Ange­mes­se­ne Ver­gü­tung frei­be­ruf­li­cher Jour­na­lis­ten

Eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung kann nur dann gemäß § 32 Abs. 2 Satz 1 UrhG in Ver­bin­dung mit § 36 UrhG in unmit­tel­ba­rer Anwen­dung einer gemein­sa­men Ver­gü­tungs­re­gel (hier der Gemein­sa­men Ver­gü­tungs­re­geln für freie haupt­be­ruf­li­che Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten an Tages­zei­tun­gen vom 29.01.2010, nach­fol­gend "GVR Tages­zei­tun­gen") bestimmt wer­den, wenn die dar­in fest­ge­leg­ten per­sön­li­chen, sach­li­chen und zeit­li­chen Anwen­dungs­vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen.

Ange­mes­se­ne Ver­gü­tung frei­be­ruf­li­cher Jour­na­lis­ten

Bei der gemäß § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG vor­zu­neh­men­den Prü­fung, ob eine Ver­gü­tung im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses dem ent­spricht, was im Geschäfts­ver­kehr nach Art und Umfang der ein­ge­räum­ten Nut­zungs­mög­lich­keit, ins­be­son­de­re nach Dau­er und Zeit­punkt der Nut­zung, unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de übli­cher- und red­li­cher Wei­se zu leis­ten ist, kön­nen auch sol­che gemein­sa­men Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen als Ver­gleichs­maß­stab und Ori­en­tie­rungs­hil­fe her­an­ge­zo­gen wer­den, deren Anwen­dungs­vor­aus­set­zun­gen nicht (voll­stän­dig) erfüllt sind und die des­halb kei­ne unwi­der­leg­li­che Ver­mu­tungs­wir­kung im Sin­ne von § 32 Abs. 2 Satz 1 UrhG ent­fal­ten.

Für die indi­zi­el­le Her­an­zie­hung von Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen im Rah­men der gemäß § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG vor­zu­neh­men­den Ein­zel­fall­ab­wä­gung reicht eine ver­gleich­ba­re Inter­es­sen­la­ge aus; even­tu­ell für die Fra­ge der Ange­mes­sen­heits­prü­fung bestehen­den erheb­li­chen Unter­schie­den ist im Ein­zel­fall durch eine modi­fi­zier­te Anwen­dung die­ser Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen Rech­nung zu tra­gen 1.

Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen eine Ver­gü­tung ange­mes­sen ist, ist in § 32 Abs. 2 UrhG bestimmt. Nach § 32 Abs. 2 Satz 1 UrhG ist eine nach gemein­sa­men Ver­gü­tungs­re­geln (§ 36 UrhG) ermit­tel­te Ver­gü­tung ange­mes­sen. Gibt es kei­ne sol­che von Ver­ei­ni­gun­gen von Urhe­bern und Werk­nut­zern auf­ge­stell­ten gemein­sa­men Ver­gü­tungs­re­geln, ist eine Ver­gü­tung ange­mes­sen, wenn sie im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses dem ent­spricht, was im Geschäfts­ver­kehr nach Art und Umfang der ein­ge­räum­ten Nut­zungs­mög­lich­keit, ins­be­son­de­re nach Dau­er und Zeit­punkt der Nut­zung, unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de übli­cher- und red­li­cher­wei­se zu leis­ten ist (§ 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG).

