Der geschei­ter­te For­schungs- und Ent­wick­lungs­ver­trag

Haben die Par­tei­en eines For­schungs- und Ent­wick­lungs­ver­trags ver­ein­bart, dass jede Par­tei mit den von ihr getra­ge­nen Ent­wick­lungs­kos­ten belas­tet bleibt, wenn die Ent­wick­lung eines markt­fä­hi­gen Pro­dukts schei­tert, kommt eine Ein­stands­pflicht einer Par­tei für einen unent­deckt geblie­be­nen der Fer­tig­stel­lung der Ent­wick­lung ent­ge­gen­ste­hen­den Man­gel des dem Ver­trag zugrun­de lie­gen­den tech­ni­schen Kon­zepts regel­mä­ßig nicht in Betracht.

Der geschei­ter­te For­schungs- und Ent­wick­lungs­ver­trag

Über­trägt eine Par­tei des For­schungs- und Ent­wick­lungs­ver­trags ihre ver­trag­li­che Rechts­po­si­ti­on mit Zustim­mung der ande­ren Ver­trags­par­tei ent­gelt­lich auf einen Drit­ten, stellt ein sol­cher kon­zep­tio­nel­ler Man­gel, sofern er wei­ter­hin unent­deckt geblie­ben ist, weder ohne wei­te­res einen Feh­ler des über­tra­ge­nen Rechts dar, noch berech­tigt er den Zes­sio­nar ohne wei­te­res dazu, sich vom Über­tra­gungs­ver­trag zu lösen oder die ver­ein­bar­te Gegen­leis­tung zu ver­wei­gern.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te der Ver­wal­ter im Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen der O. GmbH (Schuld­ne­rin) geklagt, die mit dem D. e.V. (D.) im Jah­re 2001 eine Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung geschlos sen hat­te mit dem Ziel, in Arbeits­tei­lung einen Film­scan­ner zur Digi­ta­li­sie­rung von 35mm-Kino­fil­men zu ent­wi­ckeln. Die­ser soll­te von der Schuld­ne­rin in Serie pro­du­ziert und ver­mark­tet wer­den; für ver­kauf­te Exem­pla­re soll­te die Schuld­ne­rin eine bestimm­te Stück­li­zenz­ge­bühr an das D. zah­len.

Nach­dem ein Unter­neh­men, das die Schuld­ne­rin mit der Ent­wick­lung des Antriebs für den Scan­ner betraut hat­te, in Ver­mö­gens­ver­fall gera­ten war, bot die Über­neh­me­rin der Schuld­ne­rin an, den Koope­ra­ti­ons­ver­trag zu über­neh­men. Die Über­neh­me­rin mein­te, einen geeig­ne­ten Antrieb bereits weit­ge­hend ent­wi­ckelt zu haben und auch die übri­gen Leis­tun­gen, die der Schuld­ne­rin nach dem Ver­trag obla­gen, erbrin­gen zu kön­nen. Mit Ver­trag vom 29. November/9.12 2002 über­trug die Schuld­ne­rin der Über­neh­me­rin mit Zustim­mung des D. alle Rech­te und Pflich­ten aus dem Koope­ra­ti­ons­ver­trag sowie die Nut­zungs­und Ver­wer­tungs­rech­te an allen schöp­fe­ri­schen Leis­tun­gen aus der Ent­wick­lung des Scan­ners, die Inha­ber­schaft an einer Mar­ken­an­mel­dung für die Wort-Bild­mar­ke "Film­re­ader" und die Mit­in­ha­ber­schaft an einer Patent­an­mel­dung. Als Ver­gü­tung wur­de ein Betrag von 400.000 € zuzüg­lich Mehr­wert­steu­er ver­ein­bart. Für die Über­tra­gung der Nut­zungs- und Ver­wer­tungs­rech­te ver­pflich­te­te sich die Über­neh­me­rin wei­ter­hin, eine Lizenz­ge­bühr in Höhe von 10 % der Net­to­ver­kaufs­sum­me je ver­kauf­tes Gerät zu zah­len. Die Zah­lung der Ver­gü­tung in Höhe von 400.000 € soll­te in vier Raten erfol­gen. Mit der Kla­ge ver­langt der Insol­venz­ver­wal­ter die Zah­lung der bei­den letz­ten geschul­de­ten Raten, die Über­neh­me­rin hat mit ihrer Wider­kla­ge die Fest­stel­lung der For­de­rung auf Rück­zah­lung der von ihr bereits geleis­te­ten ers­ten bei­den Raten zur Insol­venz­ta­bel­le bean­sprucht.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Pots­dam hat Kla­ge und Wider­kla­ge abge­wie­sen 1. Die Beru­fung des Insol­venz­ver­wal­ters hat das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt zurück­ge­wie­sen, auf die Beru­fung der Über­neh­me­rin hat es die For­de­rung in Höhe von 232.000 € zur Insol­venz­ta­bel­le fest­ge­stellt. Auf die vom Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on des Insol­venz­ver­wal­ters hat der Bun­des­ge­richts­hof das ers­te Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen 2. Das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt hat die Beru­fung des Insol­venz­ver­wal­ters erneut zurück­ge­wie­sen 3. Auf die ihm zuge­las­se­ne Revi­si­on des Insol­venz­ver­wal­ters hat der Bun­des­ge­richts­hof nun auch die­ses zwei­te Beru­fungs­ur­teil wie­der auf­ge­ho­ben und das erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Pots­dam wie­der her­ge­stellt.

