Bewer­tungs­por­ta­le – und der Daten­schutz

Das Inter­net­por­tal "www.fahrerbewertung.de" ist nach Ansicht des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len in sei­ner der­zei­ti­gen Aus­ge­stal­tung daten­schutz­recht­lich unzu­läs­sig. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter hat damit Anord­nun­gen der NRW-Lan­des­be­auf­trag­ten für Daten­schutz und Infor­ma­ti­ons­frei­heit zur Umge­stal­tung der Platt­form bestä­tigt.

Bewer­tungs­por­ta­le – und der Daten­schutz

Auf dem Online-Por­tal kann das Fahr­ver­hal­ten von Verkehrsteil­nehmern und ‑teil­neh­me­rin­nen unter Anga­be des Kfz-Kenn­zei­chens im Wesent­li­chen anhand eines Ampel­sche­mas (grün = posi­tiv, gelb = neu­tral, rot = nega­tiv) bewer­tet wer­den. Die abge­ge­be­nen Bewer­tun­gen kön­nen von jeder­mann ohne Regist­rierung ein­ge­se­hen wer­den. Die Lan­des­be­auf­trag­te für Daten­schutz sieht dar­in einen Ver­stoß gegen das Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz. Sie gab der Port­al­be­trei­be­rin unter ande­rem auf, die Platt­form so umzu­ge­stal­ten, dass nur noch der jewei­li­ge Hal­ter oder die jewei­li­ge Hal­te­rin eines Fahr­zeugs die dafür abge­gebenen Bewer­tun­gen ein­se­hen kann und sich zu die­sem Zweck zuvor regis­trie­ren muss.

Die dage­gen erho­be­ne Kla­ge hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt abge­wie­sen. Die Beru­fung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nun zurück­ge­wie­sen:

Das Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz sei vor­lie­gend anwend­bar, ins­be­son­de­re han­de­le es sich bei den zu bestimm­ten Kfz-Kenn­zei­chen abge­ge­be­nen Bewer­tun­gen um per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten. Im Rah­men der vor­zu­neh­men­den Abwä­gung über­wie­ge das infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mungs­recht der betrof­fe­nen Kraft­fahr­zeug­hal­ter und ‑hal­te­rin­nen ge­genüber den Inter­es­sen der Port­al­be­trei­be­rin sowie der Nut­zer und Nut­ze­rin­nen des Por­tals, weil eine voll­stän­dig anony­me Bewer­tung von in der Regel pri­vat moti­vier­tem Verhal­ten für eine unbe­grenz­te Öffent­lich­keit ein­seh­bar sei.

Dem stün­den kei­ne gewichti­gen Inter­es­sen der Port­al­be­trei­be­rin und der Por­tal­nut­zer und ‑nut­ze­rin­nen ent­ge­gen. Insbe­sondere das Ziel, die Fah­rer zur Selbst­re­fle­xi­on anzu­hal­ten, kön­ne auch unter Gel­tung der Anord­nun­gen erreicht wer­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein ‑West­fa­len, Urteil vom 19. Okto­ber 2017 – 13 K 6093/​15