All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung oder unver­bind­li­che Emp­feh­lung?

Der Begriff der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gung setzt eine Erklä­rung des Ver­wen­ders vor­aus, die den Ver­trags­in­halt regeln soll. Für die Unter­schei­dung von all­ge­mei­nen (ver­bind­li­chen) Ver­trags­be­din­gun­gen und (unver­bind­li­chen) Bit­ten, Emp­feh­lun­gen oder tat­säch­li­chen Hin­wei­sen ist auf den Emp­fän­ger­ho­ri­zont abzu­stel­len, wobei von einem recht­lich nicht vor­ge­bil­de­ten Durch­schnitts­kun­den und den typi­scher­wei­se gege­be­nen Ver­hält­nis­sen aus­zu­ge­hen ist 1.

All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung oder unver­bind­li­che Emp­feh­lung?

Die bei der Prü­fung des Vor­lie­gens einer All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gung fest­ge­stell­te Rechts­ver­bind­lich­keit kann nicht noch­mals an dem auf eine Inhalts­kon­trol­le aus­ge­leg­ten Maß­stab des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB (Trans­pa­renz­kon­trol­le) gemes­sen und so wie­der in Fra­ge gestellt wer­den.

All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach § 305 Abs. 1 BGB alle für eine Viel­zahl von Ver­trä­gen vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­stim­mun­gen, die der Ver­wen­der der ande­ren Ver­trags­par­tei bei Abschluss des Ver­tra­ges stellt. Der Begriff der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gung setzt damit – wie das Beru­fungs­ge­richt rich­tig gese­hen hat – eine Erklä­rung des Ver­wen­ders vor­aus, die den Ver­trags­in­halt regeln soll 2.

Für die Unter­schei­dung von all­ge­mei­nen (ver­bind­li­chen) Ver­trags­be­din­gun­gen und (unver­bind­li­chen) Bit­ten, Emp­feh­lun­gen oder tat­säch­li­chen Hin­wei­sen ist auf den Emp­fän­ger­ho­ri­zont abzu­stel­len 3. Eine Ver­trags­be­din­gung liegt dem­nach vor, wenn ein all­ge­mei­ner Hin­weis nach sei­nem objek­ti­ven Wort­laut bei den Emp­fän­gern den Ein­druck her­vor­ruft, es sol­le damit der Inhalt eines ver­trag­li­chen oder vor­ver­trag­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses bestimmt wer­den 4, wobei – eben­so wie bei der Aus­le­gung des Inhalts von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen 5 – auf den recht­lich nicht vor­ge­bil­de­ten Durch­schnitts­kun­den und die dabei typi­scher­wei­se gege­be­nen Ver­hält­nis­se abzu­stel­len ist 6.

Für die Unter­schei­dung von all­ge­mei­nen (ver­bind­li­chen) Ver­trags­be­din­gun­gen und (unver­bind­li­chen) Bit­ten, Emp­feh­lun­gen oder tat­säch­li­chen Hin­wei­sen ist auf den Emp­fän­ger­ho­ri­zont abzu­stel­len 3. Eine Ver­trags­be­din­gung liegt dem­nach vor, wenn ein all­ge­mei­ner Hin­weis nach sei­nem objek­ti­ven Wort­laut bei den Emp­fän­gern den Ein­druck her­vor­ruft, es sol­le damit der Inhalt eines ver­trag­li­chen oder vor­ver­trag­li­chen Rechts­ver­hält­nis­ses bestimmt wer­den 4, wobei – eben­so wie bei der Aus­le­gung des Inhalts von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen 5 – auf den recht­lich nicht vor­ge­bil­de­ten Durch­schnitts­kun­den und die dabei typi­scher­wei­se gege­be­nen Ver­hält­nis­se abzu­stel­len ist 6.

Der Rechts­ver­bind­lich­keit der als "Abwick­lungs­richt­li­ni­en" bezeich­ne­ten AGB steht auch nicht ihre Bezeich­nung als "Richt­li­ni­en" oder der Umstand ent­ge­gen, dass sie nach den unter Zif­fer III. der Abwick­lungs­richt­li­ni­en erfolg­ten Anga­ben der Ver­wen­de­rin die "größ­ten­teils schon seit lan­ger Zeit praktizierte[n] Regeln" wie­der­ge­ben.

Nicht die von den Par­tei­en oder einer Par­tei gewähl­te Bezeich­nung ist für die recht­li­che Ein­ord­nung von Rege­lun­gen ent­schei­dend, son­dern deren Sinn und Zweck sowie ihre wirt­schaft­li­che Bedeu­tung und die Inter­es­sen­la­ge der Par­tei­en 7. In Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze ist aus­zu­schlie­ßen, dass es sich bei den Abwick­lungs­richt­li­ni­en um unver­bind­li­che Ver­halt­ens­emp­feh­lun­gen han­delt. Davon abge­se­hen ist der Begriff "Richt­li­ni­en" nicht auf einen sol­chen Sinn­ge­halt redu­ziert; viel­mehr wird er auch im Zusam­men­hang mit Rah­men­ver­trä­gen ("Richt­li­ni­en­ver­trä­gen") ver­wen­det 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. April 2014 – VIII ZR 404/​12

  1. im Anschluss an BGH, Urtei­le vom 03.07.1996 – VIII ZR 221/​95, BGHZ 133, 184, 187 ff. mwN; vom 04.02.2009 – VIII ZR 32/​08, NJW 2009, 1337 Rn. 11, 17, 19[]
  2. BGH, Urtei­le vom 03.07.1996 – VIII ZR 221/​95, BGHZ 133, 184, 187 mwN [zu der inhalt­lich iden­ti­schen Vor­gän­ger­re­ge­lung des § 1 Abs. 1 AGBG]; vom 04.02.2009 – VIII ZR 32/​08, NJW 2009, 1337 Rn. 11 [zu § 305 Abs. 1 BGB][]
  3. BGH, Urtei­le vom 03.07.1996 – VIII ZR 221/​95, aaO S. 188 mwN; vom 04.02.2009 – VIII ZR 32/​08, aaO[][]
  4. BGH, Urtei­le vom 03.07.1996 – VIII ZR 221/​95, aaO; vom 04.02.2009 – VIII ZR 32/​08, aaO[][]
  5. vgl. hier­zu BGH, Urtei­le vom 09.02.2011 – VIII ZR 295/​09, NJW 2011, 1342 Rn. 29; vom 18.07.2012 – VIII ZR 337/​11, BGHZ 194, 121 Rn. 16[][]
  6. BGH, Urtei­le vom 03.07.1996 – VIII ZR 221/​95, aaO S. 189; vom 04.02.2009 – VIII ZR 32/​08, aaO Rn. 17, 19[][]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 20.03.1998 – V ZR 25/​97, NJW 1998, 2136 unter – I 2 mwN[]
  8. Ulmer/​Habersack in Ulmer/​Brandner/​Hensen, AGB-Recht, 11. Aufl., § 305 BGB Rn.203 mwN[]