Anwäl­te strei­ten über das Geschäfts­mo­dell von Pfan­do – Was man als Ver­brau­cher wis­sen sollte

Pfand­leih­häu­ser sind häu­fig die letz­te Anlauf­sta­ti­on für Men­schen in finan­zi­el­len Nöten. Die­se bekom­men von klas­si­schen Ban­ken auf­grund einer nega­ti­ven Finanz­ver­gan­gen­heit kei­nen Kre­dit. Wenn sie eine Sicher­heit wie ein Auto hin­ter­le­gen kön­nen, bekom­men sie bei einem Pfand­leih­haus aber den­noch fri­sches Geld für ihren Wagen.

Anwäl­te strei­ten über das Geschäfts­mo­dell von Pfan­do – Was man als Ver­brau­cher wis­sen sollte

Pfan­do hat das Geschäfts­mo­dell von Pfand­leih­häu­sern moder­ni­siert. Eini­ge Rechts­an­wäl­te behaup­ten nun, dass ihre Kli­en­ten erfolg­reich dage­gen vor­ge­hen und ihr Geld und/​oder Auto zurück­er­hal­ten könn­ten. Sol­che juris­ti­schen Schrit­te sind aller­dings äußerst unsi­cher, da die meis­ten Gerich­te in ihren Urtei­len zuguns­ten von Pfan­do ent­schei­den. Die Anwäl­te schei­nen daher eher ihre finan­zi­el­len Inter­es­sen als das Wohl ihrer Kli­en­ten im Blick zu haben.

Die Grund­idee bei Pfandleihhäusern

Pfand­häu­ser wer­den vor allem von Men­schen genutzt, die auf­grund einer nega­ti­ven Finanz-His­to­rie bei klas­si­schen Ban­ken kei­nen Kre­dit bekom­men. Pfand­leih­häu­ser ver­ge­ben Dar­le­hen abhän­gig davon, wie viel ein hin­ter­leg­ter Pfand wert ist. Die Pfand­neh­mer haben damit fri­sches Geld zur Ver­fü­gung, das sie für die Beglei­chung von Rech­nun­gen oder für drin­gend not­wen­di­ge Inves­ti­tio­nen ein­set­zen kön­nen. Im Kre­dit­ver­trag mit dem Pfand­haus wird fest­ge­legt, bis zu wel­chem Zeit­punkt das Dar­le­hen zurück­ge­zahlt wer­den muss. Mit dem Geld las­sen sich also kurz­fris­ti­ge finan­zi­el­le Eng­päs­se überbrücken.

Die Diens­te von Pfand­häu­sern wer­den sowohl von Pri­vat­per­so­nen als auch von Unter­neh­men genutzt. Wer zum Bei­spiel ein Haus­halts­ge­rät neu anschaf­fen muss oder eine uner­war­tet hohe Rech­nung zu bezah­len hat, ist für eine kurz­fris­ti­ge Finanz­sprit­ze dank­bar. Für Unter­neh­mer ist ein sol­ches Dar­le­hen hin­ge­gen gut geeig­net, um den Weg­fall eines Auf­trags zu ver­kraf­ten oder einen Monat mit hohen Inves­ti­ti­ons­kos­ten zu über­ste­hen. Gera­de in Kri­sen­zei­ten zeigt sich, dass zahl­rei­che Ver­brau­cher und Fir­men die Unter­stüt­zung von Pfand­leih­häu­sern in Anspruch nehmen.

Das Auto wird als Sicher­heit hinterlegt

Der Pfand­lei­her ist für vie­le Men­schen die letz­te Hoff­nung, weil sie sehr dis­kret arbei­ten. Hier ist es nicht nötig, eine auf­wen­di­ge Boni­täts­prü­fung zu durch­lau­fen. Den ver­schie­de­nen Anbie­tern genügt es, eine Sicher­heit wie ein Auto gebo­ten zu bekom­men. Die­ses wird vom Pfand­leih­haus in Gewahr­sam genom­men und der Pfand­ge­ber erhält einen Kre­dit nach den Rege­lun­gen der Pfand­lei­her Ver­ord­nung. Eine Siche­rungs­über­eig­nung ist seit den 90er Jah­ren laut § 3 KWG hin­ge­gen verboten.

Die getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen wer­den in einem Pfand­leih­ver­trag fest­ge­hal­ten. Hier­in sind alle Moda­li­tä­ten für das Dar­le­hen schrift­lich fixiert. Unter ande­rem müs­sen die Kre­dit­hö­he und die Lauf­zeit klar fest­ge­schrie­ben sein. Der Pfand­ge­ber hat dann bis zum Ende der Lauf­zeit die Zeit, die Kre­dit­sum­me zurück­zu­zah­len. Dann erhält er sein hin­ter­leg­tes Fahr­zeug zurück. Ist er hier­zu nicht in der Lage, darf sich das Pfand­haus vor einem finan­zi­el­len Aus­fall schüt­zen. Das tut es, indem der Wagen bei einer Auk­ti­on oder auf ande­re Wei­se ver­stei­gert und zu Geld gemacht wird. Für den Dar­le­hens­neh­mer stellt das zumeist einen erheb­li­chen Ver­lust dar.

