Abtre­tung zahn­ärzt­li­cher Hono­rar­for­de­rung

Die von einem Zahn­arzt for­mu­lar­mä­ßig ver­wen­de­te Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung, die vor­sieht, dass der Pati­ent der Abtre­tung der zahn­ärzt­li­chen Hono­rar­for­de­rung an eine gewerb­li­che Abrech­nungs­ge­sell­schaft und gege­be­nen­falls der wei­te­ren Abtre­tung an ein Kre­dit­in­sti­tut zum Zwe­cke der Refi­nan­zie­rung zustimmt, ent­hält inhalt­lich von­ein­an­der trenn­ba­re, ein­zeln aus sich her­aus ver­ständ­li­che Rege­lun­gen, die Gegen­stand einer geson­der­ten Wirk­sam­keits­prü­fung sein kön­nen.

Abtre­tung zahn­ärzt­li­cher Hono­rar­for­de­rung

Die Abtre­tung der Hono­rar­for­de­rung an eine zahn­ärzt­li­che Ver­rech­nungs­stel­le ver­stößt nicht gegen § 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB, wenn der Pati­ent in die Wei­ter­ga­be der Abrech­nungs­un­ter­la­gen an die Ver­rech­nungs­stel­le wirk­sam ein­ge­wil­ligt hat. Die­se ist somit Inha­be­rin der For­de­rung gewor­den. Dar­auf, ob (auch) im Ver­hält­nis zum refi­nan­zie­ren­den Kre­dit­in­sti­tut eine rechts­wirk­sa­me Ein­wil­li­gung vor­liegt, kommt es – solan­ge die Wei­ter­ab­tre­tung an die Bank noch nicht erfolgt ist – im Rah­men der For­de­rungs­kla­ge der Ver­rech­nungs­stel­le gegen den Pati­en­ten nicht an.

Die Abtre­tung einer ärzt­li­chen oder zahn­ärzt­li­chen Hono­rar­for­de­rung an eine gewerb­li­che Ver­rech­nungs­stel­le, die zum Zwe­cke der Rech­nungs­er­stel­lung und Ein­zie­hung erfolgt, ver­letzt die ärzt­li­che Schwei­ge­pflicht und ist des­halb wegen Ver­sto­ßes gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot (§ 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB) gemäß § 134 BGB nich­tig, wenn der Pati­ent der damit ver­bun­de­nen Wei­ter­ga­be sei­ner Abrech­nungs­un­ter­la­gen nicht zuge­stimmt hat 1. Denn den Zeden­ten trifft, sofern kei­ne abwei­chen­de Ver­ein­ba­rung getrof­fen wor­den ist, nach § 402 BGB die Pflicht, dem neu­en Gläu­bi­ger die zur Gel­tend­ma­chung der For­de­rung nöti­ge Aus­kunft zu ertei­len und ihm die zum Beweis der For­de­rung die­nen­den Urkun­den, soweit sie sich in sei­nem Besitz befin­den, aus­zu­lie­fern; dies ist ohne Ver­stoß gegen die ärzt­li­che Schwei­ge­pflicht (§ 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB) nicht mög­lich 2.

Eine wirk­sa­me Ein­wil­li­gung im Sin­ne von § 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB setzt vor­aus, dass der Erklä­ren­de eine im Wesent­li­chen zutref­fen­de Vor­stel­lung davon hat, wor­in er ein­wil­ligt, und die Bedeu­tung und Trag­wei­te sei­ner Ent­schei­dung zu über­bli­cken ver­mag. Er muss des­halb wis­sen, aus wel­chem Anlass und mit wel­cher Ziel­set­zung er wel­che Per­so­nen von ihrer Schwei­ge­pflicht ent­bin­det; auch muss er über Art und Umfang der Ein­schal­tung Drit­ter unter­rich­tet sein 3.

Nach die­sen Grund­sät­zen liegt eine wirk­sa­me Zustim­mung der Pati­en­tin zur Wei­ter­ga­be der Abrech­nungs­un­ter­la­gen an die Ver­rech­nungs­stel­le vor. Denn die von dem Zeden­ten for­mu­lar­mä­ßig ver­wen­de­te und von der Pati­en­tin unter­zeich­ne­te Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung vom 30.01.2004 infor­mier­te umfas­send und detail­liert über die mit der Abtre­tung an die Ver­rech­nungs­stel­le ver­bun­de­nen Rechts­fol­gen. Für die Pati­en­tin war ein­deu­tig und zwei­fels­frei zu erken­nen, dass die Ver­rech­nungs­stel­le For­de­rungs­in­ha­be­rin wer­den soll­te und die Wei­ter­ga­be der Behand­lungs­da­ten zum Zwe­cke der For­de­rungs­ein­zie­hung und gege­be­nen­falls zur kla­ge­wei­sen Gel­tend­ma­chung erfolg­te. Die Pati­en­tin wur­de wei­ter­hin dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie auf Grund der Abtre­tung in einem spä­te­ren Pro­zess gezwun­gen sein könn­te, gegen­über einem außer­halb des Arzt­Pa­ti­en­ten­Ver­hält­nis­ses ste­hen­den Drit­ten Ein­wän­de gegen die Hono­rar­for­de­rung vor­zu­brin­gen und dazu unter Umstän­den Ein­zel­hei­ten aus der Kran­ken­ge­schich­te und der Behand­lung zu offen­ba­ren.

