Aus­kunfts­an­spruch gegen den Han­dels­ver­tre­ter bei Ver­stoß gegen ein Wett­be­werbs­ver­bot

Hat der Han­dels­ver­tre­ter ein wäh­rend der Lauf­zeit des Han­dels­ver­tre­ter­ver­trags bestehen­des Wett­be­werbs­ver­bot ver­letzt, kann dem Unter­neh­mer zur Vor­be­rei­tung des Anspruchs auf Ersatz des ent­gan­ge­nen Gewinns ein Anspruch nach § 242 BGB gegen den Han­dels­ver­tre­ter auf Aus­kunft über die ver­bots­wid­rig für Kon­kur­renz­un­ter­neh­men ver­mit­tel­ten Geschäf­te zuste­hen, da der ver­bots­wid­rig für Kon­kur­renz­un­ter­neh­men ver­mit­tel­te Umsatz als Grund­la­ge einer Scha­dens­schät­zung nach § 287 ZPO die­nen kann [1].

Aus­kunfts­an­spruch gegen den Han­dels­ver­tre­ter bei Ver­stoß gegen ein Wett­be­werbs­ver­bot

Der Unter­neh­mer hat in die­sem Fall kei­nen Anspruch auf Nen­nung von Namen und Anschrif­ten von Ver­si­che­rungs­neh­mern, auch nicht mit der Ein­schrän­kung eines Wirt­schafts­prü­fer­vor­be­halts, denen ver­bots­wid­rig Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge mit dem Kon­kur­renz­un­ter­neh­men ver­mit­telt wor­den sind.

Aus­kunft kann über sol­che Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge zu ertei­len sein, die von Außen­dienst­mit­ar­bei­tern ver­mit­telt wur­den, die der Han­dels­ver­tre­ter bei dem Kon­kur­renz­un­ter­neh­men nicht ange­wor­ben, aber betreut hat.

Aus­kunfts­an­spruch

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gebie­ten es Treu und Glau­ben, einem Anspruchs­be­rech­tig­ten einen Aus­kunfts­an­spruch zuzu­bil­li­gen, wenn die zwi­schen den Par­tei­en bestehen­den Rechts­be­zie­hun­gen es mit sich brin­gen, dass der Anspruchs­be­rech­tig­te in ent­schuld­ba­rer Wei­se über das Bestehen oder den Umfang sei­nes Rechts im Unge­wis­sen ist und wenn der Ver­pflich­te­te in der Lage ist, unschwer die zur Besei­ti­gung die­ser Unge­wiss­heit erfor­der­li­che Aus­kunft zu ertei­len [2]. Ein aus § 242 BGB abge­lei­te­ter unselb­stän­di­ger Anspruch auf Aus­kunft zur Vor­be­rei­tung eines ver­trag­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruchs setzt vor­aus, dass zumin­dest der begrün­de­te Ver­dacht einer Ver­trags­pflicht­ver­let­zung besteht und dass ein dar­aus resul­tie­ren­der Scha­den des Anspruch­stel­lers wahr­schein­lich ist [3].

Ver­letzt ein Han­dels­ver­tre­ter wäh­rend der Lauf­zeit des Han­dels­ver­tre­ter­ver­trags ein Wett­be­werbs­ver­bot, macht er sich regel­mä­ßig scha­dens­er­satz­pflich­tig; er schul­det dem Unter­neh­mer Ersatz des Gewinns, der die­sem durch die ver­bots­wid­ri­ge Tätig­keit des Han­dels­ver­tre­ters ent­gan­gen ist [4]. Hat der Han­dels­ver­tre­ter ver­bots­wid­rig Geschäf­te für Kon­kur­renz­un­ter­neh­men ver­mit­telt, kann dem Unter­neh­mer zur Vor­be­rei­tung des Anspruchs auf Ersatz des ent­gan­ge­nen Gewinns ein Anspruch nach § 242 BGB gegen den Han­dels­ver­tre­ter auf Aus­kunft über die ver­bots­wid­rig für Kon­kur­renz­un­ter­neh­men ver­mit­tel­ten Geschäf­te zuste­hen, da der ver­bots­wid­rig für Kon­kur­renz­un­ter­neh­men ver­mit­tel­te Umsatz als Grund­la­ge einer Scha­dens­schät­zung nach § 287 ZPO die­nen kann [5]. Ein Aus­kunfts­an­spruch, der den Gläu­bi­ger in die Lage ver­set­zen soll, die für eine Scha­dens­schät­zung erfor­der­li­chen Anhalts­punk­te für einen ent­gan­ge­nen Gewinn dar­zu­le­gen, darf grund­sätz­lich nicht mit der Begrün­dung ver­neint wer­den, es sei unwahr­schein­lich, dass der Gläu­bi­ger mit Hil­fe der erhal­te­nen Anga­ben ent­gan­ge­ne Umsatz­ge­schäf­te kon­kret dar­le­gen kön­ne [6].