Pfan­do arbei­tet anders

Pfan­do hat die­ses klas­si­sche Modell der Arbeit von Pfand­leih­häu­sern ange­passt und erwei­tert. Für vie­le Kre­dit­neh­mer ist das eige­ne Auto unver­zicht­bar, um Geld zu ver­die­nen und das Dar­le­hen zurück­zah­len zu kön­nen. Das gilt zum Bei­spiel für Unter­neh­men, die ohne ein Auto ihre Kun­den nicht besu­chen und kei­ne Werk­zeu­ge und Mate­ria­li­en mit sich füh­ren kön­nen. Aber auch im pri­va­ten Umfeld kann ein Fahr­zeug zwin­gend erfor­der­lich sein, bei­spiels­wei­se für den Arbeits­weg oder wenn ein pfle­ge­be­dürf­ti­ger Ange­hö­ri­ger zu Unter­su­chun­gen und Behand­lun­gen gefah­ren wer­den muss.

Des­we­gen ist es bei Pfan­do mög­lich, nach Aus­zah­lung das Auto wei­ter zu nut­zen. Im Rah­men von Pfando’s Wei­ter­fahr-Opti­on kauft Pfan­do das Auto und ver­mie­tet es für einen begrenz­ten Zeit­raum an den Kun­den zurück. Die­ses als „sale and rent back“ bekann­te Ver­fah­ren von Pfan­do wird von den Kun­den rege genutzt und gewährt ihnen eine größt­mög­li­che Fle­xi­bi­li­tät.

Gericht
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Es gibt ver­schie­de­ne Anwäl­te, die ihren Kli­en­ten nahe­le­gen, juris­ti­sche Schrit­te gegen Pfan­do ein­zu­lei­ten. Sie behaup­ten, das Geschäfts­mo­dell „sale and rent back“ sei nicht rechts­kon­form und eine Kla­ge dage­gen sei ein Selbst­läu­fer. Nichts könn­te von der Wahr­heit wei­ter ent­fernt sein. Zahl­rei­che Gerichts­ur­tei­le zei­gen, dass die Recht­spre­chung das Modell für legi­tim hält. So haben unter ande­rem die Amts­ge­rich­te Frank­furt und Köln, die Land­ge­rich­te Dort­mund, Düs­sel­dorf, Frank­furt und Mün­chen, sowie vie­le wei­te­re das Ver­trags­mo­dell grund­sätz­lich für zuläs­sig befun­den. Gegen das Kon­zept spra­chen sich ledig­lich die Land­ge­rich­te Erfurt und Dres­den aus.

Eine Rich­te­rin in Frank­furt hat sich gegen „sale and rent back“ aus­ge­spro­chen, aller­dings nur unter bestimm­ten Bedin­gun­gen. So dür­fe es nicht sein, dass die für das Lei­hen des Fahr­zeugs anfal­len­den Gebüh­ren unver­hält­nis­mä­ßig hoch sei­en. Wenn die Gebüh­ren einen bestimm­ten Wert nicht über­schrei­ten, ist das Modell durch­aus legi­tim. Das bedeu­tet, dass selbst Kri­ti­ker nicht das Kon­zept an sich ver­wer­fen, son­dern bloß eine bestimm­te Art der Aus­ge­stal­tung kritisieren.

Die Anwäl­te, die sich für juris­ti­sche Schrit­te gegen Pfan­do aus­spre­chen, bie­ten ihren Kli­en­ten bei ihrer Rechts­be­ra­tung meist kei­ne dif­fe­ren­zier­te Ana­ly­se der Situa­ti­on. Sie sagen, dass sich Gerich­te gegen „sale and rent back“ aus­ge­spro­chen haben, ver­schwei­gen jedoch, dass die Mehr­heit der Gerich­te das Kon­zept grund­sätz­lich bil­ligt. Zudem schei­nen eini­ge zu behaup­ten, dass eine Kla­ge gegen Pfan­do ein Selbst­läu­fer wäre und die Kli­en­ten gro­ße Chan­cen auf einen Gewinn des Pro­zes­ses hät­ten. In Wahr­heit ist ein sol­ches Vor­ge­hen mit gro­ßen Risi­ken behaf­tet und die Betrof­fe­nen könn­ten nicht nur ihr Auto, son­dern noch viel mehr Geld ver­lie­ren. Offen­bar haben die finan­zi­el­len Eigen­in­ter­es­sen der Anwäl­te ein höhe­res Gewicht als die berech­tig­ten Inter­es­sen ihrer Klienten.

Hin­zu kommt, das Pfan­do sei­ne Ver­trä­ge rechts­kon­form und trans­pa­rent gestal­tet. Bestimm­te Punk­te, die in der Ver­gan­gen­heit von Gerich­ten bean­stan­det wur­den, sind in den heu­ti­gen Ver­trä­gen nicht mehr zu fin­den. Die Ver­trä­ge wer­den der aktu­el­len Recht­spre­chung gerecht. Aus Ver­brau­cher­sicht ist es wich­tig, sich genau über die Vor- und Nach­tei­le des ein­zu­ge­hen­den Ver­tra­ges zu infor­mie­ren und sich zu fra­gen, ob dies in die per­sön­li­che Situa­ti­on passt.