für das zwei­te Halb­jahr des Jah­res 1995 Forstab­satz­fonds­ab­ga­ben in Höhe von 3.036,50 DM fest. Der Wider­spruch gegen den Bescheid und die anschlie­ßend erho­be­ne Kla­ge blie­ben erfolg­los; der Antrag des Beschwer­de­füh­rers auf Zulas­sung der Beru­fung wur­de abge­lehnt. Mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de macht der Beschwer­de­füh­rer gel­tend, die Abga­be sei eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Son­der­ab­ga­be.

Der Zwei­te Senat des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ent­schied, dass die Rege­lun­gen des Forstab­satz­fonds­ge­set­zes und deren Nach­fol­ge­re­ge­lun­gen im Hozab­satz­fonds­ge­setz zur Abga­ben­er­he­bung mit dem Grund­ge­setz unver­ein­bar und nich­tig sind und den Beschwer­de­füh­rer in sei­nem Grund­recht aus Art. 12 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 105 und Art. 110 des Grund­ge­set­zes ver­let­zen. Bei der Abga­be han­delt es sich um eine unzu­läs­si­ge Son­der­ab­ga­be, da es an der Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung der deut­schen Holz- und Forst­wirt­schaft dafür fehlt.

Der Ent­schei­dung lie­gen im Wesent­li­chen fol­gen­de Erwä­gun­gen zugrun­de: Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 1 erge­ben sich aus den Begren­zungs- und Schutz­funk­tio­nen der bun­des­staat­li­chen Finanz­ver­fas­sung (Art. 104a ff. GG) Gren­zen auch für die Erhe­bung nicht­steu­er­li­cher Abga­ben und ins­be­son­de­re für die Erhe­bung von Son­der­ab­ga­ben mit Finan­zie­rungs­funk­ti­on, die der Gesetz­ge­ber in Wahr­neh­mung einer ihm zuste­hen­den Sach­kom­pe­tenz außer­halb der Finanz­ver­fas­sung nach den all­ge­mei­nen Regeln der Art. 70 ff. GG erhebt.

Die Abga­be zum Forstab­satz­fonds stellt man­gels einer Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung der deut­schen Forst­wirt­schaft eine ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­si­ge Son­der­ab­ga­be dar. Wie bei der Abga­be nach dem Absatz­fonds­ge­setz fehlt es bei der nach­träg­lich aus dem Absatz­fonds­ge­setz her­aus­ge­lös­ten, jedoch struk­tu­rell nicht ver­än­der­ten Abga­be nach dem Forstab­satz­fonds­ge­setz an einem hin­rei­chen­den recht­fer­ti­gen­den Zusam­men­hang von Geset­zes­zweck, Sach­nä­he, Grup­pen­ho­mo­ge­ni­tät und Finan­zie­rungs­ver­ant­wor­tung. Es han­delt sich nicht um eine Son­der­ab­ga­be, die bei der Zurech­nung von Son­der­las­ten der Abga­be­pflich­ti­gen an den Ver­ur­sa­chungs­ge­dan­ken anknüpft und ihre Recht­fer­ti­gung in einer Ver­ant­wort­lich­keit für die Fol­gen grup­pen­spe­zi­fi­scher Zustän­de oder Ver­hal­tens­wei­sen fin­den kann. Viel­mehr geht es um eine zwangs­wei­se durch­ge­führ­te För­der­maß­nah­me, zu deren Finan­zie­rung die Grup­pe der Abga­be­pflich­ti­gen nur aus Grün­den eines Nut­zens her­an­ge­zo­gen wird, den der Gesetz­ge­ber die­ser Grup­pe zuge­dacht hat. Die abga­be­pflich­ti­gen Unter­neh­men ver­ur­sa­chen kei­nen Bedarf, für des­sen Befrie­di­gung sie ohne wei­te­res ver­ant­wort­lich gemacht wer­den könn­ten. Der Staat greift viel­mehr auf der Grund­la­ge des Forstab­satz­fonds­ge­set­zes mit wirt­schafts­po­li­tisch begrün­de­ten För­de­rungs­maß­nah­men gestal­tend in die Wirt­schafts­ord­nung ein und weist den erst dadurch ent­ste­hen­den Finan­zie­rungs­be­darf den mit der Abga­be­pflicht belas­te­ten Unter­neh­men zu. Die­se finan­zi­el­le Inan­spruch­nah­me für die staat­li­che Auf­ga­ben­wahr­neh­mung, die durch hoheit­li­che Ent­schei­dung an die Stel­le des indi­vi­du­el­len unter­neh­me­ri­schen Han­delns tritt, stellt sich aus der Sicht des Abga­be­pflich­ti­gen nicht nur als eine recht­fer­ti­gungs­be­dürf­ti­ge, zur Steu­er hin­zu­tre­ten­de Son­der­be­las­tung, son­dern auch als Ver­kür­zung sei­ner durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­ten unter­neh­me­ri­schen Frei­heit dar und bedarf auch inso­weit beson­de­rer Recht­fer­ti­gung.

Abzu­weh­ren­de Nach­tei­le im inter­na­tio­na­len Wett­be­werb sind nicht dar­ge­legt und auch nicht ersicht­lich. Ange­sichts des mode­ra­ten Außen­han­dels­de­fi­zits bereits bei Inkraft­tre­ten des Forstab­satz­fonds­ge­set­zes im Jah­re 1990 waren für die Forst­wirt­schaft von Anfang an kei­ne abzu­weh­ren­den erheb­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen oder Nach­tei­le im trans­na­tio­na­len Wett­be­werb zu beob­ach­ten. Des­halb kann es dahin­ge­stellt blei­ben, ob die seit die­sem Zeit­punkt fest­stell­ba­re posi­ti­ve Ent­wick­lung auch auf die Tätig­keit des Forstab­satz­fonds zurück­zu­füh­ren ist. Ande­re bran­chen­spe­zi­fi­sche Nach­tei­le, die die Erhe­bung einer Zwangs­ab­ga­be recht­fer­ti­gen könn­ten, sind eben­falls nicht ersicht­lich.

Die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der als Son­der­ab­ga­be gestal­te­ten Abga­be nach § 10 FAfG führt zur Nich­tig­keit von § 2 Abs. 1 bis Abs. 3, § 10 Abs. 1 bis Abs. 4, § 11 und § 12 FAfG sowie der ent­spre­chen­den Nor­men des Holz­ab­satz­fonds­ge­set­zes. Einen prak­tisch bedeut­sa­men Sinn für die Durch­füh­rung von Abwick­lungs­auf­ga­ben behal­ten ledig­lich die aktu­ell gel­ten­den Vor­schrif­ten zur Errich­tung des Forst- bezie­hungs­wei­se des Holz­ab­satz­fonds als rechts­fä­hi­ge Anstalt des öffent­li­chen Rechts und über deren Orga­ne und Finan­zen, fer­ner die Vor­schrif­ten zur Auf­sicht durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz, die Prü­fungs­kom­pe­tenz des Bun­des­rech­nungs­hofs sowie die Rege­lung über die Steu­er­frei­heit und die Vor­schrift, auf­grund deren der Holz­ab­satz­fonds der Bun­des­an­stalt für Land­wirt­schaft und Ernäh­rung Per­so­nal- und Sach­kos­ten für die bis­he­ri­ge Bei­trags­er­he­bung zu erstat­ten hat.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 12. Mai 2009 – 2 BvR 743/​01

  1. vgl. zuletzt BVerfG, Urteil vom 3. Febru­ar 2009 – 2 BvL 54/​06 -, Rz. 97 ff.-[]