Das Ende der Inter­net-Video­re­cor­der

In den letz­ten Jah­ren haben sich im Inter­net im wesent­li­chen drei Anbie­ter eta­bliert, die ihren Kun­den die Auf­zeich­nung von Fern­seh­sen­dun­gen im Inter­net ermög­li­chen. Dazu emp­fan­gen die­se Anbie­ter über Satel­li­ten-Anten­nen die Pro­gram­me meh­re­rer Fern­seh­sen­der. Ihre Kun­den kön­nen aus die­sen Pro­gram­men Sen­dun­gen aus­wäh­len, die dann auf einem "Per­sön­li­chen Video­re­cor­der" gespei­chert wer­den. Bei die­sen "Per­sön­li­chen Video­re­cor­dern" han­delt es sich um einen Spei­cher­platz auf dem Ser­ver der Anbie­ter, der aus­schließ­lich dem jewei­li­gen Kun­den zuge­wie­sen ist. Der Kun­de kann sodann die auf sei­nem "Per­sön­li­chen Video­re­cor­der" auf­ge­zeich­ne­ten Sen­dun­gen über das Inter­net von jedem Ort aus und zu jeder Zeit belie­big oft anse­hen.

Das Ende der Inter­net-Video­re­cor­der

Gegen einen die­ser Anbie­ter ("Shift.TV") ist RTL gericht­lich vor­ge­gan­gen und nimmt die­sen Anbei­ter auf Unter­las­sung und – zur Vor­be­rei­tung einer Scha­dens­er­satz­kla­ge – auf Aus­kunft in Anspruch. Jetzt hat RTL in drit­ter Instanz vor dem Bun­des­ge­richts­hof wei­test­ge­hend Recht bekom­men, auch wenn der BGH den Rechts­streit noch nicht abschlie­ßend ent­schie­den, son­dern an Beru­fungs­ge­richt, das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den, zurück­ver­wie­sen hat. Nach dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs kann das Ange­bot "inter­net­ba­sier­ter" Video­re­cor­der die den Rund­funk­un­ter­neh­men nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz zuste­hen­den Leis­tungs­schutz­rech­te, nament­lich das ihnen nach § 87 Abs. 1 UrhG zuste­hen­de Recht, ihre Funk­sen­dun­gen wei­ter­zu­sen­den und auf Bild- oder Ton­trä­ger auf­zu­neh­men, ver­let­zen und ist daher in der Regel unzu­läs­sig ist.

Bereits das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Leip­zig und das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den als Beru­fungs­ge­richt haben der Kla­ge weit­ge­hend statt­ge­ge­ben. Auf die Revi­si­on des Anbie­ter hat der BGH das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Die­se Zurück­ver­wei­sung erfolg­te, da das Beru­fungs­ge­richt bis­lang noch nicht fest­ge­stellt hat, ob die Beklag­te oder – für den Fall, dass das Auf­nah­me­ver­fah­ren voll­stän­dig auto­ma­ti­siert ist – deren Kun­den die Sen­dun­gen der Klä­ge­rin auf den "Per­sön­li­chen Video­re­cor­dern" auf­zeich­nen, so dass der BGH die urhe­ber­recht­li­che Zuläs­sig­keit der "Per­sön­li­chen Video­re­cor­der" nicht abschlie­ßend beur­tei­len konn­te. Für bei­de Vari­an­ten hat der BGH die Rechts­la­ge aber geprüft und damit wich­ti­ge Hin­wei­se für die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung gege­ben:

  • Falls der Anbie­ter des Inter­net-Video­re­cor­ders die Sen­dun­gen im Auf­trag ihrer Kun­den auf den "Per­sön­li­chen Video­re­cor­dern" abspei­chert, ver­stößt er nach dem Urteil des BGH gegen das Recht der Fern­seh­sen­der, ihre Sen­dun­gen auf Bild- oder Ton­trä­ger auf­zu­neh­men. Da der Anbie­ter sei­ne Leis­tung nicht unent­gelt­lich erbrin­ge, kann er sich, so der BGH, in die­sem Fall auch nicht auf das Recht sei­ner Kun­den stüt­zen, Fern­seh­sen­dun­gen zum pri­va­ten Gebrauch auf­zu­zeich­nen. 
  • Falls dage­gen der Auf­zeich­nungs­pro­zess voll­stän­dig auto­ma­ti­siert sei mit der Fol­ge, dass der jewei­li­ge Kun­de als Her­stel­ler der Auf­zeich­nung anzu­se­hen sei, lie­ge zwar im Regel­fall eine vom Gesetz als zuläs­sig ange­se­he­ne Auf­zeich­nung zum pri­va­ten Gebrauch vor. Die Anbie­ter der Inter­net-Video­re­cor­der ver­let­zen dann aber das Recht der Fern­seh­sen­der, ihre Funk­sen­dun­gen wei­ter­zu­sen­den, wenn sie die mit den Satel­li­ten-Anten­nen emp­fan­ge­nen Sen­dun­gen an die "Per­sön­li­chen Video­re­cor­der" meh­re­rer Kun­den wei­ter­lei­ten. Denn in die­sem Fall greift der Anbie­ter in das Recht der Fern­seh­sen­der ein, sei­ne Sen­dun­gen der Öffent­lich­keit zugäng­lich zu machen.

Das Beru­fungs­ge­richt wird nun Fest­stel­lun­gen dazu tref­fen müs­sen, wie der Auf­zeich­nungs­pro­zess im Ein­zel­nen abläuft, um dann ent­spre­chend ent­schei­den zu kön­nen. Recht­mä­ßig wären die Auf­nah­men aber nur dann, wenn (1.) der Auf­nah­me­pro­zess voll­stän­dig auto­ma­ti­siert abläuft, so dass aus­schließ­lich der jewei­li­ge Kun­de als Auf­neh­men­der anzu­se­hen ist und (2.) jede Auf­nah­me nur jeweils einem ein­zel­nen Kun­den zugu­te kommt.

Spä­tes­tens an der zwei­ten Vor­aus­set­zung dürf­ten die Anbie­ter aber schei­tern, denn das wür­de für 1.000 die glei­che Sen­dung pro­gram­mie­ren­de Kun­den auch das Vor­hal­ten von 1.000 Satelit­ten­emp­fän­gern vor­aus­set­zen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. April 2009 – I ZR 216/​06 (Inter­net-Video­re­cor­der)