Boden­kon­ta­mi­na­tio­nen in der Leis­tung­be­schrei­bung öffent­li­cher Auf­trag­ge­ber

Der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber hat in der Leis­tungs­be­schrei­bung eine Schad­stoff­be-astung aus­zu­he­ben­den und zu ent­fer­nen­den Bodens nach den Erfor­der­nis­sen des Ein­zel­falls anzu­ge­ben. Sind erfor­der­li­che Anga­ben zu Boden­kon­ta­mi­na­tio­nen nicht vor­han­den, kann der Bie­ter dar­aus den Schluss zie­hen, dass ein schad­stoff­frei­er Boden aus­zu­he­ben und zu ent­fer­nen ist 1.

Boden­kon­ta­mi­na­tio­nen in der Leis­tung­be­schrei­bung öffent­li­cher Auf­trag­ge­ber

Ein Bie­ter darf die Leis­tungs­be­schrei­bung einer öffent­li­chen Aus­schrei­bung nach der VOB/​A im Zwei­fels­fall so ver­ste­hen, dass der Auf­trag­ge­ber den Anfor­de­run­gen der VOB/​A an die Aus­schrei­bung ent­spre­chen will 2.

Danach sind die für die Aus­füh­rung der Leis­tung wesent­li­chen Ver­hält­nis­se der Bau­stel­le, wie z.B. Boden­ver­hält­nis­se, so zu beschrei­ben, dass der Bewer­ber ihre Aus­wir­kun­gen auf die bau­li­che Anla­ge und die Bau­aus­füh­rung hin­rei­chend beur­tei­len kann. Die "Hin­wei­se für das Auf­stel­len der Leis­tungs­be­schrei­bung" in Abschnitt 0 der All­ge­mei­nen Tech­ni­schen Ver­trags­be­din­gun­gen für Bau­leis­tun­gen, DIN 18299 ff., sind zu beach­ten, § 9 Nr. 1 bis 3 VOB/​A a.F. 3. Sowohl nach DIN 18299 [Aus­ga­be 2000] Abschnitt 0.01.18 4 als auch nach DIN 18300 [Aus­ga­be 2000 und Aus­ga­be 2006] Abschnitt 0.02.3 ist in der Leis­tungs­be­schrei­bung eine Schad­stoff­be­las­tung nach den Erfor­der­nis­sen des Ein­zel­falls anzu­ge­ben 5.

Die aus­drück­li­che Anga­be einer Boden­kon­ta­mi­na­ti­on ist aller­dings nicht in jedem Fall zwin­gend; sie kann unter­blei­ben, wenn sich aus den gesam­ten Ver­trags­um­stän­den klar ergibt, dass eine der­ar­ti­ge Kon­ta­mi­na­ti­on vor­liegt 5. Denn in sol­chen Fäl­len ist den in § 9 VOB/​A a.F. zum Schutz des Bie­ters ent­hal­te­nen Aus­schrei­bungs­grund­sät­zen Genü­ge getan, weil die­ser auch ohne Anga­ben in der Aus­schrei­bung eine aus­rei­chen­de Kal­ku­la­ti­ons­grund­la­ge hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. März 2013 – VII ZR 122/​11

  1. Anschluss an BGH, Urteil vom 22.12.2011 – VII ZR 67/​11, BGHZ 192, 172[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 22.12.2011 – VII ZR 67/​11, BGHZ 192, 172 Rn. 15; Urteil vom 11.03.1999 – VII ZR 179/​98, BauR 1999, 897, 898 = ZfBR 1999, 256; Urteil vom 09.01.1997 – VII ZR 259/​95, BGHZ 134, 245, 248; Urteil vom 11.11.1993 – VII ZR 47/​93, BGHZ 124, 64, 68[]
  3. BGH, Urteil vom 22.12.2011 – VII ZR 67/​11, BGHZ 192, 172 Rn. 15[]
  4. eben­so DIN 18299 [Aus­ga­be 2006] Abschnitt 0.01.20[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 22.12.2011 – VII ZR 67/​11, BGHZ 192, 172 Rn. 22[][]