Con­cier­to de Aran­ju­ez – das Ver­lags­recht und das Nut­zungs­recht

Ein Ver­lags­ver­trag über ein Werk der Lite­ra­tur oder der Ton­kunst im Sin­ne des Ver­lags­ge­set­zes setzt ledig­lich vor­aus, dass der Ver­fas­ser sich ver­pflich­tet, dem Ver­le­ger das Werk zur Ver­viel­fäl­ti­gung und Ver­brei­tung für eige­ne Rech­nung zu über­las­sen, und der Ver­le­ger sich ver­pflich­tet, das Werk zu ver­viel­fäl­ti­gen und zu ver­brei­ten. Der Ver­fas­ser hat dem Ver­le­ger zwar grund­sätz­lich das aus­schließ­li­che Recht zur Ver­viel­fäl­ti­gung und Ver­brei­tung (Ver­lags­recht) zu ver­schaf­fen. Die­se Ver­pflich­tung kann jedoch ver­trag­lich abbe­dun­gen wer­den. Dann steht dem Ver­le­ger nur ein ein­fa­ches Nut­zungs­recht oder eine – allein im Ver­hält­nis zum Ver­fas­ser wir­ken­de – schuld­recht­li­che Befug­nis zur Ver­viel­fäl­ti­gung und Ver­brei­tung des Wer­kes zu. Dadurch ver­liert der Ver­trag aber nicht sei­nen Cha­rak­ter als Ver­lags­ver­trag.

Con­cier­to de Aran­ju­ez – das Ver­lags­recht und das Nut­zungs­recht

Ein Ver­lags­ver­trag setzt nicht vor­aus, dass der Ver­fas­ser dem Ver­le­ger das Ver­lags­recht oder ande­re Nut­zungs­rech­te an sei­nem Werk ein­räumt. Ein Ver­lags­ver­trag über ein Werk der Lite­ra­tur oder der Ton­kunst im Sin­ne des Ver­lags­ge­set­zes erfor­dert viel­mehr ledig­lich, dass der Ver­fas­ser sich ver­pflich­tet, dem Ver­le­ger das Werk zur Ver­viel­fäl­ti­gung und Ver-brei­tung für eige­ne Rech­nung zu über­las­sen und der Ver­le­ger sich ver­pflich­tet, das Werk zu ver­viel­fäl­ti­gen und zu ver­brei­ten (§ 1 VerlG). Der Ver­fas­ser hat dem Ver­le­ger zwar grund­sätz­lich das aus­schließ­li­che Recht zur Ver­viel­fäl­ti­gung und Ver­brei­tung (Ver­lags­recht) zu ver­schaf­fen (§ 8 VerlG). Die­se Ver­pflich­tung besteht nach § 8 VerlG jedoch nur, „soweit nicht aus dem Ver­tra­ge sich ein ande­res ergibt“. Sie kann daher ver­trag­lich abbe­dun­gen wer­den. Dann steht dem Ver­le­ger zwar nur ein ein­fa­ches Nut­zungs­recht oder eine – allein im Ver­hält­nis zum Ver­fas­ser wir­ken­de – schuld­recht­li­che Befug­nis zur Ver­viel­fäl­ti­gung und Ver­brei­tung des Wer­kes zu. Dadurch ver­liert der Ver­trag aber nicht sei­nen Cha­rak­ter als Ver­lags­ver­trag 1.

Der Ein­stu­fung einer Ver­ein­ba­rung als ver­lags­ver­trag­li­che Rege­lung steht daher nicht ent­ge­gen, dass der Kom­po­nist „Inha­ber der Ver­lags­rech­te“ bleibt und dem Ver­lag ledig­lich die „Ver­wal­tung sei­ner Nut­zungs­rech­te“ über­trägt. Ent­schei­dend ist, dass die Ver­ein­ba­rung den Ver­le­ger zu typisch ver­le­ge­ri­schen Tätig­kei­ten, näm­lich dem Ver­leih von Auf­füh­rungs­ma­te­ria­li­en und dem Ver­kauf von Druck­aus­ga­ben des Wer­kes berech­tigt und ver­pflich­tet.

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall kam hin­zu, dass die­se Ver­ein­ba­rung die in dem "Gene­ral­ver­trag" eben­falls getrof­fe­ne, für das Con­cier­to de Aran­ju­ez eben­so wie für die übri­gen Wer­ke des Kom­po­nis­ten gel­ten­de all­ge­mei­ne Rege­lung kon­kre­ti­sier­te, wonach der Ver­lag die ver­le­ge­ri­sche Betreu­ung des Gesamto­eu­vres des Kom­po­nis­ten über­nimmt und sich ver­pflich­tet, die Ver­brei­tung der Wer­ke nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen zu über­neh­men und sich mit sei­ner gan­zen Kraft und Erfah­rung für das Werk des Kom­po­nis­ten ein­zu­set­zen. Die­se Ver­pflich­tung des Ver­la­ges geht weit über die übli­che Ver­pflich­tung etwa eines Mana­gers oder Pro­mo­ters des Künst­lers hin­aus, der ein – nach § 627 Abs. 1 BGB jeder­zeit künd­ba­rer – Dienst­leis­tungs­ver­trag mit Geschäfts­be­sor­gungs­cha­rak­ter zugrun­de lie­gen kann 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. April 2010 – I ZR 197/​07

  1. vgl. Schri­cker, Ver­lags­recht, 3. Aufl., § 1 Rdn. 7 f.; § 8 Rdn. 2, 17 und 40[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 28.10.1982 – I ZR 134/​80, NJW 1983, 1191, 1192 – Künst­ler­be­treu­ung[]

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