BOTOX und die Wert­schät­zung des Alters

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat die Ent­schei­dun­gen des Har­mo­ni­sie­rungs­am­tes für den Bin­nen­markt (HABM) gebil­ligt, die Gemein­schafts­mar­ken BOTOLIST und BOTOCYL wegen des Bestehens der bekann­ten älte­ren Mar­ken BOTOX für nich­tig zu erklä­ren, da die Wert­schät­zung der Mar­ken BOTOX in unlau­te­rer Wei­se durch die Benut­zung die­ser Mar­ken aus­ge­nutzt wer­den.

BOTOX und die Wert­schät­zung des Alters

Im Jahr 2003 trug das HABM das von der Hele­na Rubin­stein SNC ange­mel­de­te Wort­zei­chen BOTOLIST und das von der L’Oréal SA ange­mel­de­te Wort­zei­chen BOTOCYL als Gemein­schafts­mar­ken für kos­me­ti­sche Erzeug­nis­se ein. Mit zwei Ent­schei­dun­gen von Mai und Juni 2008 erklär­te das HABM die­se bei­den Mar­ken auf Antrag der Aller­gan Inc. für nich­tig, die Inha­be­rin meh­re­rer älte­rer Gemein­schafts- und natio­na­ler Mar­ken ist, wel­che das Zei­chen BOTOX ent­hal­ten. Das HABM begrün­de­te sei­ne Ent­schei­dun­gen damit, dass zwi­schen die­sen Mar­ken und den Mar­ken BOTOX zwar kei­ne Ver­wechs­lungs­ge­fahr bestehe, dass aber durch die Benut­zung der Mar­ken BOTOLIST oder BOTOCYL die Wert­schät­zung der älte­ren Mar­ken in unlau­te­rer Wei­se aus­ge­nutzt wür­de.

Am 16. Dezem­ber 2010 wies erst­in­stanz­lich das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on die Kla­gen von Hele­na Rubin­stein und L’Oréal auf Auf­he­bung die­ser Ent­schei­dun­gen des HABM zurück und bestä­tig­te des­sen Fest­stel­lun­gen 1.

Hele­na Rubin­stein und L’Oréal leg­ten gegen die­ses Urteil beim Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on Rechts­mit­tel ein – letzt­end­lich jedoch ohne Erfolg:

Nach den Fest­stel­lun­gen des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on hat das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on die Ent­schei­dun­gen des HABM rechts­feh­ler­frei bestä­tigt. Das Gericht hat zutref­fend fest­ge­stellt, dass es sich bei den älte­ren Mar­ken BOTOX um Mar­ken han­delt, die im Ver­ei­nig­ten König­reich in der all­ge­mei­nen Öffent­lich­keit und unter Fach­leu­ten des Gesund­heits­we­sens Bekannt­heit genie­ßen. Dies ergibt sich aus ver­schie­de­nen von Aller­gan bei­gebrach­ten Beweis­mit­teln wie Arti­keln in Fach­zeit­schrif­ten oder eng­li­schen Tages­zei­tun­gen sowie aus der Auf­nah­me des Wor­tes „BOTOX“ in eng­li­sche Wör­ter­bü­cher. Das Gericht ist wei­ter feh­ler­frei zu dem Ergeb­nis gelangt, dass die für nich­tig erklär­ten Mar­ken mit den älte­ren Mar­ken gedank­lich ver­knüpft wer­den, und es hat im Wege einer umfas­sen­den Beur­tei­lung aller maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te zutref­fend fest­ge­stellt, dass mit den strei­ti­gen Mar­ken die von den Mar­ken BOTOX erwor­be­ne Unter­schei­dungs­kraft und Wert­schät­zung aus­ge­nutzt wer­den soll.

Daher hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on das Rechts­mit­tel zurück­ge­wie­sen und die Nich­tig­erklä­rung der Mar­ken BOTOLIST und BOTOCYL bestä­tigt.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 10. Mai 2012 – C‑100/​11 P, Hele­na Rubin­stein SNC und L’Oréal SA /​HABM

  1. EuG, Urteil vom 16.12.2010 – T‑345/​08 und T‑357/​08 [Rubin­stein und L’Oréal/HABM – Aller­gan (BOTOLIST und BOTOCYL)][]