Aner­ken­nung aus­län­di­scher Abschlüs­se

Mit einem aus­län­di­schen Berufs­ab­schluss hat­ten es Arbeit­neh­mer in Deutsch­land bis­lang nicht ein­fach. Oft wur­de der Abschluss nicht aner­kannt, sie konn­ten ihren Beruf also nicht aus­üben. Die Bun­des­re­gie­rung will die Aner­ken­nung aus­län­di­scher Abschlüs­se nun erleich­tern und hat den Ent­wurf eines "Geset­zes zur Ver­bes­se­rung und Aner­ken­nung im Aus­land erwor­be­ner Berufs­qua­li­fi­ka­tio­nen (Aner­ken­nungs­ge­setz)" vor­ge­legt.

Aner­ken­nung aus­län­di­scher Abschlüs­se

Der­zeit feh­len 117.000 stu­dier­te Fach­kräf­te wie Mathe­ma­ti­ker, Infor­ma­ti­ker, Natur­wis­sen­schaft­ler und Tech­ni­ker. Das geht aus einer aktu­el­len Stu­die des Insti­tuts der Deut­schen Wirt­schaft her­vor. Auch Inge­nieu­re und gut aus­ge­bil­de­te Arbeits­kräf­te im Bereich von Pfle­ge und Erzie­hung wer­den all­mäh­lich zur Man­gel­wa­re. Die beab­sich­tig­te ver­bes­ser­te Aner­ken­nung aus­län­di­scher Abschlüs­se ist daher nicht nur ein Mei­len­stein in der Inte­gra­ti­ons­po­li­tik. Sie ist wich­tig, um den Fach­kräf­te­be­darf in Deutsch­land zu decken.

Der jetzt vom Bun­des­ka­bi­nett beschlos­se­ne Ent­wurf des Aner­ken­nungs­ge­set­zes muss noch im Bun­des­tag ver­ab­schie­det wer­den. Auch der Bun­des­rat muss noch zustim­men.

Aus­län­di­sche Abschlüs­se wer­den schnel­ler aner­kannt

Rund 300.000 Men­schen wer­den nach Schät­zung der Bun­des­re­gie­rung von der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung pro­fi­tie­ren. Sie kom­men vor allem aus Nicht-EU-Län­dern. Bis­her arbei­ten sie oft auf Arbeits­plät­zen, die nicht ihrer Qua­li­fi­ka­ti­on ent­spre­chen. Das hat for­ma­le Grün­de oder liegt an feh­len­den Bewer­tungs­mög­lich­kei­ten.

Nach dem Aner­ken­nungs­ge­setz haben Per­so­nen aus Dritt­staa­ten einen Anspruch auf indi­vi­du­el­le Prü­fung ihrer Qua­li­fi­ka­ti­on nach ein­heit­li­chen Kri­te­ri­en:

  • Inner­halb von drei Mona­ten nach Vor­la­ge aller erfor­der­li­chen Unter­la­gen sol­len sie Klar­heit dar­über erhal­ten, ob ihre Anschlüs­se in Deutsch­land aner­kannt wer­den.
  • Sie erhal­ten eine Mit­tei­lung, wie even­tu­el­le Lücken aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen.
  • Ihnen wird mit­ge­teilt, wel­che Wei­ter­bil­dung für eine Aner­ken­nung noch nötig ist.

Auch Teil­an­er­ken­nun­gen sind mög­lich, damit sich die Bewer­ber gezielt nach­qua­li­fi­zie­ren kön­nen. Die hohen deut­schen Qua­li­fi­ka­ti­ons­stan­dards blei­ben jedoch erhal­ten.

Kei­ne Kop­pe­lung an Staats­an­ge­hö­rig­keit

Bis­her war die Zulas­sung zu bestimm­ten Beru­fen an die deut­sche oder EU-Staats­an­ge­hö­rig­keit gebun­den. Das vor­ge­se­he­ne Aner­ken­nungs­ge­setz schafft die­se Kop­pe­lung weit­ge­hend ab. So kann dann bei­spiels­wei­se auch ein tür­ki­scher Arzt eine Appro­ba­ti­on erhal­ten, sofern er die fach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt. Dies war bis­her nicht mög­lich, selbst wenn er in Deutsch­land stu­diert hat­te.

Die der­zeit für die Aner­ken­nungs­ver­fah­ren von EU-Bür­gern (Uni­ons­bür­gern) und Spät­aus­sied­lern zustän­di­gen Kam­mern von Indus­trie und Hand­werk und die zustän­di­gen Län­der­be­hör­den wer­den auch die Ver­fah­ren nach dem Aner­ken­nungs­ge­setz durch­füh­ren.

Gleich­wer­tig­keits­prü­fung für beruf­li­che Qua­li­fi­ka­tio­nen

Neben dem Aner­ken­nungs­ge­setz wird auch das so genann­te Berufs­qua­li­fi­ka­ti­ons­ge­setz geschaf­fen. Ein Mei­len­stein für die Bewer­tungs­pra­xis in Deutsch­land ist die Ein­füh­rung eines Rechts­an­spruchs für die rund 350 Aus­bil­dungs­be­ru­fe, die in die Zustän­dig­kei­ten des Bun­des fal­len (nicht regle­men­tier­te Beru­fe). Dort besteht Anspruch auf eine indi­vi­du­el­le Gleich­wer­tig­keits­prü­fung. Das schafft größt­mög­li­che Trans­pa­renz für Antrag­stel­ler, Arbeit­ge­ber und Behör­den.

Für die lan­des­recht­lich gere­gel­ten Beru­fe – zum Bei­spiel Leh­rer oder Inge­nieu­re – pla­nen die Län­der Rege­lun­gen nach dem Mus­ter des Bun­des­ge­set­zes. Die Län­der sind auch für den Voll­zug der bun­des­ge­setz­li­chen Rege­lung zustän­dig. Es sol­len ein­heit­li­che Voll­zugs­kri­te­ri­en erar­bei­tet wer­den.