Bud­wei­ser oder Ame­ri­can Bud?

Die Bier­mar­ke "Bud­wei­ser" bzw. "Bud" beschäf­tigt wie­der ein­mal die Gerich­te der EU: Die Bezeich­nung "BUD" kann nach einem jetzt auf die Vor­la­ge des Han­dels­ge­richts Wien ver­kün­de­ten Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten nicht außer­halb der gemein­schaft­li­chen Schutz­re­ge­lung als Ursprungs­be­zeich­nung geschützt wer­den. Soll­te sich jedoch erwei­sen, dass die Bezeich­nung „Bud“ in der Tsche­chi­schen Repu­blik als eine ein­fa­che geo­gra­fi­sche Her­kunfts­an­ga­be aner­kannt ist, ist sie in Öster­reich nur dann geschützt, wenn sie geeig­net ist, den tsche­chi­schen Ver­brau­cher dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das damit bezeich­ne­te Pro­dukt aus einem Gebiet oder einem Ort in der Tsche­chi­schen Repu­blik stammt.

Bud­wei­ser oder Ame­ri­can Bud?

Geo­gra­phi­sche Ursprungs­be­zeich­nun­gen und geo­gra­phi­sche Anga­ben

In der Euro­päi­schen Uni­on soll die Ver­ord­nung zum Schutz von geo­gra­fi­schen Anga­ben und Ursprungs­be­zeich­nun­gen 1 dem Ver­brau­cher Gewähr dafür bie­ten, dass land­wirt­schaft­li­che Erzeug­nis­se, die mit einer nach der Ver­ord­nung ein­ge­tra­ge­nen geo­gra­fi­schen Anga­be ver­se­hen sind, auf­grund ihrer Her­kunft aus einem bestimm­ten geo­gra­fi­schen Gebiet bestimm­te beson­de­re Merk­ma­le auf­wei­sen und damit eine auf ihrer geo­gra­fi­schen Her­kunft beru­hen­de Qua­li­täts­ga­ran­tie bie­ten.

Ursprungs­be­zeich­nun­gen und soge­nann­te „qua­li­fi­zier­te“ geo­gra­fi­sche Anga­ben sind, wenn sie die Vor­aus­set­zun­gen der Ver­ord­nung erfül­len, geschützt. Die Ver­ord­nung gilt dage­gen nicht für die soge­nann­ten „ein­fa­chen“ geo­gra­fi­schen Anga­ben, d. h. für die­je­ni­gen, die nicht vor­aus­set­zen, dass die Erzeug­nis­se eine beson­de­re Eigen­schaft auf­wei­sen oder einen gewis­sen Ruf haben, die sich von dem Ort ablei­ten, aus dem sie stam­men. Der Schutz einer sol­chen ein­fa­chen geo­gra­fi­schen Her­kunfts­an­ga­be durch einen Mit­glied­staat kann zu einer Beschrän­kung des frei­en Waren­ver­kehrs füh­ren. Er kann jedoch unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nach dem Gemein­schafts­recht gerecht­fer­tigt sein.

Der Rechts­streit in Öster­reich

Das Han­dels­ge­richt Wien leg­te dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten die Fra­ge vor, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Bezeich­nung „Bud“ auf­grund eines bila­te­ra­len Abkom­mens für in der Tsche­chi­schen Repu­blik her­ge­stell­tes Bier geschützt wer­den darf.

In einem 1999 vor dem Han­dels­ge­richt ein­ge­lei­te­ten Ver­fah­ren möch­te die tsche­chi­sche Braue­rei Bud?jovický Bud­var dem Wie­ner Geträn­ke­ver­trieb Rudolf Ammer­sin GmbH unter­sa­gen las­sen, von der Braue­rei Anheu­ser-Busch Inc. her­ge­stell­tes Bier unter der Mar­ke Ame­ri­can Bud zu ver­trei­ben. Bud­var macht gel­tend, dass die Ver­wen­dung der Bezeich­nung Ame­ri­can Bud für ein Bier nicht tsche­chi­scher Her­kunft gegen ein 1976 zwi­schen Öster­reich und der ehe­ma­li­gen Tsche­cho­slo­wa­ki­schen Sozia­lis­ti­schen Repu­blik geschlos­se­nes bila­te­ra­les Abkom­men ver­sto­ße. Die Bezeich­nung „Bud“ stel­le eine nach die­sem Abkom­men geschütz­te Bezeich­nung dar, die daher nur für tsche­chi­sche Erzeug­nis­se ver­wen­det wer­den dür­fe.

Um in Erfah­rung zu brin­gen, ob das Gemein­schafts­recht den nach dem bila­te­ra­len Abkom­men bestehen­den Schutz der Bezeich­nung „Bud“ zulässt, ersucht das Han­dels­ge­richt den EuGH um Erläu­te­run­gen auf der Grund­la­ge zwei­er ver­schie­de­ner Prä­mis­sen in Bezug auf die recht­li­che Ein­ord­nung der Bezeich­nung „Bud“.

