Aus­grün­dung einer Pri­vat­kli­nik

Errich­tet der Trä­ger eines Plan­k­ran­ken­hau­ses als Allein­ge­sell­schaf­ter eine GmbH, die auf dem Gelän­de des Plan­k­ran­ken­hau­ses eine Pri­vat­kran­ken­an­stalt für Pri­vat­pa­ti­en­ten betreibt, unter­liegt die­se Pri­vat­kran­ken­an­stalt auch dann nicht den Bestim­mun­gen des Kran­ken­haus­ent­geltrechts, wenn sie ihre Pati­en­ten mit Hil­fe der appa­ra­ti­ven Aus­stat­tung und unter Ein­satz von Ärz­ten des Plan­k­ran­ken­hau­ses behan­delt.

Aus­grün­dung einer Pri­vat­kli­nik

Die Anwen­dung des Kran­ken­haus­ent­geltrechts gilt nicht vor­aus­set­zungs­los als Regel für alle Arten von Kran­ken­häu­sern. Viel­mehr ste­hen die die Ver­trags­frei­heit bei Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen ein­schrän­ken­den Rege­lun­gen des Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs- und des Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­set­zes im Zusam­men­hang mit der Inves­ti­ti­ons­för­de­rung, auf die ins­be­son­de­re Plan­k­ran­ken­häu­ser nach § 8 des Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­set­zes (KHG) einen Anspruch haben. In der Inves­ti­ti­ons­för­de­rung wird daher ein ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ner Aus­gleich für die Beschrän­kun­gen der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung gese­hen 1. Dem­ge­gen­über haben nicht geför­der­te Kran­ken­häu­ser auf einer ande­ren wirt­schaft­li­chen Grund­la­ge zu kal­ku­lie­ren 2. Die Fra­ge, ob die "Aus­grün­dung" einer Pri­vat­kli­nik Ein­fluss auf die von ihr vor­zu­neh­men­de Preis­ge­stal­tung hat, hat sich daher zunächst und vor allem dar­an zu ori­en­tie­ren, ob sie wei­ter­hin der Kran­ken­haus­för­de­rung unter­liegt.

Kei­ne Kran­ken­haus­för­de­rung für die Pri­vat­kli­nik

Die von der Trä­ger­ge­sell­schaft auf­grund einer Kon­zes­si­on nach § 30 Abs. 1 GewO betrie­be­ne Pri­vat­kran­ken­an­stalt erfüllt nicht die Vor­aus­set­zun­gen des § 67 AO und wird mit­hin auch nicht nach § 5 Abs. 1 Nr. 2 KHG geför­dert (vgl. § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 KHEntgG). Sie ist daher in ihrer Preis­ge­stal­tung – in den Gren­zen der §§ 134, 138 BGB – grund­sätz­lich frei 3. Wel­che ver­si­che­rungs­recht­li­chen Fol­gen sich hier­aus erge­ben, betrifft allein das Ver­hält­nis des Kran­ken­ver­si­che­rers zum Pati­en­ten. Außer­halb des in § 17 Abs. 1 Satz 5 KHEntgG ange­spro­che­nen Bereichs ist dem Klä­ger von Geset­zes wegen kein Recht ein­ge­räumt wor­den, die Her­ab­set­zung unan­ge­mes­sen hoher Ent­gel­te zu ver­lan­gen 4.

Dies ist nicht des­halb anders zu beur­tei­len, weil Allein­ge­sell­schaf­ter der Trä­ger­ge­sell­schaft der Trä­ger eines Plan­k­ran­ken­hau­ses ist. Weder die ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten der Gewer­be­ord­nung noch die des Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­set­zes hin­dern den Trä­ger eines Plan­k­ran­ken­hau­ses dar­an, eine Pri­vat­kran­ken­an­stalt zu grün­den und zu betrei­ben. Jeden­falls solan­ge das Plan­k­ran­ken­haus – wovon hier aus­zu­ge­hen ist – sei­nen durch den Kran­ken­haus­plan zuge­wie­se­nen Ver­sor­gungs­auf­trag erfüllt und nach dem legis­la­ti­ven Vor­bild auch Selbst­zah­ler und Pri­vat­pa­ti­en­ten behan­delt, ist gegen eine sol­che Ver­fah­rens­wei­se von Geset­zes wegen nichts ein­zu­wen­den 5.

Uner­heb­lich ist wei­ter, dass die ärzt­li­che und appa­ra­ti­ve Aus­stat­tung des Plan­k­ran­ken­hau­ses maß­geb­lich dazu bei­trägt, dass die Pri­vat­kli­nik ihr Leis­tungs­an­ge­bot über­haupt ver­wirk­li­chen kann. Dies ändert nichts dar­an, dass die Pri­vat­kli­nik recht­lich selb­stän­dig und nicht ledig­lich eine Abtei­lung für Pri­vat­pa­ti­en­ten des Plan­k­ran­ken­hau­ses ist. Es ver­steht sich, dass ein Kran­ken­haus in der Lage sein muss, die aus­rei­chen­de medi­zi­ni­sche und pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung der Pati­en­ten zu gewähr­leis­ten. Dies bedeu­tet jedoch nicht, dass die Leis­tun­gen des Kran­ken­hau­ses not­wen­di­ger­wei­se voll­um­fäng­lich durch "eige­nes" Per­so­nal und "eige­ne" Appa­ra­tu­ren und Gerä­te erbracht wer­den müss­ten; sicher­ge­stellt sein muss nur, dass die­se Leis­tun­gen jeder­zeit – auf recht­lich gesi­cher­ter Grund­la­ge – abruf­bar sind 6. Wäre die Rechts­la­ge anders zu beur­tei­len, hät­te die Trä­ger­ge­sell­schaft für die Pri­vat­kli­nik kei­ne Kon­zes­si­on erhal­ten dür­fen; denn die­se ist nach § 30 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und 1a GewO unter ande­rem dann zu ver­sa­gen, wenn die Lei­tung der Kran­ken­an­stalt unzu­ver­läs­sig oder die aus­rei­chen­de medi­zi­ni­sche und pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung der Pati­en­ten nicht gewähr­leis­tet sind.

