Anfor­de­run­gen an eine Her­stel­ler­ga­ran­tie

Nach der für den Ver­brauchs­gü­ter­kauf im Sin­ne von § 474 Abs. 1 BGB gel­ten­den und gemäß § 475 Abs. 1 BGB zwin­gen­den Vor­schrift des § 477 Abs. 1 Satz 1 BGB muss eine Garan­tie­er­klä­rung im Sin­ne des § 443 BGB ein­fach und ver­ständ­lich abge­fasst sein.

Anfor­de­run­gen an eine Her­stel­ler­ga­ran­tie

Gemäß § 477 Abs. 1 Satz 2 BGB muss eine sol­che Erklä­rung zudem den Hin­weis auf die gesetz­li­chen Rech­te des Ver­brau­chers und dar­auf, dass die­se durch die Garan­tie nicht ein­ge­schränkt wer­den (§ 477 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BGB), sowie den Inhalt der Garan­tie und alle wesent­li­chen Anga­ben ent­hal­ten, die für die Gel­tend­ma­chung der Garan­tie erfor­der­lich sind, ins­be­son­de­re die Dau­er und den räum­li­chen Gel­tungs­be­reich des Garan­tie­schut­zes sowie den Namen und die Anschrift des Garan­tie­ge­bers (§ 477 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 BGB).

Die­se Bestim­mun­gen set­zen die Vor­schrift des Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 1999/​44/​EG zu bestimm­ten Aspek­ten des Ver­brauchs­gü­ter­kaufs und der Garan­ti­en für Ver­brauchs­gü­ter in das deut­sche Recht um. Unter den Begriff der Garan­tie­er­klä­rung fal­len dabei nur Wil­lens­er­klä­run­gen, die zum Abschluss eines Kauf­ver­trags (unselb­stän­di­ge Garan­tie) oder eines eigen­stän­di­gen Garan­tie­ver­trags füh­ren, nicht dage­gen die Wer­bung, die den Ver­brau­cher ledig­lich zur Bestel­lung auf­for­dert und in die­sem Zusam­men­hang eine Garan­tie ankün­digt, ohne sie bereits rechts­ver­bind­lich zu ver­spre­chen 1.

Danach sind die Fäl­le, in denen ein Unter­neh­mer gegen­über einem Ver­brau­cher eine Garan­tie­er­klä­rung in dem vor­ste­hend genann­ten Sinn abgibt und die­se Erklä­rung daher den in § 477 Abs. 1 Satz 1 und 2 BGB bestimm­ten Erfor­der­nis­sen ent­spre­chen muss, von einer Wer­bung danach abzu­gren­zen, ob der Unter­neh­mer – wie im Zwei­fel bei durch das Inter­net über­mit­tel­ten Auf­for­de­run­gen zur Bestel­lung – nur eine invi­ta­tio ad offe­ren­dum gemacht 2 oder aber bereits ein rechts­ver­bind­li­ches Ange­bot im Sin­ne des § 145 BGB abge­ge­ben hat und der Ver­brau­cher damit zu ent­schei­den hat, ob er die­ses anneh­men soll. Als Garan­tie­er­klä­rung, die den in § 477 Abs. 1 Satz 1 und 2 BGB bestimm­ten Erfor­der­nis­sen ent­spre­chen muss, ist des­halb im Fal­le einer selb­stän­di­gen Garan­tie die auf den Abschluss eines Garan­tie­ver­trags gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung des Unter­neh­mers und bei einer unselb­stän­di­gen Garan­tie des­sen auf die Modi­fi­ka­ti­on der gesetz­li­chen Rechts­be­hel­fe des Ver­brau­chers gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung anzu­se­hen 3. Dage­gen ist in die­sem Zusam­men­hang eine Unter­schei­dung zwi­schen selb­stän­di­ger und unselb­stän­di­ger Garan­tie nicht ange­bracht; ins­be­son­de­re ist uner­heb­lich, ob der Unter­neh­mer auch der Ver­käu­fer ist 4. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung ver­nach­läs­sigt, dass gemäß § 443 BGB, Art. 1 Abs. 2 Buchst. e der Richt­li­nie 1999/​44/​EG neben dem Ver­käu­fer ins­be­son­de­re auch der Her­stel­ler Garan­tie­ge­ber sein kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Dezem­ber 2012 – I ZR 88/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 14.04.2011 I ZR 133/​09, GRUR 2011, 638 Rn. 26 bis 31 = WRP 2011, 866 Wer­bung mit Garan­tie, mwN[]
  2. vgl. BGH, GRUR 2011, 638 Rn. 32 – Wer­bung mit Garan­tie; BGH, Urteil vom 15.12.2011 – I ZR 174/​10, GRUR 2012, 730 Rn. 43 = WRP 2012, 930 Bau­heiz­ge­rät[]
  3. Münch­Komm-BGB/S. Lorenz, 6. Aufl., § 477 Rn. 3; Faust in Bamberger/​Roth, BGB, 3. Aufl., § 477 Rn. 3 i.V.m. § 443 Rn. 14 f.[]
  4. Faust in Bamberger/​Roth aaO § 477 Rn. 3 i.V.m. § 443 Rn. 11 f.[]