Nach der gesetz­li­chen Sys­te­ma­tik unter­liegt die Prü­fung der Ange­mes­sen­heit der Ver­gü­tung gemäß § 32 UrhG einer bestimm­ten Rei­hen­fol­ge 2. Vor­ran­gig ist zu fra­gen, ob sich Kri­te­ri­en für eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung aus einem Tarif­ver­trag erge­ben (§ 32 Abs. 4, § 36 Abs. 1 Satz 3 UrhG). Ist eine tarif­ver­trag­li­che Rege­lung wie im Streit­fall nicht anwend­bar, ist zu prü­fen, ob die Vor­aus­set­zun­gen einer gemein­sa­men Ver­gü­tungs­re­gel im Sin­ne von § 36 UrhG vor­lie­gen und damit die unwi­der­leg­li­che Ver­mu­tung der Ange­mes­sen­heit gemäß § 32 Abs. 2 Satz 1 UrhG ein­greift. Ist eine sol­che gemein­sa­me Ver­gü­tungs­re­gel nach den dar­in auf­ge­stell­ten per­sön­li­chen, sach­li­chen oder zeit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht anwend­bar, kommt auch eine Ver­mu­tungs­wir­kung gemäß § 32 Abs. 2 Satz 1 UrhG nicht in Betracht 3. Die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung ist dann nach einer Abwä­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls zu bestim­men (§ 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG).

Bei der gemäß § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG vor­zu­neh­men­den Prü­fung, ob eine Ver­gü­tung im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses dem ent­spricht, was im Geschäfts­ver­kehr nach Art und Umfang der ein­ge­räum­ten Nut­zungs­mög­lich­keit, ins­be­son­de­re nach Dau­er und Zeit­punkt der Nut­zung, unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de übli­cher- und red­li­cher­wei­se zu leis­ten ist, kön­nen auch sol­che gemein­sa­men Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen als Ver­gleichs­maß­stab und Ori­en­tie­rungs­hil­fe her­an­ge­zo­gen wer­den, deren Anwen­dungs­vor­aus­set­zun­gen nicht (voll­stän­dig) erfüllt sind und die des­halb kei­ne unwi­der­leg­li­che Ver­mu­tungs­wir­kung im Sin­ne von § 32 Abs. 2 Satz 1 UrhG ent­fal­ten 4.

Gemäß § 1 Abs. 1 GVR Tages­zei­tun­gen sind die Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen auf­ge­stellt für freie haupt­be­ruf­li­che Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten an Tages­zei­tun­gen. Die Haupt­be­ruf­lich­keit ist auf Ver­lan­gen des Ver­la­ges dar­zu­le­gen und gege­be­nen­falls nach­zu­wei­sen. Als Indi­zi­en für die haupt­be­ruf­li­che Tätig­keit gel­ten zum Bei­spiel ein Pres­se­aus­weis, der Nach­weis einer Ver­si­che­rung nach dem Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­setz und ver­gleich­ba­re Beschei­ni­gun­gen.

Eine wei­ter­ge­hen­de Anwen­dungs­vor­aus­set­zung dahin­ge­hend, dass die haupt­be­ruf­li­che Tätig­keit aus­schließ­lich an Tages­zei­tun­gen erfol­gen muß, ist nicht zu for­dern. Aus dem Umstand, dass § 1 Abs. 1 GVR Tages­zei­tun­gen als Indiz für die Haupt­be­ruf­lich­keit die Vor­la­ge eines Pres­se­aus­wei­ses genü­gen läßt und damit eine eher nied­ri­ge Nach­weis­an­for­de­rung auf­stellt, ergibt sich, dass den viel­ge­stal­ti­gen Daseins­for­men eines Jour­na­lis­ten ent­spro­chen wor­den ist und ein tief­grei­fen­der Streit über die Fra­ge der Haupt­be­ruf­lich­keit ver­mie­den wer­den soll­te. Es wäre nicht kon­sis­tent, wenn eine wei­te­re inhalt­lich unkla­re Vor­aus­set­zung zur Eröff­nung des Anwen­dungs­be­reichs auf­ge­stellt wür­de, über deren Nach­weis­mög­lich­keit in den Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen kei­ne Aus­sa­ge getrof­fen wird. Außer­dem ist zu berück­sich­ti­gen, dass ein frei­er Jour­na­list in einer sich zuneh­mend ver­än­dern­den Medi­en­land­schaft gezwun­gen ist, sei­ne Bei­trä­ge nicht nur Tages­zei­tun­gen, son­dern auch Online­ma­ga­zi­nen, loka­len Wer­be­zei­tun­gen oder ähn­li­chen Pres­se­or­ga­nen anzu­bie­ten. Für die GVR Tages­zei­tun­gen blie­be kaum ein Anwen­dungs­be­reich, wenn der freie Jour­na­list haupt­be­ruf­lich aus­schließ­lich für Tages­zei­tun­gen tätig sein muss.