Nach den vom Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richt in Bezug genom­me­nen Aus­füh­run­gen des gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen erwies sich das Film­scan­ner­pro­jekt, das Gegen­stand der Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Schuld­ne­rin und D. war, des­halb als nicht rea­li­sier­bar, weil ihm ein Abtast­kon­zept zugrun­de lag, bei dem die drei Grund­far­ben eines Film­bil­des nicht an ein und der­sel­ben Stel­le, son­dern an unter­schied­li­chen Orten abge­tas­tet wer­den. Die digi­ta­len Farb­aus­zü­ge (Lay­er) müs­sen sodann über ent­spre­chen­de Algo­rith­men zur Deckung gebracht wer­den. Dazu sieht die Anla­ge C zur Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung die Gewähr­leis­tung der Syn­chro­ni­sa­ti­on zwi­schen Film­an­trieb und Digi­ta­li­sie­rungs­ein­heit über zwei Inkre­men­tal­ge­ber vor, von denen sich ein Inkre­men­tal­ge­ber mit einer Seg­men­tie­rung von 10.000 Impul­sen pro Bild auf dem für einen gleich­mä­ßi­gen Trans­port ver­wen­de­ten Cap­stan-Motor befin­det und ein zwei­ter Inkre­men­tal­ge­ber durch einen Per­fo­ra­ti­ons­ein­griff zur Bild­syn­chro­ni­sa­ti­on pas­siv mit­ge­führt wird. Hier­durch kön­nen jedoch nur Gleich­lauf­schwan­kun­gen durch den Motor oder am Film­strei­fen in Lauf­rich­tung erkannt wer­den. Nicht erkannt wer­den kön­nen hin­ge­gen Gleich­lauf­schwan­kun­gen in Quer­rich­tung, die sich aus den (rela­tiv wei­ten) Tole­ran­zen für das Film­ma­te­ri­al erge­ben und bei dem alten Film­ma­te­ri­al, das mit dem Scan­ner ein­ge­le­sen wer­den soll­te, noch durch Beschä­di­gun­gen und nicht kon­stan­te alters­be­ding­te Schrump­fun­gen ver­stärkt wer­den. Die­se Gleich­lauf­schwan­kun­gen in Film­quer­rich­tung ver­hin­dern, dass die an unter­schied­li­chen Orten auf­ge­nom­me­nen Farb­aus­zü­ge zur Deckung gebracht wer­den kön­nen.

Die Fest­stel­lung des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richs, nach den Abspra­chen zwi­schen der Schuld­ne­rin und der Über­neh­me­rin habe jene dafür ein­ste­hen sol­len, dass die Ent­wick­lung des Scan­ners "bereits bis zu einem funk­ti­ons­tüch­ti­gen Pro­to­typ fer­tig­ge­stellt war", wird durch die Ergeb­nis­se der erst- und zweit­in­stanz­li­chen Beweis­auf­nah­me nicht getra­gen.

