Auf­ge­tau­tes Tief­kühl­fleisch

Wenn aus tief­ge­fro­re­nem Fleisch nach dem Auf­tau­en mari­nier­te, gewürz­te Grill­steaks her­ge­stellt und an der Metz­ge­rei – Bedie­nungs­the­ke lose ange­bo­ten wer­den, müs­sen sie mit dem Hin­weis „auf­ge­taut – sofort ver­brau­chen” gekenn­zeich­net wer­den. Andern­falls liegt nach einer jetzt ver­kün­de­ten Ent­schei­dung eine Irre­füh­rung der Ver­brau­cher vor.

Auf­ge­tau­tes Tief­kühl­fleisch

Eine Kun­din eines gro­ßen Ver­brau­cher­mark­tes in Rhein­hes­sen erhielt auf Nach­fra­ge die Aus­kunft, dass ein an der Metz­ge­rei – Bedie­nungs­the­ke lose ange­bo­te­nes „Schwei­nen­acken­steak Pusz­ta” aus tief­ge­fro­re­nem und nach dem Auf­tau­en mari­nier­tem und gewürz­tem Fleisch her­ge­stellt wor­den war. Die zustän­di­ge Lebens­mit­tel­über­wa­chungs­be­hör­de unter­sag­te dar­auf­hin dem ver­ant­wort­li­chen Metz­ger­meis­ter, der­ar­ti­ges Fleisch ohne den Hin­weis „auf­ge­taut – sofort ver­brau­chen” an den Ver­brau­cher abzu­ge­ben.

Die Rich­ter der 6. Kam­mer haben die behörd­li­che Ent­schei­dung gebil­ligt. Ohne den Hin­weis dro­he eine Irre­füh­rung der Ver­brau­cher. Der Durch­schnitts­ver­brau­cher gehe näm­lich davon aus, dass es sich bei gewürz­tem, ein­ge­leg­tem Grill­fleisch, das an der Bedie­nungs­the­ke lose ange­bo­ten wer­de, nicht um Fleisch hand­le, das vor der Wür­zung tief­ge­fro­ren war und auf­ge­taut wor­den ist. Die­se Vor­stel­lung sei auch von Bedeu­tung, da der Ver­brau­cher das auf­ge­tau­te Fleisch nicht ohne Qua­li­täts­ver­lust selbst (erneut) ein­frie­ren kön­ne und damit die Ver­wen­dungs­mög­lich­keit des Flei­sches ein­ge­schränkt sei. Das Lebens­mit­tel­recht gehe davon aus, dass Fleisch nicht ohne Qua­li­täts­ver­lust wie­der­holt ein­ge­fro­ren wer­den kön­ne. Bei Fleisch­erzeug­nis­sen sei dem Her­stel­ler selbst das Wie­der­ein­frie­ren sogar aus­drück­lich ver­bo­ten. Es sei auch kei­nes­wegs so, dass der Durch­schnitts­ver­brau­cher ein Grill­steak dann nicht selbst ein­frie­re, wenn es mari­niert sei. Eine sol­che Ver­brau­cher­pra­xis bestehe nicht. Bestä­tigt wer­de dies durch eine stich­pro­ben­ar­ti­ge Abfra­ge ein­schlä­gi­ger Ver­brau­ch­er­fo­ren im Inter­net (u.a. www.chefkoch.de; www.webkoch.de; www.wer-weiss-was.de), deren Teil­neh­mer nahe­zu ein­hel­lig der Auf­fas­sung sei­en, dass man mari­nier­tes Fleisch pro­blem­los ein­frie­ren kön­ne.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, Urteil vom 19.11.2007 6 K 224/​07.MZ