Bös­gläu­bi­ge Mar­ken­an­mel­dung und rechts­er­hal­ten­de Benut­zung

Die Löschungs­an­sprü­che wegen bös­gläu­bi­ger Mar­ken­an­mel­dung und wegen Ver­falls man­gels rechts­er­hal­ten­der Benut­zung sind unter­schied­li­che Streit­ge­gen­stän­de.

Bös­gläu­bi­ge Mar­ken­an­mel­dung und rechts­er­hal­ten­de Benut­zung

Will die in ers­ter Instanz mit dem Löschungs­grund der bös­gläu­bi­gen Mar­ken­an­mel­dung erfolg­rei­che Par­tei die Kla­ge in der Beru­fungs­in­stanz (auch) auf einen Ver­fall der Mar­ke wegen feh­len­der rechts­er­hal­ten­der Benut­zung stüt­zen, muss sie sich dem Rechts­mit­tel der Gegen­sei­te anschlie­ßen.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wird der Streit­ge­gen­stand (der pro­zes­sua­le Anspruch) durch den Kla­ge­an­trag, in dem sich die vom Klä­ger in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge kon­kre­ti­siert, und den Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund) bestimmt, aus dem der Klä­ger die begehr­te Rechts­fol­ge her­lei­tet 1.

Bei den Löschungs­an­sprü­chen wegen bös­gläu­bi­ger Mar­ken­an­mel­dung nach §§ 3, 4 Nr. 10, § 8 Abs. 1 UWG, § 826 BGB 2 auf der einen und wegen Ver­falls man­gels rechts­er­hal­ten­der Benut­zung auf der ande­ren Sei­te han­delt es sich um zwei ver­schie­de­ne Streit­ge­gen­stän­de. Dies ist sowohl für das Ver­hält­nis der ver­schie­de­nen Ver­falls­grün­de nach § 49 Mar­kenG zuein­an­der als auch im Ver­hält­nis zum Löschungs­grund des Bestehens älte­rer Rech­te nach § 51 Mar­kenG aner­kannt 3. Nichts ande­res gilt für das Ver­hält­nis des außer­kenn­zei­chen­recht­li­chen Löschungs­grun­des wegen bös­gläu­bi­ger Mar­ken­an­mel­dung zum Löschungs­grund wegen Ver­falls auf­grund man­geln­der rechts­er­hal­ten­der Benut­zung.

Im hier ent­schie­de­nen Rechts­streit hat im erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren die Beklag­te den im Wege der Wider­kla­ge ver­folg­ten Löschungs­an­spruch gegen die ange­grif­fe­ne Mar­ke aus­schließ­lich aus dem außer­kenn­zei­chen­recht­li­chen Löschungs­grund der bös­gläu­bi­gen Mar­ken­an­mel­dung her­ge­lei­tet. In der Beru­fungs­in­stanz hat die Beklag­te den von ihr ver­folg­ten Löschungs­an­spruch zusätz­lich auf den Löschungs­grund des Ver­falls wegen man­geln­der Benut­zung der Mar­ke Nr. 303 48 717 „METRO“ gestützt. Dadurch hat die Beklag­te einen wei­te­ren Streit­ge­gen­stand (pro­zes­sua­len Anspruch) in den Rechts­streit ein­ge­führt.

Einen neu­en Kla­ge­grund konn­te die Beklag­te in der Beru­fungs­in­stanz nur im Wege eines Anschluss­rechts­mit­tels in den Rechts­streit ein­füh­ren. Der Beru­fungs­be­klag­te, der die in ers­ter Instanz erfolg­rei­che Kla­ge erwei­tern oder auf einen neu­en Kla­ge­grund stel­len will, muss sich gemäß § 524 ZPO der Beru­fung der Gegen­sei­te anschlie­ßen 4. Von der Not­wen­dig­keit, Anschluss­be­ru­fung ein­zu­le­gen, ist auch dann aus­zu­ge­hen, wenn die Ein­füh­rung eines neu­en Kla­ge­grun­des eine Ände­rung des Sach­an­trags nicht erfor­der­lich macht 5. Der Beru­fungs­be­klag­te, der im Beru­fungs­rechts­zug sei­ne Kla­ge auf einen ande­ren Kla­ge­grund stützt, will damit mehr errei­chen als die blo­ße Bestä­ti­gung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung über den mit der (Wider-)Klage ver­folg­ten Anspruch 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Juni 2011 – I ZR 41/​10 [Wer­be­ge­schen­ke]

  1. vgl. BGH, Urteil vom 03.04.2003 – I ZR 1/​01, BGHZ 154, 342, 347 f. – Rei­ni­gungs­ar­bei­ten; Beschluss vom 24.03.2011 I ZR 108/​09, GRUR 2011, 521 Rn. 3 = WRP 2011, 878 – TÜV I[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 10.08.2000 – I ZR 283/​97, GRUR 2000, 1032, 1034 = WRP 2000, 1293 EQUI 2000; Urteil vom 10.01.2008 – I ZR 38/​05, GRUR 2008, 621 Rn.20 f. = WRP 2008, 785 – AKADEMIKS[]
  3. vgl. v. Gamm in Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Rechts­schutz, Urhe­ber­recht, Medi­en­recht, 2. Aufl., § 55 Mar­kenG Rn. 4; Ingerl/​Rohnke, Mar­ken­ge­setz, 3. Aufl., § 55 Rn. 11; Hacker in Ströbele/​Hacker, Mar­ken­ge­setz, 9. Aufl., § 55 Rn. 10[]
  4. vgl. BGH, Gro­ßer Bun­des­ge­richts­hof für Zivil­sa­chen, Beschluss vom 17.12.1951 – GSZ 2/​51, BGHZ 4, 229, 234; BGH, Urteil vom 20.01.2011 – I ZR 10/​09, GRUR 2011, 831 Rn. 40 = WRP 2011, 1174 – BCC; Zöller/​Heßler, ZPO, 28. Aufl., § 524 Rn. 33; Wieczorek/​Schütze/​Gerken, ZPO, 3. Aufl., § 524 Rn. 7[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 07.12.2006 – I ZR 166/​03, GRUR 2007, 605 Rn. 24 = WRP 2007, 772 – Umsatz­zu­wachs[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 07.12.2007 V ZR 210/​06, NJW 2008, 1953 Rn. 15[]