Der berufs­un­fä­hi­ge Rechts­an­walt

Ist ein Rechts­an­walt aus gesund­heit­li­chen Grün­den auf Dau­er außer­stan­de, sei­nen Beruf ord­nungs­ge­mäß aus­zu­üben, indi­ziert das, auch im Fall der gesetz­li­chen Ver­mu­tung, eine Gefähr­dung der Rechts­pfle­ge bei sei­nem Ver­blei­ben in der Rechts­an­walt­schaft 1. Denn ein sol­cher Rechts­an­walt kann nicht das leis­ten, was Recht­su­chen­de von einem Rechts­an­walt als einem unab­hän­gi­gen Organ der Rechts­pfle­ge erwar­ten kön­nen.

Der berufs­un­fä­hi­ge Rechts­an­walt

Eine Gefähr­dung der Rechts­pfle­ge kann aus­nahms­wei­se dann aus­ge­schlos­sen sein, wenn der berufs­un­fä­hi­ge Rechts­an­walt sei­ne Pra­xis durch einen Sozi­us wei­ter­füh­ren lässt 2.

Allein aus dem Umstand, dass der Rechts­an­walt sei­ne Pra­xis durch einen Sozi­us wei­ter­füh­ren lässt, kann aber nicht geschlos­sen wer­den, dass sein Ver­blei­ben in der Rechts­an­walt­schaft die Rechts­pfle­ge nicht gefähr­det. Hin­zu kom­men muss viel­mehr, dass durch kon­kre­te Gestal­tung sicher­ge­stellt ist, dass er nicht mehr als Rechts­an­walt tätig ist. Im Zwei­fel ist zu wider­ru­fen 3.

Dass der Anwalt seit der­zeit nicht mehr beruf­lich tätig ist, genügt danach nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Okto­ber 2012 – AnwZ (Brfg) 5/​12

  1. BGH, Beschlüs­se vom 26.05.1997 – AnwZ (B) 4/​97, BRAK-Mitt.1997, 200, 201 unter III; vom 02.04.2001 – AnwZ (B) 32/​00, NJW-RR 2001, 1426 f.; vom 26.11.2007 – AnwZ (B) 102/​05; und vom 13.09.2010 – AnwZ (B) 105/​09[]
  2. BGH, Beschluss vom 26.05.1997 – AnwZ (B) 4/​97, BRAK-Mitt.1997, 200, 201; BVerfGE 37, 67, 78; BT-Drucks. 3/​778, S. 3, zu § 26 BRAO a.F.; Schmid­tRäntsch in Gaier/​Wolf/​Göcken, Anwalt­li­ches Berufs­recht, BRAO, § 14 Rn. 21; Henssler in Henssler/​Prütting, BRAO, 3. Aufl., § 14 Rn. 14; Vos­se­bür­ger in Feuerich/​Weyland, BRAO, 8. Aufl., § 14 Rn. 30[]
  3. BGH, aaO; Schmid­tRäntsch, aaO; Henssler, aaO; Vos­se­bür­ger, aaO[]