Boun­ty – oder: die Form eines Scho­ko­la­den­rie­gels

Die Form des Scho­ko­la­den­rie­gels Boun­ty ist nicht als Gemein­schafts­mar­ke ein­tra­gungs­fä­hig. Mit die­sem Urteil bestä­tig­te jetzt das Gericht Ers­ter Instanz der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten eine Ent­schei­dung des für die Gemein­schafts­mar­ken zustän­di­gen Har­mo­ni­sie­rungs­am­tes für den Bin­nen­markt in Ali­can­te.

Boun­ty – oder: die Form eines Scho­ko­la­den­rie­gels

Die drei­di­men­sio­na­le Form des Rie­gels besitzt, so das EuG, kei­ne Unter­schei­dungs­kraft, und Mars hat nicht nach­ge­wie­sen, dass die Form in der gesam­ten Gemein­schaft durch Benut­zung Unter­schei­dungs­kraft erwor­ben hat. Nach der Ver­ord­nung über die Gemein­schafts­mar­ke [1] kann eine Mar­ke, die kei­ne Unter­schei­dungs­kraft hat, grund­sätz­lich nicht ein­ge­tra­gen wer­den. Eine sol­che Mar­ke kann aber dann ein­ge­tra­gen wer­den, wenn sie durch ihre Benut­zung für die Waren oder Dienst­leis­tun­gen, für die die Mar­ke ein­ge­tra­gen wer­den soll, Unter­schei­dungs­kraft erlangt hat.

Am 24. April 2003 wur­de die drei­di­men­sio­na­le Form des Scho­ko­la­de­rie­gels Boun­ty auf Antrag sei­nes Her­stel­lers, der Mars Inc., vom Har­mo­ni­sie­rungs­amt für den Bin­nen­markt, das die Gemein­schafts­mar­ken ver­wal­tet, als Gemein­schafts­mar­ke ein­ge­tra­gen.
Im Dezem­ber 2003 bean­trag­te der deut­sche Scho­ko­la­de­pro­du­zent Lud­wig Scho­ko­la­de die Nich­tig­erklä­rung der Gemein­schafts­mar­ke, da sie kei­ne Unter­schei­dungs­kraft besit­ze.
Im Okto­ber 2007 erklär­te das HABM die Mar­ke mit der Begrün­dung für nich­tig, dass sie nicht die erfor­der­li­che Unter­schei­dungs­kraft besit­ze, da ihr Aus­se­hen nicht erheb­lich von den Nor­men und Gepflo­gen­hei­ten der betrof­fe­nen Bran­che abwei­che. Wei­ter war es der Ansicht, dass mit den von Mars vor­ge­leg­ten Unter­la­gen nicht hin­rei­chend nach­ge­wie­sen wor­den sei, dass die Mar­ke für die betref­fen­den Waren durch Benut­zung Unter­schei­dungs­kraft erwor­ben hät­te.

Mars erhob gegen die­se Ent­schei­dung Kla­ge beim Gericht ers­ter Instanz, jedoch ohne Erfolg:
Das Gericht erin­nert dar­an, dass eine drei­di­men­sio­na­le Mar­ke, die ein­fach aus der Form der Ware besteht, nur ein­ge­tra­gen wer­den kann, wenn die­se Form erheb­lich von den Nor­men oder Gepflo­gen­hei­ten der frag­li­chen Bran­che abweicht, damit der Durch­schnitts­ver­brau­cher das betref­fen­de Pro­dukt auf Anhieb und mit Gewiss­heit von denen ande­rer Unter­neh­men unter­schei­den kann. Im vor­lie­gen­den Fall unter­schei­den sich die angeb­lich unter­schei­dungs­kräf­ti­gen Merk­ma­le des Rie­gels, näm­lich sei­ne abge­run­de­ten Enden sowie die drei Pfei­le oder Win­kel auf sei­ner Ober­sei­te, nicht hin­rei­chend von ande­ren For­men, die all­ge­mein für Scho­ko­la­de­rie­gel ver­wen­det wer­den.

Das EuG weist wei­ter dar­auf hin, dass der Erwerb von Unter­schei­dungs­kraft durch die Benut­zung der Mar­ke vor­aus­setzt, dass zumin­dest ein erheb­li­cher Teil der maß­geb­li­chen Ver­kehrs­krei­se auf­grund der Mar­ke erkennt, dass die betref­fen­den Waren oder Dienst­leis­tun­gen von einem bestimm­ten Unter­neh­men stam­men. Zudem muss die­se Ver­kehrs­durch­set­zung für den Teil der Gemein­schaft nach­ge­wie­sen wer­den, in dem die Mar­ke ursprüng­lich kei­ne Unter­schei­dungs­kraft hat­te. Da weder die Markt­an­tei­le des Boun­ty-Rie­gels noch die Pro­zent­sät­ze sei­ner Wie­der­erken­nung in der Gemein­schaft ein­heit­lich sind, ist es nicht mög­lich, von den Ergeb­nis­sen der durch­ge­führ­ten Umfra­gen in nur sechs der fünf­zehn dama­li­gen Mit­glied­staa­ten, näm­lich im Ver­ei­nig­ten König­reich sowie in Bel­gi­en, Frank­reich, Deutsch­land, Ita­li­en und den Nie­der­lan­den, auf den übri­gen Gemein­schafts­markt zu schlie­ßen.

Da die Form eines Boun­ty-Rie­gels nicht in der gesam­ten Gemein­schaft unter­schei­dungs­kräf­tig ist, hät­te Mars zusätz­li­che Nach­wei­se für die damals neun übri­gen Mit­glied­staa­ten der Gemein­schaft bei­brin­gen müs­sen, um zu bele­gen, dass die Form durch Benut­zung in der gesam­ten Gemein­schaft Unter­schei­dungs­kraft erlangt hat.

Daher hat das Gericht die Kla­ge abge­wie­sen.

Gericht Ers­ter Instanz der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, Urteil vom 8. Juli 2009 – T‑28/​08 (Mars Inc. /​HABM)

  1. Ver­ord­nung (EG) Nr. 40/​94 des Rates vom 20. Dezem­ber 1993 über die Gemein­schafts­mar­ke (ABl. 1994, L 11, S. 1), ersetzt durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 207/​2009 des Rates vom 26. Febru­ar 2009 über die Gemein­schafts­mar­ke (ABl. L 78, S. 1).[]