Archi­tek­ten­ho­no­ra­re – und die Ver­ein­ba­rung der anre­chen­ba­ren Kos­ten

Vom Auf­trag­ge­ber gestell­te All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen, nach denen die anre­chen­ba­ren Kos­ten für Leis­tun­gen der Leis­tungs­pha­sen 2 bis 4 gemäß der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re auf der Grund­la­ge einer geneh­mig­ten Kos­ten­be­rech­nung zur Haus­halts­un­ter­la­ge Bau zu bestim­men sind, sind wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Archi­tek­ten unwirk­sam.

Archi­tek­ten­ho­no­ra­re – und die Ver­ein­ba­rung der anre­chen­ba­ren Kos­ten

Dies ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof hier zu einem Ver­trag, der zeit­lich noch der Gel­tung des § 9 AGBG unter­fiel.

Dar­in liegt eine vor­weg­ge­nom­me­ne Beweis­wür­di­gung, die im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze fin­det. Eine etwai­ge Wider­sprüch­lich­keit des Par­tei­vor­trags kann regel­mä­ßig nur im Rah­men der Beweis­wür­di­gung berück­sich­tigt wer­den 1.

Die hier im Streit ste­hen­den Rege­lun­gen ent­hal­ten mit­tel­bar ein sol­ches ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht. Sie räu­men dem Auf­trag­ge­ber abwei­chend von § 10 Abs. 2 HOAI a.F. und § 69 Abs. 3 HOAI a.F. das Recht ein, im Rah­men des für die Kos­ten­be­rech­nung vor­ge­schrie­be­nen Geneh­mi­gungs­ver­fah­rens über die Höhe der der Hono­rar­er­mitt­lung zugrun­de zu legen­den anre­chen­ba­ren Kos­ten für die Leis­tungs­pha­sen 2 bis 4 und damit über die Höhe des Hono­rars ein­sei­tig zu ent­schei­den.

Zudem wer­den Umfang und Gren­zen die­ses Rechts nicht fest­ge­legt.

Dies stellt eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Archi­tek­ten dar. Der Auf­trag­ge­ber, der regel­mä­ßig ein Inter­es­se dar­an hat, das Hono­rar mög­lichst nied­rig zu hal­ten, kann nach Ver­trags­schluss und (teil­wei­ser) Leis­tungs­er­brin­gung sei­tens des Archi­tek­ten durch ein­sei­ti­ge Abän­de­rung der sich aus der Kos­ten­be­rech­nung erge­ben­den anre­chen­ba­ren Kos­ten im Rah­men des Geneh­mi­gungs­ver­fah­rens erheb­li­chen Ein­fluss auf die Höhe des Hono­rars neh­men.

Der Archi­tekt hat dem­ge­gen­über auf das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren kei­ne Ein­fluss­mög­lich­keit und muss des­sen Ergeb­nis nach dem Wort­laut der Klau­seln hin­neh­men.

Das begrün­det die Gefahr, dass das Hono­rar in unan­ge­mes­se­ner, den Leis­tun­gen des Archi­tek­ten nicht gerecht wer­den­der Wei­se redu­ziert wer­den kann. Berech­tig­te Belan­ge des Auf­trag­ge­bers, die eine sol­che ein­sei­tig zu Las­ten des Archi­tek­ten gehen­de Klau­sel recht­fer­ti­gen könn­ten, sind nicht erkenn­bar.

Die Rege­lun­gen Aus­rüs­tung sind daher als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen unwirk­sam, ohne dass es dar­auf ankommt, ob ihre Anwen­dung im Ein­zel­fall zu einer nach § 4 HOAI a.F. unzu­läs­si­gen Min­dest­satz­un­ter­schrei­tung geführt hat 2.