Auf die Fra­ge, ob die Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung der Pati­en­tin, soweit sie sich auf eine mög­li­che (jedoch nicht erfolg­te) Wei­ter­ab­tre­tung an die Bank zum Zwe­cke der Refi­nan­zie­rung bezieht, wegen Ver­sto­ßes gegen das Trans­pa­renz­ge­bot unwirk­sam ist (§ 307 Abs. 1 BGB), kommt es nicht an. Denn die Wirk­sam­keit der Zustim­mung zur Wei­ter­ga­be der Behand­lungs­da­ten an die Ver­rech­nungs­stel­le bleibt davon unbe­rührt.

Die in Form eines For­mu­lar­vor­drucks ver­wen­de­te Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung ist als von dem Zeden­ten gestell­te All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung im Sin­ne der §§ 305 ff BGB wer­ten. Damit beur­tei­len sich die Rechts­fol­gen im Fal­le der (teil­wei­sen) Unwirk­sam­keit der Klau­sel nach § 306 BGB. Abwei­chend von § 139 BGB, wonach die Teil­nich­tig­keit eines Rechts­ge­schäfts regel­mä­ßig sei­ne Gesamt­nich­tig­keit zur Fol­ge hat, bleibt der Ver­trag nach § 306 Abs. 1 BGB im Übri­gen grund­sätz­lich wirk­sam, wenn es sich bei den unwirk­sa­men Tei­len des Rechts­ge­schäfts um AGB-Klau­seln han­delt.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kön­nen inhalt­lich von­ein­an­der trenn­ba­re, ein­zeln aus sich her­aus ver­ständ­li­che Rege­lun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen auch dann Gegen­stand einer geson­der­ten Wirk­sam­keits­prü­fung sein, wenn sie in einem äuße­ren sprach­li­chen Zusam­men­hang mit ande­ren – unwirk­sa­men – Rege­lun­gen ste­hen. Nur wenn der als wirk­sam anzu­se­hen­de Teil im Gesamt­ge­fü­ge des Ver­trags nicht mehr sinn­voll, ins­be­son­de­re der als unwirk­sam bean­stan­de­te Klau­sel­teil von so ein­schnei­den­der Bedeu­tung ist, dass von einer gänz­lich neu­en, von der bis­he­ri­gen völ­lig abwei­chen­den Ver­trags­ge­stal­tung gespro­chen wer­den muss, ergreift die Unwirk­sam­keit der Teil­klau­sel die Gesamt­klau­sel 4. Die inhalt­li­che Trenn­bar­keit einer Klau­sel und damit ihre Zer­le­gung in einen inhalt­lich zuläs­si­gen und einen inhalt­lich unzu­läs­si­gen Teil ist immer dann gege­ben, wenn der unwirk­sa­me Teil der Klau­sel gestri­chen wer­den kann, ohne dass der Sinn des ande­ren Teils dar­un­ter lei­det (sog. blue­pen­cil-test); ob bei­de Bestim­mun­gen den glei­chen Rege­lungs­ge­gen­stand betref­fen ist dabei uner­heb­lich 5.

Nach die­sem Maß­stab hat die Ein­wil­li­gung der Pati­en­tin in die Wei­ter­ga­be der Abrech­nungs­un­ter­la­gen an die Ver­rech­nungs­stel­le auch dann Bestand, wenn ihre Zustim­mung zur Wei­ter­ab­tre­tung an das refi­nan­zie­ren­de Kre­dit­in­sti­tut unwirk­sam sein soll­te.