Die Wür­di­gung der Bewei­se ist zwar grund­sätz­lich dem Tatrich­ter vor­be­hal­ten, an des­sen Fest­stel­lun­gen das Revi­si­ons­ge­richt gemäß § 559 Abs. 2 ZPO gebun­den ist. Die­ses kann jedoch nach­prü­fen, ob sich der Tatrich­ter ent­spre­chend dem Gebot des § 286 ZPO mit dem Pro­zess­stoff und den Beweis­ergeb­nis­sen umfas­send und wider­spruchs­frei aus­ein­an­der­ge­setzt hat, die Beweis­wür­di­gung also voll­stän­dig und recht­lich mög­lich ist und nicht gegen Denk­ge­set­ze und Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt 4.

Die Beweis­wür­di­gung des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richs genügt die­sen Anfor­de­run­gen nicht. Für die Schluss­fol­ge­rung, dem schrift­li­chen Ver­trag zwi­schen der Schuld­ne­rin und der Über­neh­me­rin sei­en Abspra­chen vor­aus­ge­gan­gen, nach denen die Schuld­ne­rin dafür habe ein­ste­hen sol­len, dass ein funk­ti­ons­tüch­ti­ger Pro­to­typ des Scan­ners bereits fer­tig ent­wi­ckelt sei, bie­ten weder die Aus­sa­ge des Zeu­gen W. noch die sons­ti­gen Umstän­de, auf die das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt sei­ne Wür­di­gung gestützt hat, hin­rei­chen­de Anhalts­punk­te.

Der Zeu­ge W. hat im wie­der­eröff­ne­ten Beru­fungs­ver­fah­ren be- kun­det, die Über­neh­me­rin sei auf­grund der Infor­ma­tio­nen und der Pro­spek­te, die ihr Geschäfts­füh­rer von der Mes­se "IBC" im Sep­tem­ber 2002 mit­ge­bracht habe, davon aus­ge­gan­gen, einen Film­scan­ner zu erhal­ten, der abge­se­hen davon, dass noch Antrieb und Mecha­nik sowie wei­te­re Bedien­tei­le fer­tig­zu­stel­len waren, im Übri­gen funk­ti­ons­fä­hig sei. Sie habe auch ange­sichts der Erklä­run­gen Dr.-Ing. R. bei einem Tref­fen im Novem­ber 2002, dass die Scan­ge­nau­ig- keit und ins­be­son­de­re eine bestimm­te Pixel­de­ckung zu errei­chen sein wer­de, kei­nen Anlass für die Annah­me gehabt, dass es sich um ein noch nicht aus­ge­reif­tes Pro­jekt mit wei­te­ren ergeb­nis­of­fe­nen Ent­wick­lungs­ar­bei­ten han­deln kön­ne.

Der Zeu­ge W. hat damit aus­schließ­lich aus der Sicht der Beklag- ten geschil­dert, wel­che Erwar­tun­gen und Vor­stel­lun­gen auf Sei­ten der Über­neh­me­rin vor Ver­trags­schluss bezüg­lich des Ent­wick­lungs­stan­des des Scan­ners ent­stan­den sind. Dar­aus lässt sich ent­ge­gen der Annah­me des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richs – schon nicht ent­neh­men, dass es im Vor­feld des Ver­trags­schlus­ses zwi­schen der Schuld­ne­rin und der Über­neh­me­rin zu Abspra­chen gekom­men ist, wonach die Schuld­ne­rin hin­sicht­lich des Ent­wick­lungs­zu­stan­des des Scan­ners bestimm­te Zusi­che­run­gen gege­ben hät­te. Erst recht nicht erge­ben sich aus der Aus­sa­ge des Zeu­gen W. Anhalts­punk­te dafür, dass der von der Über­neh­me­rin erwar­te­te Ent­wick­lungs­stand dem schrift­li­chen Ver­trag zugrun­de gelegt wor­den ist. Inso­weit hat das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt außer­dem bei sei­ner Wür­di­gung nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt, dass der Zeu­ge W. nach eige­nem Bekun­den nicht in die Ver­trags­ver­hand­lun­gen ein­ge­bun­den war und dem­entspre­chend kei­ne Anga­ben dazu machen konn­te, was in die Ver­trags­ver­hand­lun­gen ein­ge­flos­sen ist.

