Bad Banks

Das Bun­des­ka­bi­nett hat in sei­ner Mitt­woch­sit­zung den Ent­wurf für ein "Gesetz zur Fort­ent­wick­lung der Finanz­markt­sta­bi­li­sie­rung" sowie Eck­punk­te für ein Kon­so­li­die­rungs­bank-Modell beschlos­sen und damit das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Die im Gesetz­ent­wurf vor­ge­se­he­nen Rege­lun­gen sol­len noch in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode in Kraft tre­ten. Mit den geplan­ten Gesetz ergänzt die Bun­des­re­gie­rung ihre bis­he­ri­ge Gesetz­ge­bung zur Sta­bi­li­sie­rung der Finanz­märk­te um ein wei­te­res Ele­ment. Eine Erwei­te­rung des bestehen­den Garan­tie­rah­mens des SoFFin ist aber nicht vor­ge­se­hen.

Bad Banks

Die vor­ge­se­he­nen gesetz­li­chen Rege­lun­gen geben den Finanz­in­sti­tu­ten die Mög­lich­keit, struk­tu­rier­te Wert­pa­pie­re mit unsi­che­rer Wert­ent­wick­lung („toxi­sche Wert­pa­pie­re“) aus den Bank­bi­lan­zen aus­zu­la­gern – ohne die lang­fris­ti­gen Risi­ken hier­für an den Bund bzw. die Steu­er­zah­ler wei­ter zu rei­chen. Viel­mehr ent­las­tet das vor­ge­schla­ge­ne Modell die Ban­ken ledig­lich dadurch, dass die Ban­ken ihre durch toxi­sche Wert­pa­pie­re ver­ur­sach­ten bilan­zi­el­len Risi­ken auf der Zeit­ach­se stre­cken kön­nen.

Kon­kret ent­hält der Regie­rungs­ent­wurf fol­gen­de zen­tra­le Ele­men­te:

  • Finanz­hol­ding-Gesell­schaf­ten, Kre­dit­in­sti­tu­te und deren Toch­ter­un­ter­neh­men kön­nen jeweils insti­tuts­spe­zi­fi­sche Zweck­ge­sell­schaf­ten grün­den, denen sie ihre struk­tu­rier­ten Wert­pa­pie­re über­tra­gen. Die Zweckge­sellschaft benö­tigt kei­ne Bank­li­zenz.
  • Die Über­tra­gung der Wert­pa­pie­re auf die Zweck­ge­sell­schaft erfolgt um einen Abschlag von 10% auf den Wert, mit dem die Papie­re augen­blick­lich in den Bank­bi­lan­zen erfasst sind ("Buch­wert"). Im Gegen­zug erhält das Finanz­in­sti­tut von der Zweck­ge­sell­schaft her­aus­ge­ge­be­ne und von der Son­der­an­stalt für Finanz­markt­sta­bi­li­tät (SoFFin) garan­tier­te Schuld­ver­schrei­bun­gen in Höhe des Über­tra­gungs­wer­tes der Wert­pa­pie­re.
  • Durch den Tausch toxi­sche Wert­pa­pie­re gegen garan­tier­te Schuld­ver­schrei­bun­gen steigt bei der Spiel­raum der Ban­ken für die Kre­dit­ver­ga­be: Die garan­tier­ten Schuld­ver­schrei­bun­gen müs­sen nicht durch Eigen­ka­pi­tal abge­si­chert wer­den. Zudem kön­nen die Ban­ken die­se bei der Bun­des­bank ein­rei­chen, um zusätz­li­che Liqui­di­tät für die Ver­ga­be von Kre­di­ten zu gewin­nen.
  • Die Garan­tie des SoFFIn gibt es nicht zum Null­ta­rif, son­dern das Kre­dit­in­sti­tut zahlt dem SoFFin eine Garan­tie­ge­bühr in markt­ge­rech­ter Höhe. Zudem zahlt das Kre­dit­in­sti­tut der Zweck­ge­sell­schaft über die Lauf­zeit von 20 Jah­ren einen Aus­gleichs­be­trag, der die Dif­fe­renz zwi­schen 90 Pro­zent des Buch werts und dem geschätz­ten Wert bei Fäl­lig­keit der Wert­pa­pie­re („Fun­da­men­tal­wert“) ergibt.
  • Ein evtl. Über­schuss bei Auf­lö­sung der Zweck­ge­sell­schaft wird an die Anteils­eig­ner aus­ge­kehrt. Bei einem evtl. Defi­zit greift eine rechts­form­neu­tral aus­ge­stal­te­te Aus­schüt­tungs­sper­re: Aus­schüt­tun­gen flie­ßen zunächst an den SoFFin bis das Defi­zit aus­ge­gli­chen ist.

Ergän­zend zu die­sem Modell hat das Bun­des­ka­bi­nett Eck­punk­te zu einem Kon­so­li­die­rungs­ban­ken-Modell beschlos­sen. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen wird in den Eck­punk­ten gebe­ten, gemein­sam mit dem Bun­des­kanz­ler­amt, dem Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um und dem Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um unter Mit­wir­kung der Deut­schen Bun­des­bank und des SoFFin den geplan­ten Gesetz­ent­wurf kurz­fris­tig durch einen eigen­stän­di­gen Rege­lungs­kom­plex zu ergän­zen, der die Aus­la­ge­rung wei­te­rer Risi­ko­po­si­tio­nen sowie Geschäfts­fel­der durch Kre­dit­in­sti­tu­te ermög­licht.