Bahn­ver­spä­tung – und die Infor­ma­ti­on auf dem Bahn­hof

Bahn­hö­fe und Hal­te­punk­te sind mit Ein­rich­tun­gen zur Infor­ma­ti­on über Ver­spä­tun­gen aus­zu­stat­ten

Bahn­ver­spä­tung – und die Infor­ma­ti­on auf dem Bahn­hof

Wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen hat, durf­te das Eisen­bahn-Bun­des­amt die DB Sta­ti­on & Ser­vice AG ver­pflich­ten, ihre Bahn­hö­fe und Hal­te­punk­te mit dyna­mi­schen Schrift­an­zei­gern aus­zu­stat­ten.

Die DB Sta­ti­on & Ser­vice AG betreibt etwa 5500 Bahn­hö­fe und Hal­te­punk­te in Deutsch­land. Das Eisen­bahn-Bun­des­amt stell­te im Jahr 2010 fest, dass nicht alle Bahn­hö­fe und Hal­te­punk­te mit Ein­rich­tun­gen ver­se­hen waren, durch wel­che Fahr­gäs­te über Ver­spä­tun­gen oder Aus­fäl­le von Zügen infor­miert wer­den kön­nen. Es ver­pflich­te­te die DB Sta­ti­on & Ser­vice AG, alle Bahn­hö­fe und Hal­te­punk­te mit Dyna­mi­schen Schrift­an­zei­gern aus­zu­stat­ten, und zwar zeit­lich gestaf­felt nach der Grö­ße der Sta­tio­nen gemes­sen an der Zahl der Rei­sen­den. Dyna­mi­sche Schrift­an­zei­ger wer­den über einen Groß­rech­ner gesteu­ert und zei­gen Infor­ma­tio­nen über Abwei­chun­gen vom Fahr­plan, ins­be­son­de­re Zug­ver­spä­tun­gen und Zug­aus­fäl­le, an. Die Ver­pflich­tung gilt nicht, wenn die DB Sta­ti­on & Ser­vice AG durch ande­re gleich geeig­ne­te tech­ni­sche Mit­tel, bei­spiels­wei­se eine funk­ti­ons­tüch­ti­ge Laut­spre­cher­an­la­ge, oder ande­re orga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men, bei­spiels­wei­se ört­li­ches Per­so­nal, sicher­stellt, dass Rei­sen­de aktiv über Ver­spä­tun­gen oder den Aus­fall von Zügen unter­rich­tet wer­den kön­nen, sobald die­se Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung ste­hen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat die gegen die­se Ver­pflich­tung erho­be­ne Kla­ge abge­wie­sen 1, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter die Beru­fung der DB Sta­ti­on & Ser­vice AG zurück­ge­wie­sen 2. Und das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­si­on der DB Sta­ti­on & Ser­vice AG zurück­ge­wie­sen:

Nach der Ver­ord­nung der Euro­päi­schen Uni­on über die Rech­te und Pflich­ten der Fahr­gäs­te im Eisen­bahn­ver­kehr (Fahr­gast­rech­te-Ver­ord­nung) sind die Fahr­gäs­te bei einer Ver­spä­tung bei der Abfahrt oder der Ankunft durch das Eisen­bahn­un­ter­neh­men oder durch den Bahn­hofs­be­trei­ber über die Situa­ti­on und die geschätz­te Abfahrts- und Ankunfts­zeit zu unter­rich­ten, sobald die­se Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung ste­hen.

Die Fahr­gast­rech­te-Ver­ord­nung ver­langt eine „akti­ve“ Unter­rich­tung der Fahr­gäs­te durch den Betrei­ber des Bahn­hofs. Er muss die Fahr­gäs­te unauf­ge­for­dert über Ver­spä­tun­gen infor­mie­ren, sobald ihm die Infor­ma­tio­nen vor­lie­gen.

Es genügt hin­ge­gen nicht, wie die DB Sta­ti­on & Ser­vice AG meint, wenn er die Infor­ma­tio­nen auf Nach­fra­ge des Fahr­gas­tes wei­ter­gibt und eine sol­che Nach­fra­ge dadurch ermög­licht, dass er an dem Bahn­hof oder Hal­te­punkt auf eine Tele­fon­num­mer hin­weist, unter der Infor­ma­tio­nen abge­fragt wer­den kön­nen.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der DB Sta­ti­on & Ser­vice AG besteht die Pflicht zur akti­ven Unter­rich­tung der Fahr­gäs­te nicht nur dort, wo die tech­ni­schen oder organisatorischen/​personellen Vor­aus­set­zun­gen hier­für bereits vor­lie­gen. Die Pflicht zur akti­ven Infor­ma­ti­on der Fahr­gäs­te ver­langt viel­mehr auch, dass der Betrei­ber des Bahn­hofs die Vor­aus­set­zun­gen für eine als­bal­di­ge Wei­ter­ga­be der ihm vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen an die Fahr­gäs­te schafft.

Von die­ser durch die Fahr­gast­rech­te-Ver­ord­nung begrün­de­ten Pflicht kann ein Mit­glied­staat zeit­lich begrenz­te Aus­nah­men gewäh­ren. Der Bun­des­ge­setz­ge­ber hat von die­ser Mög­lich­keit kei­nen Gebrauch gemacht und die Ver­pflich­tung etwa auch nicht für wenig fre­quen­tier­te Hal­te­punk­te aus­ge­setzt, bei denen die Aus­stat­tung mit Dyna­mi­schen Schrift­an­zei­gern auf­grund der ört­li­chen Ver­hält­nis­se mit höhe­ren als den gewöhn­li­chen Kos­ten ver­bun­den ist.

Abge­se­hen davon hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt man­gels eines inso­weit sub­stan­ti­ier­ten Vor­trags der DB Sta­ti­on & Ser­vice AG nicht fest­stel­len kön­nen, dass die Aus­stat­tung der 300 Bahn­hö­fe und Hal­te­punk­te, um die es nach ihren Anga­ben im Beru­fungs­ver­fah­ren noch ging, mit Dyna­mi­schen Schrift­an­zei­gern für die DB Sta­ti­on & Ser­vice AG mit einem unzu­mut­ba­ren Auf­wand ver­bun­den und die aus­ge­spro­che­ne Ver­pflich­tung des­halb unver­hält­nis­mä­ßig wäre.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 9. Sep­tem­ber 2015 – 6 C 28.2014

  1. VG Köln, Urteil vom 18.01.2013 – 18 K 4907/​11[]
  2. OVG NRW, urteil vom 16.05.2014 – 16 A 494/​13[]