Brief­wer­bung für Grab­ma­le

Brief­wer­bung für Grab­ma­le stellt, wenn sie erst zwei Wochen nach Todes­fall erfolgt, kei­ne mit den Mit­teln des Wett­be­werbs­rechts zu unter­bin­den­de unzu­mut­ba­re Beläs­ti­gung der Hin­ter­blie­be­nen mehr dar, urteil­te heu­te der Bun­des­ge­richts­hof.

Brief­wer­bung für Grab­ma­le

Der Beklag­te des heu­te vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streits han­delt mit Grab­stei­nen. Er sand­te ein Wer­be­schrei­ben an eine Hin­ter­blie­be­ne, die am sel­ben Tag in der ört­li­chen Tages­zei­tung den Tod eines Ange­hö­ri­gen ange­zeigt hat­te. Die Klä­ge­rin, die Zen­tra­le zur Bekämp­fung unlau­te­ren Wett­be­werbs, hält ein sol­ches Wer­be­schrei­ben in den ers­ten vier Wochen nach dem Todes­fall für eine unzu­mut­ba­re Beläs­ti­gung nach § 7 UWG. Sie hat vom Beklag­ten die Unter­las­sung der Wer­bung sowie die Erstat­tung ihrer Abmahn­kos­ten ver­langt.

Das Land­ge­richt Gie­ßen hat der Kla­ge mit der Maß­ga­be statt­ge­ge­ben, dass die Schrei­ben nicht bin­nen drei Wochen nach dem Todes­fall erfol­gen dür­fen 1, ande­ren­falls lie­ge eine unzu­mut­ba­re Beläs­ti­gung vor. Auf die Beru­fung des Beklag­ten hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main die Gren­ze auf zwei Wochen gesenkt 2.

Mit ihrer Revi­si­on erstrebt die kla­gen­de Wett­be­werbs­zen­tra­le die Wie­der­her­stel­lung des land­ge­richt­li­chen Urteils. Der Beklag­te hat­te das Urteil des Beru­fungs­ge­richts hin­ge­nom­men.

Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te jedoch das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt: Zwar ist wie zuvor das Land­ge­richt Gie­ßen und das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt auch der Bun­des­ge­richts­hof davon aus­ge­gan­gen, dass der Unter­neh­mer zwar eine gewis­se War­te­frist ab dem Todes­fall ein­hal­ten müs­se. Er hat aber ange­nom­men, dass eine Frist von zwei Wochen, wie sie das Beru­fungs­ge­richt für ange­mes­sen erach­tet hat, aus Rechts­grün­den nicht zu bean­stan­den und aus­rei­chend sei.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. April 2010 – I ZR 29/​09

  1. LG Gie­ßen, Urteil vom 3. April 2008 – 8 O 3/​08[]
  2. OLG Frank­furt a. M., Urteil vom 21. Janu­ar 2009 – 6 U 90/​08[]