Casi­no­s­pie­le im Inter­net – und der Erlaub­nis­vor­be­halt für Sport­wet­ten

Zum Erlaub­nis­vor­be­halt für Sport­wet­ten und Casi­no­s­pie­le im Inter­net nach dem Glücks­spie­län­de­rungs­staats­ver­trag wird es auch wei­ter­hin noch kei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs geben.

Casi­no­s­pie­le im Inter­net – und der Erlaub­nis­vor­be­halt für Sport­wet­ten

Ein ent­spre­chen­des Ver­fah­ren ("Digi­bet") war zwar beim Bun­des­ge­richts­hof anhän­gig, der Bun­des­ge­richts­hof hat nun jedoch ent­schie­den, dass die Revi­si­on in die­sem Ver­fah­ren wirk­sam zurück­ge­nom­men wur­de. Über die Zuläs­sig­keit des Erlaub­nis­vor­be­halts für Sport­wet­ten und Casi­no­s­pie­le im Inter­net nach dem Glücks­spie­län­de­rungs­staats­ver­trag vom 15.12 2011 braucht der Bun­des­ge­richts­hof des­halb in die­sem Ver­fah­ren nicht mehr zu ent­schei­den.

Der für den Inter­net­ver­trieb von Sport­wet­ten nach dem Glücks­spie­län­de­rungs­staats­ver­trag vom 15.12 2011 gel­ten­de Erlaub­nis­vor­be­halt ist aller­dings auch Gegen­stand eines wei­te­ren beim Bun­des­ge­richts­hof anhän­gi­gen Ver­fah­rens 1, über das der Bun­des­ge­richts­hof am 12.11.2015 ver­han­deln wird.

In dem jetzt been­de­ten Ver­fah­ren bot die Beklag­te seit dem Jahr 2008 im Inter­net Sport­wet­ten und sog. Casi­no­s­pie­le an. Die Klä­ge­rin, die staat­li­che Lot­to­ge­sell­schaft des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, hält die­ses Ange­bot für wett­be­werbs­wid­rig. Ihre unter ande­rem auf Unter­las­sung gerich­te­te Kla­ge hat­te in den Vor­in­stan­zen im Wesent­li­chen Erfolg.

Nach­dem über die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Beklag­ten am 22.11.2012 münd­lich ver­han­delt wor­den war, hat der Bun­des­ge­richts­hof dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on wegen der vor­über­ge­hen­den Libe­ra­li­sie­rung von Inter­net­ver­trieb und Wer­bung in Schles­wig-Hol­stein Fra­gen zur uni­ons­recht­li­chen Dienst­leis­tungs­frei­heit (Art. 56 AEUV) vor­ge­legt. Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat hier­über durch Urteil vom 12.06.2014 2 ent­schie­den. In dem zur Fort­set­zung der münd­li­chen Ver­hand­lung bestimm­ten Ter­min am 12.02.2015 haben die Beklag­ten vor münd­li­cher Ver­hand­lung zur Haupt­sa­che ihre Revi­si­on zurück­ge­nom­men. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied jetzt, dass die­se Rück­nah­me wirk­sam ist, obwohl die Klä­ge­rin ihr nicht zuge­stimmt hat.

Zwar bestimmt § 565 Satz 2 ZPO in der seit dem 1.01.2014 gel­ten­den Fas­sung, dass die Revi­si­on ohne Ein­wil­li­gung des Revi­si­ons­be­klag­ten nur bis zum Beginn der münd­li­chen Ver­hand­lung des Revi­si­ons­be­klag­ten zur Haupt­sa­che zurück­ge­nom­men wer­den kann. Die­se Vor­schrift fin­det im Streit­fall jedoch kei­ne Anwen­dung. Andern­falls ergä­be sich eine unech­te Rück­wir­kung, die im vor­lie­gen­den Fall zu einem unzu­läs­si­gen Ein­griff in das Pro­zess­grund­recht der Revi­si­ons­klä­ger auf ein fai­res, vor­her­seh­ba­res Ver­fah­ren führ­te, weil der Ter­min vom 22.11.2012, in dem die Par­tei­en münd­lich ver­han­delt haben, vor Ver­kün­dung der Bestim­mung des § 565 Satz 2 ZPO statt­ge­fun­den hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Mai 2015 – – I ZR 171/​10

  1. BGH – I ZR 203/​12[]
  2. EuGH, Urteil vom 12.06.2014 – C156/​13, GRUR 2014, 876[]