Ohne Belang ist inso­weit, ob die Begren­zung auf "freie haupt­be­ruf­li­che Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten an Tages­zei­tun­gen" zunächst von den Gewerk­schaf­ten abge­lehnt, schließ­lich aber akzep­tiert wor­den ist. Das behaup­te­te Gesche­hen im Rah­men der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der gemein­sa­men Ver­gü­tungs­re­ge­lung ist für ihre Aus­le­gung uner­heb­lich. Die GVR Tages­zei­tun­gen sind grund­sätz­lich objek­tiv aus sich her­aus aus­zu­le­gen. Das Beru­fungs­ge­richt ist zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass sich eine Begren­zung der GVR Tages­zei­tun­gen auf aus­schließ­lich für Tages­zei­tun­gen täti­ge haupt­be­ruf­li­che Jour­na­lis­ten aus dem Wort­laut und der Sys­te­ma­tik der Rege­lung nicht mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit ergibt. Die Bestim­mung des § 1 Abs. 1 GVR Tages­zei­tun­gen sieht viel­mehr allein für das Merk­mal der Haupt­be­ruf­lich­keit eine Nach­weis­pflicht des Jour­na­lis­ten vor. Die GVR Tages­zei­tun­gen hät­ten ansons­ten kaum einen rele­van­ten Anwen­dungs­be­reich, weil freie Jour­na­lis­ten in der aktu­el­len Medi­en­land­schaft regel­mä­ßig gezwun­gen sind, ihre Bei­trä­ge nicht nur Tages­zei­tun­gen, son­dern auch ande­ren Medi­en anzu­bie­ten.

Im Übri­gen ist es für die indi­zi­el­le Her­an­zie­hung von Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen im Rah­men der im Streit­fall gemäß § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG vor­zu­neh­men­den Ein­zel­fall­ab­wä­gung ohne­hin nicht erfor­der­lich, dass sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen für die Anwen­dung der Ver­gü­tungs­re­ge­lung erfüllt sind. Aus­rei­chend ist viel­mehr eine ver­gleich­ba­re Inter­es­sen­la­ge; even­tu­ell für die Fra­ge der Ange­mes­sen­heits­prü­fung bestehen­den erheb­li­chen Unter­schie­den ist im Ein­zel­fall durch eine modi­fi­zier­te Anwen­dung der Ver­gü­tungs­re­ge­lung Rech­nung zu tra­gen 5. Sol­che Unter­schie­de sind nicht ersicht­lich.

Für die gemäß § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG vor­zu­neh­men­de Bestim­mung eines ange­mes­se­nen Hono­rars kann der Tarif­ver­trag für arbeit­neh­mer­ähn­li­che freie Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten her­an­ge­zo­gen wer­den, wonach im hier ent­schie­de­nen Streit­fall unter Zugrun­de­le­gung einer Auf­la­ge bis 25.000 und der Ein­räu­mung eines Zweit­ab­druck­rechts ein Hono­rar von 34, 70 € je Foto­gra­fie ange­mes­sen ist.

Der Tarif­ver­trag für arbeit­neh­mer­ähn­li­che freie Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten ist im Streit­fall auch nicht des­we­gen nicht anwend­bar, weil sich der Foto­jour­na­list nicht auf einen Sta­tus als arbeit­neh­mer­ähn­li­cher frei­er Jour­na­list beru­fen hat. Die Rege­lun­gen des Tarif­ver­tra­ges für arbeit­neh­mer­ähn­li­che freie Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten sind inso­weit ggfs. nicht unmit­tel­bar anzu­wen­den, der Tarif­ver­trag kann jedoch als Schät­zungs­grund­la­ge unbe­scha­det des Umstands her­an­ge­zo­gen wer­den, dass es sich beim Jour­na­lis­ten nicht um einen arbeit­neh­mer­ähn­li­chen frei­en Jour­na­lis­ten han­delt. Denn es sind kei­ne Grün­de dafür ersicht­lich, war­um eine iden­ti­sche Leis­tung eines arbeit­neh­mer­ähn­li­chen Jour­na­lis­ten wesent­lich anders ver­gü­tet wer­den soll­te als die eines frei­en Jour­na­lis­ten.

Tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen, deren Anwen­dungs­vor­aus­set­zun­gen nicht vor­lie­gen, kön­nen im Rah­men der Bestim­mung einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung gemäß § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG bei ver­gleich­ba­rer Inter­es­sen­la­ge indi­zi­el­le Bedeu­tung haben 6. Wie bei der indi­zi­el­len Her­an­zie­hung von gemein­sa­men Ver­gü­tungs­re­geln ist für die Fra­ge der Ange­mes­sen­heits­prü­fung bestehen­den erheb­li­chen Unter­schie­den im Ein­zel­fall durch eine modi­fi­zier­te Anwen­dung der Ver­gü­tungs­re­ge­lung Rech­nung zu tra­gen.

Sol­che Unter­schie­de sind nicht ersicht­lich. Soweit gel­tend gemacht wird, die her­an­ge­zo­ge­nen Hono­rar­sät­ze gemäß § 7 des Tarif­ver­trags für arbeit­neh­mer­ähn­li­che freie Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten sei­en nicht aus­sa­ge­kräf­tig, wer­den kei­ne hin­rei­chend kon­kre­ten Umstän­de ange­führt, die gegen die Annah­me einer ver­gleich­ba­ren Inter­es­sen­la­ge spre­chen. Der pau­scha­le Hin­weis, die tarif­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen könn­ten schon des­halb nicht zur Schät­zung her­an­ge­zo­gen wer­den, weil sie auf ande­ren Vor­aus­set­zun­gen beruh­ten, lässt eben­falls nicht erken­nen, war­um es im Streit­fall an einer ver­gleich­ba­ren Inter­es­sen­la­ge feh­len könn­te.

Aller­dings knüpft die Bestim­mung des § 32 Abs. 1 Satz 1 UrhG den ver­trag­li­chen Ver­gü­tungs­an­spruch an die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten und die Erlaub­nis zur Werk­nut­zung. Gemäß § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG ist für die Bestim­mung der Ange­mes­sen­heit der Ver­gü­tung zudem auf den Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses und die ein­ge­räum­te Nut­zungs­mög­lich­keit abzu­stel­len. Dar­aus ergibt sich, dass die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung auch dann geschul­det wird, wenn (noch) gar kei­ne Nut­zung statt­ge­fun­den hat 7.

Aus die­sen Rege­lun­gen folgt aber nicht, dass bei der Bestim­mung einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung gemäß § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG das Aus­maß der tat­säch­li­chen Nut­zung des Wer­kes ohne Bedeu­tung ist. Bei der Fest­set­zung der ange­mes­se­nen Ver­gü­tung nach bil­li­gem Ermes­sen sind viel­mehr alle zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses erkenn­ba­ren Umstän­de zu berück­sich­ti­gen. Das Gesetz nennt bei­spiel­haft Art und Umfang der ein­ge­räum­ten Nut­zungs­mög­lich­keit, ins­be­son­de­re Dau­er und Zeit­punkt der Nut­zung (§ 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG). In Betracht zu zie­hen sind dar­über hin­aus neben den Markt­ver­hält­nis­sen, den Inves­ti­tio­nen, der Risi­ko­tra­gung und den Kos­ten auch die Zahl der her­ge­stell­ten Werk­stü­cke oder öffent­li­chen Wie­der­ga­ben oder die Höhe der zu erzie­len­den Ein­nah­men 8 und damit Umstän­de, die an die tat­säch­li­che Nut­zung anknüp­fen. Kön­nen wie im Streit­fall bei der Fest­set­zung einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung nach bil­li­gem Ermes­sen gemein­sa­me Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen als Ver­gleichs­maß­stab und Ori­en­tie­rungs­hil­fe her­an­ge­zo­gen wer­den, sind zudem die dar­in gere­gel­ten Bemes­sungs­grund­la­gen maß­geb­lich zu berück­sich­ti­gen. Dies gilt auch dann, wenn die Bestim­mung der Ver­gü­tung an der tat­säch­li­chen Werk­nut­zung aus­ge­rich­tet ist 9.

