Arz­nei­mit­tel aus der Dro­ge­rie

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te ent­schie­den, dass Ver­sand­apo­the­ken für das Ein­sam­meln von Bestel­lun­gen und die Aus­hän­di­gung der bestell­ten Arz­nei­mit­tel den Dienst von Dro­ge­rie­märk­ten in Anspruch neh­men dür­fen.

Arz­nei­mit­tel aus der Dro­ge­rie

Seit dem 1. Janu­ar 2004 erlaubt das Arz­nei­mit­tel­ge­setz den Ver­sand­han­del mit apo­the­ken­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln. Dar­auf­hin schloss eine nie­der­län­di­sche Ver­sand­apo­the­ke mit einer deut­schen Dro­ge­rie­markt­ket­te eine Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung. Danach kön­nen Bestel­lun­gen für die Apo­the­ke in den Filia­len der Ket­te in eine Sam­mel­box ein­ge­wor­fen und die bestell­ten Medi­ka­men­te nach 3 Tagen in der betref­fen­den Filia­le abge­holt wer­den. Wahl­wei­se kann sich der Kun­de die Medi­ka­men­te auch nach Hau­se lie­fern las­sen. Die­ser Ser­vice wur­de zunächst in acht Filia­len der Ket­te im Rhein­land ein­ge­führt. Durch Ord­nungs­ver­fü­gung unter­sag­te der Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Düs­sel­dorf der Dro­ge­rie­markt­ket­te die­se Form des Arz­nei­mit­tel­ver­triebs mit der Begrün­dung, der vom Gesetz erlaub­te Ver­sand­han­del mit Arz­nei­mit­teln umfas­se nur den Direkt­ver­trieb mit unmit­tel­ba­rer Zustel­lung an den Kun­den. Die Ein­rich­tung von Abhol­stel­len in Gewer­be­be­trie­ben sei eben­so unzu­läs­sig wie das dor­ti­ge Ein­sam­meln von Bestel­lun­gen für Medi­ka­men­te. Der gegen die­se Ver­fü­gung gerich­te­ten Kla­ge hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Münster statt­ge­ge­ben. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun die Revi­si­on der Stadt zurück­ge­wie­sen.

Zur Begrün­dung führt das Gericht aus, die Aus­lie­fe­rung bestell­ter Waren durch Über­ga­be an den Kun­den in einer Abhol­sta­ti­on sei inzwi­schen eine ver­brei­te­te Form des Ver­sand­han­dels. Nach heu­ti­gem Sprach­ge­brauch unter­fal­le daher auch die­se Form dem Begriff des Ver­sand­han­dels. Die Schutz­zie­le des Apo­the­ken- und Arz­nei­mit­tel­rechts stün­den der Ein­be­zie­hung die­ses Ver­triebs­we­ges in den Ver­sand­han­del mit Arz­nei­mit­teln nicht ent­ge­gen. Ins­be­son­de­re sei die Arz­nei­mit­tel­si­cher­heit nicht mehr gefähr­det als beim klas­si­schen Ver­sand­han­del mit direk­ter Zustel­lung an den End­ver­brau­cher. Aller­dings müs­se sich der Bei­trag des Dro­ge­rie­mark­tes auf logis­ti­sche Leis­tun­gen beschrän­ken. Kei­nes­falls dürf­te der Ein­druck erweckt wer­den, die Arz­nei­mit­tel wür­den vom Dro­ge­rie­markt selbst abge­ge­ben, die­ser sei also Ver­trags­part­ner des Kun­den. Auch eine Wer­bung, die die­sen Ein­druck ver­mitt­le, sei unzu­läs­sig.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 13. März 2008 – 3 C 27.07