Baye­ri­sches Bier vor dem EuGH

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten Fra­gen zum Umfang des Schut­zes einer durch eine Ver­ord­nung der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten geschütz­ten geo­gra­phi­schen Anga­be gegen­über einer inter­na­tio­nal regis­trier­ten Mar­ke vor­ge­legt.

Baye­ri­sches Bier vor dem EuGH

Der Klä­ger, der Baye­ri­sche Brau­er­bund e.V., ist der Dach­ver­band der Baye­ri­schen Brau­wirt­schaft. Zu sei­nen sat­zungs­ge­mä­ßen Auf­ga­ben gehört es, gegen die unlau­te­re Ver­wen­dung der Anga­be “Baye­ri­sches Bier” vor­zu­ge­hen. Die­se Bezeich­nung ist im Jah­re 2001 auf­grund eines Anfang 1994 gestell­ten Antrags der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in einem soge­nann­ten ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren nach Art. 17 der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 2081/​92 als geschütz­te geo­gra­phi­sche Anga­be in das bei der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on geführ­te Regis­ter ein­ge­tra­gen wor­den.

Die Beklag­te ist eine nie­der­län­di­sche Braue­rei. Sie ist Inha­be­rin einer inter­na­tio­nal regis­trier­ten Mar­ke mit den Wort­be­stand­tei­len “BAVARIA HOLLAND BEER”, die in Deutsch­land mit Zeitrang vom 28. April 1995 Schutz für die Ware “Bier” genießt.

Der Klä­ger hat die Beklag­te wegen Ver­let­zung der geschütz­ten geo­gra­phi­schen Anga­be “Baye­ri­sches Bier” auf Ein­wil­li­gung in die Ent­zie­hung des Schut­zes der IRMar­ke für Deutsch­land in Anspruch genom­men.

Zwi­schen den Par­tei­en ist umstrit­ten, ob die Ver­ord­nung, mit der der Schutz der Bezeich­nung “Baye­ri­sches Bier” begrün­det wor­den ist, wirk­sam ist. Die Fra­ge der Wirk­sam­keit die­ser Ver­ord­nung ist bereits Gegen­stand eines an den EuGH gerich­te­ten Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens eines ita­lie­ni­schen Gerichts in einem zwi­schen den Par­tei­en in Ita­li­en geführ­ten Pro­zess.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun dem EuGH wei­te­re Fra­gen zum Schutz einer im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren ein­ge­tra­ge­nen geo­gra­phi­schen Anga­be gegen­über einer Mar­ke vor­ge­legt. Das euro­päi­sche Recht gibt einer ein­ge­tra­ge­nen geo­gra­phi­schen Anga­be einen weit­rei­chen­den Schutz gegen­über prio­ri­täts­jün­ge­ren Mar­ken, auch wenn es sich nur um eine Anspie­lung auf die geschütz­te Bezeich­nung oder um eine Über­set­zung han­delt. Der Vor­rang der älte­ren geo­gra­phi­schen Anga­be gegen­über der jün­ge­ren Mar­ke gilt selbst dann, wenn – wie bei der Mar­ke der Beklag­ten (”BAVARIA HOLLAND BEER”) – die tat­säch­li­che Her­kunft ange­ge­ben ist und daher mit der Mar­ke kei­ne Täu­schung über die geo­gra­phi­sche Her­kunft des Pro­dukts ver­bun­den ist.

Die vom Bun­des­ge­richts­hof gestell­ten Fra­gen bezie­hen sich vor allem auf den Zeitrang, der der geschütz­ten geo­gra­phi­schen Anga­be zukommt. Frag­lich ist ins­be­son­de­re, ob als Zeitrang der Zeit­punkt der Ein­rei­chung des Antrags durch den betref­fen­den Mit­glied­staat maß­geb­lich sein kann, wenn – wie im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren – nicht der Antrag, son­dern erst die Ein­tra­gung ver­öf­fent­licht wird.

Eine zwei­te Fra­ge betrifft den Fall, dass die Ver­ord­nung, mit der die Bezeich­nung “Baye­ri­sches Bier” in das Regis­ter der geschütz­ten geo­gra­phi­schen Anga­ben ein­ge­tra­gen wor­den ist, unwirk­sam ist. In die­sem Fall stellt sich die Fra­ge, ob die Klä­ge­rin einen ent­spre­chen­den Schutz aus dem natio­na­len Recht in Anspruch neh­men kann. In der Lite­ra­tur ist umstrit­ten, ob auf natio­na­le Vor­schrif­ten zum Schutz geo­gra­phi­scher Her­kunfts­an­ga­ben zurück­ge­grif­fen wer­den kann, wenn die Bezeich­nung die Vor­aus­set­zun­gen für einen Schutz nach den ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaft erfüllt, eine wirk­sa­me Ein­tra­gung in das Regis­ter der Kom­mis­si­on aber nicht erfolgt ist. Der Bun­des­ge­richts­hof hat daher dem EuGH auch die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis der natio­na­len Vor­schrif­ten zum Schutz geo­gra­phi­scher Her­kunfts­an­ga­ben zum Schutz­sys­tem der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten vor­ge­legt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Febru­ar 2008 – I ZR 69/​04