Auf die­ser Grund­la­ge kann bei der Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit des dem Jour­na­lis­ten zuste­hen­den Textho­no­rars auf die in § 2 der GVR Tages­zei­tun­gen gere­gel­ten Grund­la­gen der Hono­rarab­rech­nung abge­stellt wer­den. Nach die­ser Bestim­mung ist Maß­stab für die Berech­nung des Hono­rars der gedruck­te Umfang des Bei­trags und die Höhe der Auf­la­ge. Dabei ist die ver­kauf­te Auf­la­ge nach IVW der­je­ni­gen Aus­ga­ben zu Grun­de zu legen, in denen der Bei­trag ver­öf­fent­licht wor­den ist.

Die Anknüp­fung an die in den GVR Tages­zei­tun­gen getrof­fe­nen Rege­lun­gen führt nicht dazu, dass kei­ne Ver­gü­tung zu zah­len ist, wenn der Zei­tungs­her­aus­ge­ber einen mehr­sei­ti­gen Zei­tungs­ar­ti­kel in Auf­trag gibt, den gelie­fer­ten Arti­kel akzep­tiert und sich die Exklu­siv­rech­te an ihm ein­räu­men lässt, ihn aber aus wel­chen Grün­den auch immer nicht druckt. Die inso­weit ange­spro­che­ne Fra­ge, ob dem Jour­na­lis­ten ein Aus­fall­ho­no­rar zusteht, ist viel­mehr in § 7 Abs. 2 der GVR Tages­zei­tun­gen gere­gelt. Danach ist für einen Auf­trag, der dem frei­en Jour­na­lis­ten von der Redak­ti­on oder dem Ver­lag erteilt wur­de, das ange­mes­se­ne Hono­rar auch dann zu zah­len, wenn der Bei­trag ter­min- und auf­trags­ge­mäß abge­lie­fert, aber nicht ver­öf­fent­licht wor­den ist.

Die im Sin­ne von § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG ange­mes­se­ne Ver­gü­tung ist vom Tatrich­ter gemäß § 287 Abs. 2 ZPO unter Wür­di­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls nach frei­er Über­zeu­gung und bil­li­gem Ermes­sen zu bestim­men. Im Revi­si­ons­ver­fah­ren ist die­se Ent­schei­dung nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüf­bar, ob das Beru­fungs­ge­richt bei der Bestim­mung der Ver­gü­tung von zutref­fen­den recht­li­chen Maß­stä­ben aus­ge­gan­gen ist und sämt­li­che für die Bemes­sung der Ver­gü­tung bedeut­sa­men Tat­sa­chen berück­sich­tigt hat, die von den Par­tei­en vor­ge­bracht wor­den sind oder sich aus der Natur der Sache erge­ben 10.

Nach § 38 Abs. 3 Satz 1 UrhG gilt ein Ange­bot des Jour­na­lis­ten ohne die Anga­be, dass auch wei­te­ren Ver­la­gen ein ent­spre­chen­des Ange­bot gemacht wor­den sei, als Ange­bot des Bei­trags zur Erst­ver­öf­fent­li­chung (aus­schließ­li­ches Nut­zungs­recht gemäß § 38 Abs. 3 Satz 2 UrhG).

