Archi­tek­ten­pla­nung und Archi­tek­ten­haf­tung – das Ein­fa­mi­li­en­haus mit Pel­let­hei­zung

Ein mit einem Gesamt­auf­trag über die Leis­tungs­pha­sen 1 – 8 beauf­trag­ter Archi­tekt hat im Rah­men der Leis­tungs­pha­se 1 (Grund­la­gen­er­mitt­lung) dafür zu sor­gen, dass die sich aus der Bau­auf­ga­be, den Pla­nungs­an­for­de­run­gen und den Ziel­vor­stel­lun­gen erge­ben­den Pro­ble­me ana­ly­siert und geklärt wer­den. Hier­zu bedarf es regel­mä­ßig eines Raum­pro­gramms und eines Funk­ti­ons­pro­gramms. Kann der Auf­trag­ge­ber dem Archi­tek­ten die­se Pro­gram­me nicht lie­fern, so muss der Archi­tekt den Auf­trag­ge­ber im Rah­men sei­ner Bera­tungs­pflicht auf das Feh­len die­ser für die Pla­nung uner­läss­li­chen Ent­schei­dungs­hil­fen auf­merk­sam machen und deren Auf­stel­lung als beson­de­re Leis­tung vor­schla­gen.

Archi­tek­ten­pla­nung und Archi­tek­ten­haf­tung – das Ein­fa­mi­li­en­haus mit Pel­let­hei­zung

Kommt bei der Pla­nung eines neu zu errich­ten­den Ein­fa­mi­li­en­hau­ses mit Dop­pel­ga­ra­ge der Ein­bau einer Holz­pel­let­hei­zung in Betracht, ist es Auf­ga­be des Archi­tek­ten im Rah­men der beson­de­ren Leis­tung der Grund­la­gen­er­mitt­lung, die kon­kre­ten Aus-wir­kun­gen auf die Raum­auf­tei­lung nach Grö­ße, Zweck­be­stim­mung und Nut­zungs­art auf­zu­zei­gen und ent­spre­chen­de Vor­schlä­ge zu machen. Ist er hier­zu nicht in der Lage, muss er sich die ent­spre­chen­den Kennt­nis­se ver­schaf­fen oder den Bau­herrn ver­an­las­sen, einen ent­spre­chen­den Fach­pla­ner ein­zu­schal­ten.

Soll die Pla­nung den Ein­bau einer Holz­pel­let­hei­zung berück­sich­ti­gen, so ist die­se man­gel­haft, wenn im Rah­men des Raum- und Funk­ti­ons­pro­gramms der Bau­herr nicht auf die Not­wen­dig­keit eines zurei­chen­den Lager­vo­lu­mens für Holz­pel­lets hin­ge­wie­sen wird. Hier­zu besteht Anlass, wenn das geplan­te Pel­let­la­ger wegen zu gerin­ger Lager­ka­pa­zi­tät in der kal­ten Jah­res­zeit meh­re­re Nach­be­stel­lun­gen erfor­der­lich macht. Die Pla­nung muss dem Bau­herrn die Kon­se­quen­zen hin­sicht­lich Raum­be­darf des Pel­let­la­gers und damit even­tu­ell ver­bun­de­nen erhöh­ten Bau­kos­ten auf­zei­gen, um die­sem eine sach­ge­rech­te Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dung zu ermög­li­chen.

Bei der Ermitt­lung des dem Bau­herrn ent­ste­hen­den Scha­dens ist dar­auf abzu­stel­len, wie sich die­ser bei ord­nungs­ge­mä­ßer Auf­klä­rung und Bera­tung ent­schie­den hät­te.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 24. Janu­ar 2012 – 10 U 90/​11