Nichts ande­res folgt aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 09.02.2012 3 sowie aus dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 16.12 2004 4. In bei­den Ent­schei­dun­gen hat­te sich der Bun­des­ge­richts­hof nicht mit der Fra­ge einer Unwirk­sam­keit nach §§ 9 ff. AGBG aus­ein­an­der­zu­set­zen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat an kei­ner Stel­le aus­ge­führt, dass eine Unwirk­sam­keit nach §§ 9 ff. AGBG von Ver­trags­klau­seln, die die Hono­rar­be­rech­nungs­pa­ra­me­ter betref­fen, nur dann in Betracht kommt, wenn hier­durch im Ein­zel­fall die Min­dest­sät­ze unter­schrit­ten wer­den.

Dage­gen betont der Bun­des­ge­richts­hof, dass zum Zwe­cke der Hono­rar­be­rech­nung eine am Ende der Ent­wurfs­pla­nung erstell­te Kos­ten­be­rech­nung nicht fort­zu­schrei­ben ist. Der Bun­des­ge­richts­hof hat eine Fort­schrei­bung des Kos­ten­an­schlags zu die­sem Zweck im Anwen­dungs­be­reich der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re vom 17.09.1976 5 in der Fas­sung der Fünf­ten Ände­rungs­ver­ord­nung vom 21.09.1995 6 abge­lehnt. Er hat hier­zu unter ande­rem aus­ge­führt, dass das Hono­rar von den anre­chen­ba­ren Kos­ten abhängt, die nach dem jewei­li­gen Pla­nungs­stand den Kos­ten­er­mitt­lun­gen zugrun­de zu legen sind. Ände­run­gen die­ses Pla­nungs­stan­des kön­nen des­halb grund­sätz­lich nicht mehr zu einer Ände­rung der hono­rar­recht­lich maß­geb­li­chen Kos­ten­er­mitt­lung füh­ren. Kos­ten­ver­än­de­run­gen, die dadurch ent­ste­hen, dass nach einer Kos­ten­er­mitt­lung die Pla­nung ver­fei­nert wird, fin­den bei der Hono­rie­rung grund­sätz­lich erst in der nächs­ten Kos­ten­er­mitt­lung Berück­sich­ti­gung. Sofern der Archi­tekt im Zusam­men­hang mit Nach­trä­gen erneu­te Grund­leis­tun­gen erbrin­gen muss, steht ihm jedoch gege­be­nen­falls ein wei­te­res Hono­rar hier­für zu 7. Die­se Grund­sät­ze gel­ten hin­sicht­lich der Fra­ge einer Fort­schrei­bung der Kos­ten­be­rech­nung im Anwen­dungs­be­reich der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re in den hier maß­ge­ben­den Fas­sun­gen ent­spre­chend.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Novem­ber 2016 – VII ZR 314/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 13.03.2012 – II ZR 50/​09, NJW-RR 2012, 728 Rn. 16; Beschluss vom 21.07.2011 – IV ZR 216/​09, VersR 2011, 1384 Rn. 6; jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 09.07.1981 – VII ZR 139/​80, BGHZ 81, 229, 236 f. 25 ff.; KG, BauR 1991, 251, 254; Becker, BauR 1991, 255 f.; Locher, BauR 1986, 643, 644; Osen­brück, Die RBBau, 4. Aufl., VM § 6 Rn. 29[]
  3. BGH, Urteil vom 09.02.2012 – VII ZR 31/​11, BGHZ 192, 305[]
  4. BGH, Urteil vom 16.12 2004 – VII ZR 16/​03, BauR 2005, 735 = NZBau 2005, 285[]
  5. BGBl. I S. 2805[]
  6. BGBl. I S. 1174[]
  7. BGH, Urteil vom 05.08.2010 – VII ZR 14/​09, BauR 2010, 1957 Rn. 16, 20 = NZBau 2010, 706; vgl. auch Fuchs/​Seifert in FBS, HOAI, 2016, § 10 HOAI Rn. 9, 34 f. m.w.N.; Löffelmann/​Fleischmann, Archi­tek­ten­recht, 6. Aufl. Rn. 1047a ff.; Preuss­ner, NJW 2011, 1713, 1715[]
  8. BGH, Beschluss vom 20.02.2018 – XI ZR 385/​16, BKR 2018, 425 Rn. 4 ff. mwN[]