Quer­sub­ven­tio­nie­rung

Aller­dings mag dann, wenn die Leis­tungs­be­zie­hun­gen zwi­schen dem Plan­k­ran­ken­haus und der "aus­ge­grün­de­ten" Pri­vat­kli­nik in räum­li­cher, per­so­nel­ler und orga­ni­sa­to­ri­scher Hin­sicht nicht klar genug abge­grenzt sind, eine Quer­sub­ven­tio­nie­rung der öffent­li­chen Hand zuguns­ten von Pri­vat­kli­ni­ken zu befürch­ten sein 7. Wenn es aber dar­um geht sicher­zu­stel­len, dass Plan­k­ran­ken­häu­ser ihren Ver­sor­gungs­auf­trag wahr­neh­men und die För­de­rungs­vor­aus­set­zun­gen ein­hal­ten, so ist es allein Auf­ga­be der zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­den, die erfor­der­li­chen Maß­nah­men zu ergrei­fen 8. Dem­ge­gen­über geht es in einem sol­chen Fal­le nicht an, über den zivil­recht­li­chen Gedan­ken der "Umge­hung" die Ein­hal­tung der ord­nungs­po­li­ti­schen Ziel­vor­stel­lun­gen des Gesetz­ge­bers des Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs- und des Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­set­zes zu erzwin­gen mit der Fol­ge, dass die Ver­trags­be­zie­hun­gen zwi­schen dem Pati­en­ten und dem Pri­vat­kran­ken­haus nach Maß­ga­be der §§ 134, 138 BGB sank­tio­niert wer­den oder aber die Pri­vat­kli­nik ver­gü­tungs­recht­lich in ein Plan­k­ran­ken­haus "umfunk­tio­niert" und damit den Vor­ga­ben des § 17 Abs. 1 KHEntG unter­wor­fen wird 9.

Beleh­rungs­pflicht zur Erstat­tungs­fä­hig­keit der Kran­ken­haus­kos­ten

Soweit all­ge­mein Beden­ken bestehen, bei einer Zusam­men­ar­beit, wie sie hier zwi­schen dem Plan­k­ran­ken­haus und der Pri­vat­kli­nik bestehen, sei es zum Nach­teil der Pri­vat­pa­ti­en­ten mög­lich, die­se in die wesent­lich teu­re­re Pri­vat­kli­nik zu legen, ist dem durch an den jewei­li­gen Ein­zel­fall ange­pass­te Hin­wei­se des Arz­tes oder Kran­ken­haus­trä­gers zu begeg­nen, zu denen sie ohne­hin ins­be­son­de­re dann ver­trag­lich ver­pflich­tet sind, wenn begrün­de­te Zwei­fel an der Erstat­tungs­fä­hig­keit der Behand­lungs­kos­ten bestehen 10.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. April 2011 – III ZR 114/​10

  1. vgl. Quaas/​Zuck, Medi­zin­recht, 02. Aufl., § 25 Rn. 103[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 12.03.2003 – IV ZR 278/​01, BGHZ 154, 154, 162[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 12.03.2003, aaO S. 158 ff.[]
  4. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 04.08.2000 – III ZR 158/​99, BGHZ 145, 66[]
  5. vgl. Boh­le, KHR 2009, 1, 7[]
  6. vgl. Quaas/​Zuck aaO § 24 Rn. 42; Ben­der, HK/​AKM Nr. 5485 Rn. 6 (Stand Juni 2010); Boh­le aaO S. 5 f[]
  7. vgl. Schwin­tow­ski, MedR 2009, 741, 742 f[]
  8. so auch Ben­der aaO Rn. 7; Degen­e­r­Hencke in Huster/​Kaltenborn, Kran­ken­haus­recht, § 5 Rn. 71, 75; Boh­le aaO S. 7[]
  9. in die­sem Sin­ne jedoch Uleer/​Miebach/​Patt, Abrech­nung von Arzt- und Kran­ken­haus­leis­tun­gen, 3. Aufl., 2. Teil, Gesamt­über­sicht Rn. 69 ff; sie­he auch Patt/​Wilde, MedR 2008, 707, 708 ff[]
  10. vgl. BGH, Urteil vom 01.02.1983 – VI ZR 104/​81, NJW 1983, 2630 f[]
  11. FG Müns­ter, Urteil vom 12.05.2011 – 5 K 435/​09 U[]