Benen­nung der Ver­si­che­rungs­neh­mer

Bei der Zubil­li­gung eines Aus­kunfts­an­spruchs nach § 242 BGB sind ins­be­son­de­re die bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen [7]. Die Aus­kunfts­pflicht rich­tet sich nach Art und Umfang in Anwen­dung der Grund­sät­ze von § 242 BGB nach den Bedürf­nis­sen des Gläu­bi­gers unter scho­nen­der Rück­sicht­nah­me auf die Belan­ge des Schuld­ners [8]. Ins­be­son­de­re ist zu berück­sich­ti­gen, ob der Schuld­ner ein Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se bezüg­lich der gefor­der­ten Anga­ben gel­tend macht und ob die­ses Inter­es­se schutz­wür­dig ist [9]. Das Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se des Gläu­bi­gers und ein etwa gel­tend gemach­tes schutz­wür­di­ges Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se des Schuld­ners sind gege­be­nen­falls gegen­ein­an­der abzu­wä­gen [10].

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Grund­sät­ze ist auch ein Anspruch auf Nen­nung der Namen und Anschrif­ten der Ver­si­che­rungs­neh­mer bezüg­lich der außer­halb der Spar­ten Kran­ken, Unfall- und Lebens­ver­si­che­rung ver­mit­tel­ten Ver­trä­ge zu ver­nei­nen. Eine Abwä­gung ergibt, dass die Nach­tei­le einer sol­chen Nen­nung für den Beklag­ten deren Vor­tei­le für die Ver­si­che­rung über­wie­gen.

Zur Vor­be­rei­tung des Anspruchs auf Ersatz des der Ver­si­che­rung ent­gan­ge­nen Gewinns sind die Namen und Anschrif­ten der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht unmit­tel­bar erfor­der­lich. Die­se Anga­ben ermög­li­chen für sich genom­men kei­ne Schät­zung des ent­gan­ge­nen Gewinns auf der Grund­la­ge ver­mit­tel­ter Ver­trä­ge. Das von der Revi­si­on ange­führ­te Inter­es­se der Ver­si­che­rung, die Rich­tig­keit einer vom Han­dels­ver­tre­tern erteil­ten Aus­kunft zu über­prü­fen, recht­fer­tigt die Erstre­ckung der Aus­kunft auf die Namen und Anschrif­ten der Ver­si­che­rungs­neh­mer im Streit­fall nicht. Grund­sätz­lich kann sich ein Aus­kunfts­an­spruch aller­dings auch auf Umstän­de erstre­cken, die dem Gläu­bi­ger eine Über­prü­fung der Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit einer Aus­kunft ermög­li­chen [11]. Im Streit­fall über­wiegt indes das schutz­wür­di­ge Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se das Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Ver­si­che­rung an der Nen­nung der Namen und Anschrif­ten der Ver­si­che­rungs­neh­mer. Zu berück­sich­ti­gen ist, dass eine sol­che Nen­nung nicht geeig­net ist, die Voll­stän­dig­keit einer vom Han­dels­ver­tre­tern erteil­ten Aus­kunft über ver­mit­tel­te Ver­trä­ge ver­läss­lich zu bele­gen, da aus der Nen­nung von Namen und Anschrif­ten von Ver­si­che­rungs­neh­mern nicht her­vor­geht, ob wei­te­re Ver­trä­ge ver­mit­telt wur­den. Zu Guns­ten des Han­dels­ver­tre­tern ist als gewich­tig zu berück­sich­ti­gen, dass es sich bei den Namen und Anschrif­ten der Ver­si­che­rungs­neh­mer um Anga­ben han­delt, die wett­be­werb­lich beson­ders sen­si­bel und die zudem auf natür­li­che Per­so­nen bezo­gen sind, deren infor­ma­tio­nel­les Selbst­be­stim­mungs­recht durch eine sol­che Aus­kunft tan­giert wür­de. Zutref­fend hat das Beru­fungs­ge­richt aus­ge­führt, dass auf Sei­ten des Kon­kur­renz­un­ter­neh­mens, der C. Ver­si­che­rung, ein Inter­es­se besteht, dass die Namen und Anschrif­ten der für sie gewor­be­nen Kun­den der Ver­si­che­rung nicht bekannt wer­den, und dass der Han­dels­ver­tre­ter als Ver­triebs­lei­ter die­ses Inter­es­se, soweit mög­lich, zu wah­ren hat.