Der Bestim­mung des § 6 Abs. 3 GVR Tages­zei­tun­gen lässt sich kei­ne Rege­lung über den Umfang der Rech­te­ein­räu­mung ent­neh­men, die der gesetz­li­chen Zwei­fels­re­ge­lung des § 38 Abs. 3 Satz 1 UrhG vor­geht. Anders als den Tarif­ver­trags­par­tei­en steht den Ver­ei­ni­gun­gen von Urhe­bern und Werk­nut­zern kei­ne Rechts­set­zungs­kom­pe­tenz in Bezug auf den Umfang der Ein­räu­mung von Rech­ten zu. Gemein­sa­me Ver­gü­tungs­re­geln kön­nen des­halb kei­ne Aus­sa­gen zum Umfang der Rech­te­ein­räu­mung im Ein­zel­fall tref­fen, son­dern allein die Fra­ge regeln, wel­che von den Par­tei­en ein­ge­räum­ten Rech­te mit der dazu in Bezie­hung gesetz­ten Ver­gü­tung abge­gol­ten sind 11. Der Umfang der Rech­te­ein­räu­mung bestimmt sich damit nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen und nicht nach der Gemein­sa­men Ver­gü­tungs­re­gel. Vor­lie­gend kommt hin­zu, dass die GVR Tages­zei­tun­gen ohne­hin erst nach den im Streit­fall maß­geb­li­chen Ange­bo­ten des Klä­gers in den Jah­ren 2008 und 2009 in Kraft getre­ten sind.

§ 6 Abs. 3 GVR Tages­zei­tun­gen spie­gelt auch kei­ne der Anwen­dung des § 38 Abs. 3 Satz 1 UrhG ent­ge­gen­ste­hen­de Ver­kehrs­sit­te des Inhalts wider, dass die Ein­räu­mung gerin­ge­rer Rech­te als des aus­schließ­li­chen Nut­zungs­rechts aus­drück­lich kennt­lich zu machen ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Mai 2015 – I ZR 62/​14

  1. Fort­füh­rung von BGHZ 182, 337 Tal­king to Addi­son[]
  2. vgl. Schricker/​Haedicke in Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 32 UrhG Rn. 25; Schul­ze in Dreier/​Schulze, UrhG, 4. Aufl., § 32 Rn. 29; Wandtke/​Grunert in Wandtke/​Bullinger, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 32 UrhG Rn. 24[]
  3. Schricker/​Haedicke in Schricker/​Loewenheim aaO § 32 UrhG Rn. 28; Kott­hoff in Dreyer/​Kotthoff/​Meckel, Urhe­ber­recht, 3. Aufl., § 32 UrhG Rn. 21; Schul­ze in Dreier/​Schulze aaO § 32 Rn. 37[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 07.10.2009 – I ZR 38/​07, BGHZ 182, 337 Rn. 32 ff. Tal­king to Addi­son; Schricker/​Haedicke in Schricker/​Loewenheim aaO § 32 UrhG Rn. 23 f., 28 und 30 sowie § 36 UrhG Rn. 67; Kott­hoff in Dreyer/​Kotthoff/​Meckel aaO § 36 UrhG Rn. 11; Schul­ze in Dreier/​Schulze aaO § 32 Rn. 37[]
  5. vgl. BGHZ 182, 337 Rn. 34 Tal­king to Addi­son[]
  6. vgl. Schricker/​Haedicke in Schricker/​Loewenheim aaO § 32 UrhG Rn. 23; Schul­ze in Dreier/​Schulze aaO § 32 Rn. 82 f.[]
  7. vgl. Schricker/​Haedicke in Schricker/​Loewenheim aaO § 32 UrhG Rn. 16; Wandtke/​Grunert in Wandtke/​Bullinger aaO § 32 UrhG Rn. 8[]
  8. BGH, GRUR 2009, 1148 Rn. 54 Tal­king to Addi­son[]
  9. vgl. BGH, GRUR 2009, 1148 Rn. 32 Tal­king to Addi­son[]
  10. BGHZ 182, 337 Rn. 31 Tal­king to Addi­son[]
  11. vgl. Sop­pe in Möhring/​Nicolini, Urhe­ber­recht, 3. Aufl., § 38 UrhG Rn. 7[]