Apo­the­ken­ter­mi­nals

Die Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be über fremd­ge­steu­er­te Apo­the­ken­ter­mi­nals ist nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts im Wesent­li­chen unzu­läs­sig. Damit hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig die Kla­gen eines Apo­the­kers aus Rhein­land-Pfalz sowie eines baden-würt­tem­ber­gi­schen Apo­the­kers letzt­in­stanz­lich zurück­ge­wie­sen.

Apo­the­ken­ter­mi­nals

Bei die­sen Apo­the­ken­ter­mi­nals han­delt es sich um außen an den Apo­the­ken ange­brach­ten Gerä­ten, mit denen Apo­the­ken­wa­ren ein­schließ­lich apo­the­ken- und rezept­pflich­ti­ger Medi­ka­men­te durch einen Auto­ma­ten abge­ge­ben wer­den, nach­dem die Kun­den über Video­te­le­fon in Kon­takt zu einem Apo­the­ker getre­ten sind. Die­ser Apo­the­ker berät die Kun­den über das Video­te­le­fon, kon­trol­liert bei einer Abga­be auf Ver­schrei­bung das ein­ge­scann­te Rezept via Bild­schirm und gibt das gewünsch­te Arz­nei­mit­tel frei. Für die Bedie­nung der Gerä­te außer­halb der Öff­nungs­zei­ten der Apo­the­ken haben die Klä­ger jeweils Ser­vice­ver­trä­ge mit einer GmbH geschlos­sen, die die Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be mit ange­stell­ten Apo­the­kern über ein Ser­vice­cen­ter orga­ni­siert, mit dem die Ter­mi­nals per Inter­net ver­bun­den sind.

In der Vor­in­stan­zen hat­te das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz den Ein­satz eines Apo­the­ken­ter­mi­nals ins­ge­samt als unzu­läs­sig ange­se­hen 1, wäh­rend in dem zwei­ten Kla­ge­ver­fah­ren der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg den Ein­satz des Apo­the­ken­ter­mi­nals nur bei ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln als unzu­läs­sig ange­se­hen hat 2.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt beur­teil­te den Ein­satz von Apo­the­ken­ter­mi­nals nun in zwei Fäl­len als unzu­läs­sig:

So sei die Abga­be von Arz­nei­mit­teln über ein Apo­the­ken­ter­mi­nal zum einen unzu­läs­sig, soweit es ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge und ver­schrie­be­ne Arz­nei­mit­tel betref­fe, weil in die­sen Fäl­len den gesetz­li­chen Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten des Apo­the­kers nicht genügt wer­de. Er müs­se die Anga­ben auf dem Rezept bei der Abga­be des Arz­nei­mit­tels abzeich­nen und even­tu­el­le Ände­run­gen unter­schrei­ben; das sei bei einer auto­ma­ti­sier­ten Abga­be über ein Ter­mi­nal nicht mög­lich.

Zum ande­ren sei der Betrieb der Abga­be­ter­mi­nals unzu­läs­sig, soweit die Gerä­te nicht von dem Per­so­nal der Apo­the­ke, son­dern über ein Ser­vice­cen­ter bedient wür­den. Der Apo­the­ker sei nach dem Apo­the­ken­ge­setz zur per­sön­li­chen Lei­tung der Apo­the­ke in eige­ner Ver­ant­wor­tung ver­pflich­tet. Damit las­se sich nicht ver­ein­ba­ren, die Abga­be von Arz­nei­mit­teln aus der Apo­the­ke ein­schließ­lich der Bera­tung und Infor­ma­ti­on der Kun­den auf einen gewerb­li­chen Dienst­leis­ter zu über­tra­gen. In dem Ser­vice­ver­trag ver­ein­bar­te Wei­sungs­rech­te des Apo­the­kers gegen­über dem Per­so­nal der Ser­vice­agen­tur sei­en kein gleich­wer­ti­ger Ersatz für die Auf­sichts- und Kon­troll­be­fug­nis­se gegen­über dem Per­so­nal sei­ner Apo­the­ke. Die inso­weit durch das Apo­the­ken­ge­setz bewirk­te Ein­schrän­kung der Berufs­aus­übungs­frei­heit nach Art. 12 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes sei durch die vom Gesetz­ge­ber bezweck­te Sicher­heit der Arz­nei­mit­tel­ab­ga­be gerecht­fer­tigt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 24. Juni 2010 – 3 C 30.09 und 3 C 31.09

  1. OVG RLP, Urteil vom 07.07.2009 – 6 A 11397/​08.OVG[]
  2. VGH B‑W, Urteil vom 28.07.2009 – 9 S 2852/​08[]