Die Ent­schei­dung des EuGH

Der EuGH weist inso­weit dar­auf hin, dass die Bezeich­nung „Bud“ eine ein­fa­che und mit­tel­ba­re geo­gra­fi­sche Her­kunfts­an­ga­be sein könn­te, also eine Bezeich­nung, bei der kein unmit­tel­ba­rer Zusam­men­hang zwi­schen einer bestimm­ten Qua­li­tät, dem Anse­hen oder einer ande­ren Eigen­schaft des Erzeug­nis­ses und sei­nem spe­zi­fi­schen geo­gra­fi­schen Ursprung besteht; eine der­ar­ti­ge Bezeich­nung ist im Übri­gen nicht als sol­che ein geo­gra­fi­scher Name, sie ist aber zumin­dest geeig­net, den Ver­brau­cher dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das damit bezeich­ne­te Pro­dukt aus einem bestimm­ten Ort, einem bestimm­ten Gebiet oder einem bestimm­ten Land stammt.

Wenn das Han­dels­ge­richt die Bezeich­nung „Bud“ als ein­fa­che geo­gra­fi­schen Her­kunfts­an­ga­be qua­li­fi­zie­ren soll­te, hät­te es zu prü­fen, ob die­se Bezeich­nung nach den tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten und dem begriff­li­chen Ver­ständ­nis, die in der Tsche­chi­schen Repu­blik bestehen, zumin­dest geeig­net ist, den Ver­brau­cher dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das damit bezeich­ne­te Pro­dukt aus einem Gebiet oder einem Ort in die­sem Mit­glied­staat stammt, und in die­sem Mit­glied­staat nicht zu einer Gat­tungs­be­zeich­nung gewor­den ist. Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen steht das Gemein­schafts­recht weder einem natio­na­len Schutz einer sol­chen ein­fa­chen geo­gra­fi­schen Her­kunfts­an­ga­be noch der Erstre­ckung die­ses Schut­zes im Wege eines bila­te­ra­len Ver­trags auf das Gebiet eines ande­ren Mit­glied­staats ent­ge­gen.

Nach Ansicht des Han­dels­ge­richts ist die Bezeich­nung „Bud“ jedoch eher als Ursprungs­be­zeich­nung zu qua­li­fi­zie­ren, die Erzeug­nis­se bezeich­net, die ihre Beson­der­hei­ten mit ihrem Her­kunfts­ort ver­bun­de­nen natür­li­chen oder mensch­li­chen Ein­flüs­sen ver­dan­ken. Inso­weit möch­te das Han­dels­ge­richt wis­sen, ob die Gemein­schafts­ver­ord­nung zum Schutz geo­gra­fi­scher Anga­ben dem Schutz der Ursprungs­be­zeich­nung „Bud“ ent­ge­gen­steht, die nicht nach die­ser Ver­ord­nung ange­mel­det wor­den sei. Die Tsche­chi­sche Repu­blik habe näm­lich bei ihrem Bei­tritt zur Euro­päi­schen Uni­on den gemein­schaft­li­chen Schutz nur für drei Her­kunfts­an­ga­ben für Bier aus Ces­ke Bud­jo­vice ver­langt, näm­lich für „Bud­jo­vické pivo“, „Ces­ko­bud­jo­vické pivo“ und „Bud­jo­vický mans­ký“, womit ein als „Bud Super Strong“ ver­trie­be­nes Stark­bier bezeich­net wer­de.

Der EuGH ant­wor­tet hier­auf in sei­nem heu­ti­gen Urteil, dass die Ver­ord­nung zum Schutz von geo­gra­fi­schen Anga­ben und Ursprungs­be­zeich­nun­gen abschlie­ßen­den Cha­rak­ter hat, so dass sie der Anwen­dung einer in Ver­trä­gen zwi­schen zwei Mit­glied­staa­ten, wie den im Aus­gangs­ver­fah­ren in Rede ste­hen­den bila­te­ra­len Ver­trä­gen, vor­ge­se­he­nen Schutz­re­ge­lung ent­ge­gen­steht, die einer nach dem Recht eines Mit­glied­staats als Ursprungs­be­zeich­nung aner­kann­ten Bezeich­nung Schutz in einem ande­ren Mit­glied­staat gewährt, in dem die­ser Schutz tat­säch­lich bean­sprucht wird, wäh­rend die­se Ursprungs­be­zeich­nung nicht nach die­ser Ver­ord­nung ange­mel­det wor­den ist.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, Urteil vom 8. Sep­tem­ber 2009 – C‑478/​07 (Bud?jovický Bud­var /​Rudolf Ammer­sin GmbH)

  1. Ver­ord­nung (EG) Nr. 510/​2006 des Rates vom 20. März 2006 zum Schutz von geo­gra­fi­schen Anga­ben und Ursprungs­be­zeich­nun­gen für Agrar­er­zeug­nis­se und Lebens­mit­tel (ABl. L 93, S. 12).[]