Das Ein­ver­ständ­nis im Sin­ne von § 203 Abs. 1 StGB ist teil­bar. Es kann sowohl in per­sön­li­cher als auch in zeit­li­cher und sach­li­cher Hin­sicht beschränkt wer­den, indem zum Bei­spiel nur bestimm­te Geheim­nis­se mit­ge­teilt oder geheim­hal­tungs­be­dürf­ti­ge Umstän­de nur an bestimm­te Per­so­nen wei­ter­ge­ge­ben wer­den 6. Eine Beschrän­kung des Ein­ver­ständ­nis­ses der Pati­en­tin auf die Abtre­tung an die Ver­rech­nungs­stel­le ist des­halb ohne wei­te­res zuläs­sig.

Die Abtre­tung an die Ver­rech­nungs­stel­le und die etwai­ge Fol­ge­ab­tre­tung an das zum Zwe­cke der Refi­nan­zie­rung ein­ge­schal­te­te Kre­dit­in­sti­tut sind auch nicht untrenn­bar mit­ein­an­der ver­knüpft. Die Abtre­tung an die zahn­ärzt­li­che Abrech­nungs­ge­sell­schaft ver­liert ihre wirt­schaft­li­che Bedeu­tung für die Ver­trags­par­tei­en nicht dadurch, dass eine Wei­ter­ab­tre­tung durch den Zes­sio­nar aus­ge­schlos­sen ist. Die Fol­ge­ab­tre­tung zur Kre­dit­si­che­rung soll­te nur "ggf." erfol­gen. Es han­del­te sich nicht um einen "Auto­ma­tis­mus". Dem­entspre­chend ist im Streit­fall die Abtre­tung an die Bank auch unter­blie­ben. Die Ver­rech­nungs­stel­le ist nicht gehin­dert, die abge­tre­te­nen For­de­run­gen im eige­nen Namen ein­zu­zie­hen und erfor­der­li­chen­falls gericht­lich durch­zu­set­zen. Zu Recht führt die Revi­si­on in die­sem Zusam­men­hang an, dass bei der streit­ge­gen­ständ­li­chen Klau­sel der Satz­teil bezüg­lich der Fol­ge­ab­tre­tung an die finan­zie­ren­de Bank unpro­ble­ma­tisch gestri­chen wer­den kann, ohne dass dadurch der Sinn der ver­blei­ben­den Rege­lung in Fra­ge gestellt wird. Der Fort­fall der Mög­lich­keit zur Wei­ter­ab­tre­tung ist nach alle­dem nicht von so ein­schnei­den­der Bedeu­tung, dass von einer gänz­lich neu­en, von der bis­he­ri­gen völ­lig abwei­chen­den Ver­trags­ge­stal­tung gespro­chen wer­den muss 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Okto­ber 2013 – III ZR 325/​12 "Teil­ba­re Klau­seln"

  1. grund­le­gend BGH, Urteil vom 10.07.1991 – VIII ZR 296/​90, BGHZ 115, 123, 124 ff[]
  2. st. Rspr., vgl. BGH, Urtei­le vom 10.07.1991 aaO; vom 08.07.1993 – IX ZR 12/​93, NJW 1993, 2795 f; vom 05.12.1995 – X ZR 121/​93, NJW 1996, 775; Beschluss vom 17.02.2005 – IX ZB 62/​04, NJW 2005, 1505, 1506; Urtei­le vom 10.02.2010 – VIII ZR 53/​09, NJW 2010, 2509 Rn. 11; vom 21.01.2010 – IX ZR 65/​09, BeckRS 2010, 07630 Rn. 11[]
  3. BGH, Urteil vom 20.05.1992 – VIII ZR 240/​91, NJW 1992, 2348, 2350; Münch­Komm-StG­B/Cier­niak/Pohlit, 2. Aufl., § 203 Rn. 59; Schönke/​Schröder/​Lenckner/​Eisele, StGB, 28. Aufl., § 203 Rn. 24[]
  4. BGH, Urtei­le vom 10.10.1996 – VII ZR 224/​95, NJW 1997, 394, 395 mwN und vom 12.02.2009 – VII ZR 39/​08, NJW 2009, 1664 Rn. 15[]
  5. Münch­Komm-BGB/­Ba­se­dow, 6. Aufl., § 306 Rn. 18; Palandt/​Grüneberg, BGB, 72. Aufl., § 306 Rn. 7, jeweils mwN[]
  6. Münch­Komm-StG­B/Cier­niak/Pohlit aaO Rn. 64; Schönke/​Schröder/​Lenckner/​Eisele aaO Rn. 24d[]
  7. vgl. auch BGH, Urtei­le vom 12.02.2009 – VII ZR 39/​08, NJW 2009, 1664 Rn. 17 ff; vom 16.06.2009 – XI ZR145/​08, NJW 2009, 3422 Rn. 32 ff; vom 28.07.2011 – VII ZR 207/​09, NJW-RR 2011, 1526 Rn. 14, 20[]