Bücher für’s Staats­examen – Prüt­ting statt Palandt?

Ju­ris­ti­schen Fach­ver­la­gen steht kein Recht auf er­mes­sens­feh­ler­freie Ent­schei­dung, son­dern le­dig­lich ein Recht auf will­kürfreie Ent­schei­dung des Prä­si­den­ten des Lan­des­jus­tiz­prü­fungs­amts über die Zu­las­sung von Hilfs­mit­teln für die Zwei­te Ju­ris­ti­sche Staats­prü­fung gemäß § 6 Abs. 2 Satz 1 JAPO RP zu.

Bücher für’s Staats­examen – Prüt­ting statt Palandt?

Ist – wie das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz [1] im vor­lie­gen­den Fall revi­si­ons­recht­lich bin­dend (§ 137 Abs. 1 Nr. 1 VwGO) in Bezug auf § 38 Abs. 1 i.V.m. § 6 Abs. 2 Satz 1 JAPO RP fest­ge­stellt hat – eine das Ermes­sen ein­räu­men­de gesetz­li­che Rege­lung nicht (zumin­dest auch) dem Inter­es­se des Betrof­fe­nen zu die­nen bestimmt, steht die­sem im Grund­satz kein Recht auf feh­ler­freie Aus­übung des Aus­wahler­mes­sens zu [2]. Ihm ver­bleibt aber mit Rück­sicht auf sein Grund­recht aus Art. 3 Abs. 1 GG regel­mä­ßig ein Anspruch auf Unter­las­sen einer will­kür­li­chen Aus­wahl­ent­schei­dung [3]. Zu Recht hat daher das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt sei­ne Prü­fung nur an dem Kri­te­ri­um ori­en­tiert, ob die Ent­schei­dung zuguns­ten des „Palandt“ – los­ge­löst von den inhalt­li­chen Vor­ga­ben des Beschlus­ses der Prä­si­den­tin­nen und Prä­si­den­ten der Jus­tiz­prü­fungs­äm­ter vom 19.05.2010 – von sach­li­chen Grün­den getra­gen war. Die­ses Kri­te­ri­um deckt sich mit der in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts aner­kann­ten Maß­ga­be, dass eine Aus­wahl­ent­schei­dung nur dann als will­kür­lich und mit­hin als Ver­stoß gegen das Grund­recht des Betrof­fe­nen aus Art. 3 Abs. 1 GG ein­zu­stu­fen ist, wenn sich ein ver­nünf­ti­ger, aus der Natur der Sache sich erge­ben­der oder sonst­wie ein­leuch­ten­der Grund für sie nicht fin­den lässt [4]. Die Mög­lich­keit, dass eine Aus­wahl­ent­schei­dung sich spe­zi­fisch auch des­halb als will­kür­lich erwei­sen kann, weil sie ohne trag­fä­hi­gen Grund von einer stän­di­gen behörd­li­chen Ent­schei­dungs­pra­xis abweicht, hat im vor­lie­gen­den Fall aus­weis­lich der tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen im ange­foch­te­nen Urteil kei­ne Rol­le gespielt.

Ob der Beschluss der Prä­si­den­tin­nen und Prä­si­den­ten der Jus­tiz­prü­fungs­äm­ter vom 19.05.2010 das Lan­des­jus­tiz­prü­fungs­amt im Rah­men sei­ner Aus­wahl­ent­schei­dung gemäß § 38 Abs. 1 i.V.m. § 6 Abs. 2 Satz 1 JAPO RP auf Ermes­sens­ebe­ne bin­det, d.h. ein von der Behör­de bei Aus­übung ihres Ermes­sens ein­zu­hal­ten­des Prü­fungs­pro­gramm dar­stellt, bedarf hier kei­ner Klä­rung. Wenn es sich so ver­hiel­te, wür­de dies den­noch den Maß­stab der gericht­li­chen Will­kür­kon­trol­le gemäß Art. 3 Abs. 1 GG unbe­rührt las­sen müs­sen. Denn andern­falls wür­de sich die Will­kür­kon­trol­le indi­rekt zu einer vol­len Ermes­sens­kon­trol­le erwei­tern, wel­che die Klä­ge­rin wegen der vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof fest­ge­stell­ten feh­len­den Dritt­schutz­wir­kung von § 38 Abs. 1 i.V.m. § 6 Abs. 2 Satz 1 JAPO RP gera­de nicht bean­spru­chen kann. Die Ent­schei­dung des Norm­ge­bers gegen die Ein­räu­mung sub­jek­ti­v­öf­fent­li­cher Rech­te an die Hilfs­mit­tel ver­trei­ben­den Ver­la­ge sowie die mit ihr ein­her­ge­hen­de Redu­zie­rung des gericht­li­chen Kon­troll­maß­stabs auf das grund­recht­lich durch Art. 3 Abs. 1 GG vor­ge­ge­be­ne Erfor­der­nis der Will­kürfrei­heit wür­den durch eine sol­che Erwei­te­rung unter­lau­fen wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 7. August 2012 – 6 B 22.12

  1. OVG Rhein­land-Pfalz – Urteil vom 02.03.2012 – OVG 10 A 11181/​11[]
  2. BVerwG, Urteil vom 26.02.1993 – 8 C 20.92, BVerw­GE 92, 153, 156 = Buch­holz 448.0 § 21 WPflG Nr. 47 S. 14[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 23.05.2006 – 1 BvR 2530/​04, BVerfGE 116, 1, 12[]
  4. BVerwG, Urteil vom 18.12.1992 – 7 C 12.92, BVerw­GE 91, 327, 328[]