Samstags bis 24:00 Uhr geöffnet!

Die Beschäftigung von Arbeitnehmern an Sonn- und Feiertagen nach einem werktäglichem Ladenschluss um 24.00 Uhr ist unzulässig. Das Bundesverwaltungsgericht hat jetzt klargestellt, dass es gegen Verfassungsrecht verstößt, wenn Arbeitnehmer an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden, um nach Ladenschluss am vorausgegangenen Werktag um 24.00 Uhr noch anwesende Kunden zu bedienen oder Abwicklungsarbeiten vorzunehmen.

Samstags bis 24:00 Uhr geöffnet!

In dem jetzt vom Bundesverwaltungsgericht entschiedenen Fall war der Klägerin, einer Supermarkt-Handelskette; vom beklagten Land Berlin aufgegeben worden, die Öffnungszeiten an Samstagen und vor Wochenfeiertagen so zu gestalten, dass nach 24.00 Uhr keine Arbeitnehmer zur Bedienung von Kunden oder zur Erledigung von Abwicklungsarbeiten beschäftigt werden müssen. Die Handelskette hat daraufhin die gerichtliche Feststellung begehrt, hierzu nicht verpflichtet zu sein.

Das Verwaltungsgericht Berlin hat die Feststellungsklage abgewiesen1. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat die hiergegen gerichtete Berufung der Handelskette zurückgewiesen2. Das Berliner Ladenöffnungsgesetz sei nach den Vorgaben des Grundgesetzes einschränkend so auszulegen, dass die fehlende Begrenzung der Ladenöffnung an Werktagen den Arbeitgebern nicht das Recht gebe, an den darauf folgenden Sonn- oder Feiertagen nach 0.00 Uhr Arbeitnehmer zur Bedienung noch anwesender Kunden oder zur Vornahme von Abschlussarbeiten zu beschäftigen. Das Bundesverwaltungsgericht hat jetzt diese Auffassung bestätigt und die Beschwerde der Handelskette gegen die Nichtzulassung der Revision zurückgewiesen:

Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist der Schutz der Sonn- und Feiertagsruhe nach Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 WRV gesetzlich so auszugestalten, dass an diesen Tagen grundsätzlich die Verrichtung abhängiger Arbeit ruht. Es muss als Regel gelten, dass die Sonn- und Feiertage Tage der Arbeitsruhe sind. Ausnahmen sind nur zur Wahrung höher- oder gleichwertiger Rechtsgüter möglich. Dazu zählen nicht das Umsatzinteresse der Ladeninhaber und das alltägliche Erwerbsinteresse („Shopping-Interesse“) potenzieller Käufer. Danach dürfen Arbeitnehmer nicht regelmäßig an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden, um es Ladeninhabern und Kunden zu ermöglichen, die gesetzlich zugelassene Ladenöffnung an Samstagen und vor Wochenfeiertagen bis 24.00 Uhr voll auszuschöpfen.

Weiterlesen:
"Marktführer Sport"

Bundesverwaltungsgericht, Beschluss vom 4. Dezember 2014 – 8 B 66.2014 –

  1. VG Berlin, Urteil vom 30.11.2011 – 35 K 388.09[]
  2. OVG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 03.04.2014 – 1 B 1.12[]