Ent­spre­chen­des gilt für die Namen und Anschrif­ten der für die Kon­kur­renz­ver­si­che­rung gewor­be­nen Ver­si­che­rungs­neh­mer. Es kann dahin­ste­hen, ob das Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se des Han­dels­ver­tre­tern an den Namen und Anschrif­ten der Ver­si­che­rungs­neh­mer unbe­scha­det ihres Rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung weni­ger oder gar nicht schutz­wür­dig wäre, wenn die Kon­kur­renz­ver­si­che­rung oder deren Part­ner­un­ter­neh­men an der Ver­let­zung des Wett­be­werbs­ver­bots vor­sätz­lich mit­ge­wirkt hät­ten. Ange­sichts des begrenz­ten Werts, den eine Nen­nung der Namen und Anschrif­ten der betref­fen­den Ver­si­che­rungs­neh­mer für die Schät­zung des der Ver­si­che­rung ent­gan­ge­nen Gewinns hat, ist dem vor­ste­hend erör­ter­ten Aus­kunfts­be­geh­ren auch nicht mit der von der Ver­si­che­rung in ihren Antrag auf­ge­nom­me­nen Ein­schrän­kung eines Wirt­schafts­prü­fer­vor­be­halts statt­zu­ge­ben.

Soweit dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 3. April 1996 [12] bezüg­lich der Nen­nung von Kun­den­na­men beim Anspruch des Unter­neh­mers auf Aus­kunft zur Vor­be­rei­tung eines Anspruchs auf Ersatz ent­gan­ge­nen Gewinns etwas Abwei­chen­des ent­nom­men wer­den könn­te, hält der Bun­des­ge­richts­hof dar­an nicht fest.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2013 – VII ZR 227/​12

  1. Anschluss an BGH, Urteil vom 03.04.1996 – VIII ZR 3/​95, NJW 1996, 2097, 2098[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 06.02.2007 – X ZR 117/​04, NJW 2007, 1806 Rn. 13 m.w.N. – Meist­be­güns­ti­gungs­ver­ein­ba­rung[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 01.08.2013 – VII ZR 268/​11, juris Rn.20; Beschluss vom 11.02.2008 – II ZR 277/​06, Beck­RS 2008, 04552 Rn. 7[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 03.04.1996 – VIII ZR 3/​95, NJW 1996, 2097, 2098; Urteil vom 24.06.2009 – VIII ZR 332/​07, NJW-RR 2009, 1404 Rn. 14; Urteil vom 21.03.2013 – VII ZR 224/​12, NJW 2013, 2111 Rn. 26[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 03.04.1996 – VIII ZR 3/​95, NJW 1996, 2097, 2098; Urteil vom 23.01.1964 – VII ZR 133/​62, NJW 1964, 817; Baumbach/​Hopt, HGB, 35. Aufl., § 86 Rn. 32[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 06.02.2007 – X ZR 117/​04, NJW 2007, 1806 Rn. 15[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 17.05.2001 – I ZR 291/​98, BGHZ 148, 26, 32 – Ent­fer­nung der Her­stel­lungs­num­mer II[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 19.03.1987 – I ZR 98/​85, NJW-RR 1987, 1521 – Brief­ent­wür­fe[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 06.02.2007 – X ZR 117/​04, NJW 2007, 1806 Rn. 18[]
  10. vgl. BGH, Urteil vom 11.04.1989 – X ZR 26/​87, BGHZ 107, 161, 167 – Offe­nend-Spinn­ma­schi­ne[]
  11. vgl. BGH, Urteil vom 07.12.1979 – I ZR 157/​77, GRUR 1980, 227, 233 – Monu­men­ta Ger­ma­niae His­to­ri­ca; vgl. fer­ner BGH, Urteil vom 17.05.2001 – I ZR 291/​98, BGHZ 148, 26, 37 – Ent­fer­nung der Her­stel­lungs­num­mer II[]
  12. BGH, Urteil vom 03.04.1996 – VIII ZR 3/​95, NJW 1996, 2097[]