Befrei­ung von der Kanz­lei­pflicht – kei­ne Flucht vor den Gläu­bi­gern

Gemäß § 27 Abs. 1 BRAO muss der Rechts­an­walt im Bezirk der Rechts­an­walts­kam­mer, deren Mit­glied er ist, eine Kanz­lei ein­rich­ten und unter­hal­ten. Die Rechts­an­walts­kam­mer befreit einen Rechts­an­walt, der sei­ne Kanz­lei aus­schließ­lich in ande­ren Staa­ten ein­rich­tet, von der Pflicht des § 27 Abs. 1 BRAO, sofern nicht über­wie­gen­de Inter­es­sen der Rechts­pfle­ge ent­ge­gen­ste­hen.

Befrei­ung von der Kanz­lei­pflicht – kei­ne Flucht vor den Gläu­bi­gern

Die Auf­fas­sung, dass der Rechts­an­walt in einem sol­chen Fall aus­schließ­lich im Aus­land, nicht auch im Inland tätig wer­den darf, fin­det im Gesetz kei­ne Stüt­ze. Auch der Rechts­an­walt, der nach § 29a Abs. 2 Satz 1 BRAO von der Pflicht befreit wor­den ist, eine Kanz­lei im Inland ein­zu­rich­ten, kann und darf im Inland als Rechts­an­walt tätig wer­den.

Aller­dings ste­hen über­wie­gen­de Inter­es­sen der Recht­su­chen­den einer Befrei­ung ent­ge­gen, wenn die Auf­ga­be der Kanz­lei im Inland die Ver­fol­gung einer schwer­wie­gen­den Pflicht­ver­let­zung oder die Durch­set­zung von Ansprü­chen gegen den Rechts­an­walt erheb­lich behin­dern wür­de 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Okto­ber 2012 – AnwZ (Brfg) 42/​12

  1. BT-Drucks. 11/​3253, S. 22[]