Der deut­sche Pres­se-Gross­han­del und das euro­päi­sche Kar­tell­recht

Dem Bun­des­ver­band Deut­scher Buch‑, Zei­tungs- und Zeit­schrif­ten-Gros­sis­ten e. V. bleibt es auf­grund einer Kla­ge der Bau­er Ver­triebs KG unter­sagt, für Pres­se-Gros­sis­ten in Deutsch­land ein­heit­li­che Gros­so-Kon­di­tio­nen u. a. mit Ver­la­gen zu ver­ein­ba­ren sowie Pres­se-Gros­sis­ten auf­zu­for­dern, indi­vi­du­el­le Ver­hand­lun­gen mit der Klä­ge­rin über Gros­so-Kon­di­tio­nen zu ver­wei­gern. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat die gegen ein ent­spre­chen­des Urteil des Land­ge­richts Köln 1 gerich­te­te Beru­fung des Bun­des­ver­ban­des zurück­ge­wie­sen.

Der deut­sche Pres­se-Gross­han­del und das euro­päi­sche Kar­tell­recht

Die Befug­nis des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Buch‑, Zei­tungs- und Zeit­schrif­ten-Gros­sis­ten e. V., für sei­ne Mit­glie­der ein­heit­li­che Kon­di­tio­nen mit den Ver­la­gen zu ver­han­deln und zu ver­ein­ba­ren, ver­stößt nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf gegen das Kar­tell­ver­bot aus Art. 101 Abs. 1 AEUV. Die­ses zen­tra­le Ver­hand­lungs­man­dat des Bun­des­ver­ban­des bezwe­cke eine hori­zon­ta­le Wett­be­werbs­be­schrän­kung, da es einen Rabatt- und Kon­di­tio­nen­wett­be­werb zwi­schen den Pres­se-Gros­sis­ten und den Ver­la­gen bzw. Natio­nal­ver­trie­ben ver­hin­de­re. Es habe näm­lich zur Fol­ge, dass für alle ver­lags­un­ab­hän­gi­gen Pres­se-Gros­sis­ten ein­heit­li­che Ver­trags­kon­di­tio­nen gel­ten.

Die Anwen­dung von Art. 101 Abs. 1 AEUV ist, so das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Bun­des­ver­ban­des auch nicht gem. Art. 106 Abs. 2 Satz 1 AUEV aus­ge­schlos­sen. Bei den Pres­se-Gros­sis­ten han­de­le es sich nicht um "betrau­te" Unter­neh­men im Sin­ne die­ser Norm. Eine sol­che "Betrau­ung" lie­ße sich ins­be­son­de­re nicht aus dem auch unter Betei­li­gung des Bun­des­ver­ban­des Mit­te 2013 mit der 8. Novel­le des Geset­zes gegen Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen (GWB) neu ein­ge­füg­ten § 30 Abs. 2a) GWB her­lei­ten. Die­se Vor­schrift lege den Pres­se-Gros­sis­ten kei­ne Ver­pflich­tung auf, eine bestimm­te Leis­tung zu erbrin­gen. Ins­be­son­de­re wer­de ihnen nicht die Auf­ga­be über­tra­gen, zur Erhal­tung der Pres­se­viel­falt Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten ohne Rück­sicht auf pri­vat­wirt­schaft­li­che Gesichts­punk­te an den sta­tio­nä­ren Ein­zel­han­del zu ver­trei­ben, also die Ver­pflich­tung, die Pres­se­er­zeug­nis­se auch dann zu ver­trei­ben, wenn dies im Ein­zel­fall unren­ta­bel sei.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 26. März 2014 – VI – U (Kart) 7/​12

  1. LG Köln, Urteil vom 14.02.2012 – 88 O (Kart) 17/​11[]