Auch soweit der Zeu­ge W. die Äuße­run­gen des dama­li­gen Ge- schäfts­füh­rers der Schuld­ne­rin Dr.-Ing. R. zur Scan­ge­nau­ig­keit und zur Erreich­bar­keit der gefor­der­ten Pixel­de­ckung als Grund für die auf Sei­ten der Über­neh­me­rin ent­stan­de­ne Erwar­tung angibt, ergibt sich hier­aus eben­falls nur, wel­che Erwar­tun­gen die Über­neh­me­rin an den zum dama­li­gen Zeit­punkt erreich­ten Ent­wick­lungs­stand des Scan­ners geknüpft hat. Denn auch der Zeu­ge W. hat im Wesent­li­chen in Über­ein­stim­mung mit den erst­in­stanz­li­chen Bekun­dun­gen Dr.-Ing. R. des­sen Äuße­run­gen nur dahin wie­der­ge­ge­ben, der dama­li­ge Geschäfts­füh­rer der Schuld­ne­rin habe sich "fel­sen­fest davon über­zeugt" gezeigt, dass der Scan­ner funk­tio­nie­ren und ins­be­son­de­re eine "ent­spre­chen­de Pixel­de­ckung" zu errei­chen sein wer­de. Sie war damit gera­de noch nicht erreicht.

Der Insol­venz­ver­wal­ter rügt fer­ner zu Recht, dass die Wür­di­gung des Anfang Dezem­ber 2002 durch­ge­führ­ten fehl­ge­schla­ge­nen – Ver­suchs den Denk­ge­set­zen wider­spricht. Zwar mag der Beweg­grund für die Durch­füh­rung des Ver­suchs die Annah­me gewe­sen sein, die Ent­wick­lung des Scan­ners sei so weit fort­ge­schrit­ten, dass der Ver­such erfolg­reich ver­lau­fen wer­de. Tat­säch­lich ist der Ver­such jedoch nicht erfolg­reich gewe­sen. Der Zeu­ge W. hat viel­mehr bekun­det, dass die Syn­chro­ni­sa­ti­on der drei Kame­ras nicht funk­tio­nier­te und zunächst ein­mal "nur aus­pro­biert" wur­de, "was bei den ein­zel­nen Kame­ras an Bil­dern her­aus­kam". Auch wenn die Über­neh­me­rin das Fehl­schla­gen des Ver­suchs nicht zum Anlass genom­men haben mag, an dem Ent­wick­lungs­stand des Scan­ners zu zwei­feln, wie das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt meint, ist damit doch die Annah­me unver­ein­bar, der Scan­ner sei bereits in jeder Hin­sicht funk­ti­ons­fä­hig ent­wi­ckelt. Dies steht auch im Wider­spruch zu der wei­te­ren Bekun­dung des Zeu­gen W. , es sei damals ange­nom­men wor­den, es han­de­le sich "nur um elek­tro­ni­sche Pro­ble­me bei der Syn­chro­ni­sa­ti­on bzw. bei der Kame­ra­steue­rung".

Das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt berück­sich­tigt zudem nicht, dass der all­ge­mei­ne Begriff der "Funk­ti­ons­tüch­tig­keit" des Scan­ners (Scan­ner­pro­to­ty­pen) im Zusam­men­hang des ver­ein­bar­ten Ein­tritts der Über­neh­me­rin in den Koope­ra­ti­ons­ver­trag zwi­schen der Schuld­ne­rin und D. zur Umschrei­bung des bei Abschluss des Ver­tra­ges vom 08.12 2002 zugrun­de geleg­ten Ent­wick­lungs­stan­des nicht geeig­net ist.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits im ers­ten Revi­si­ons­ur­teil dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Über­neh­me­rin nach Nr. 1.1 des Ver­trags vom 09.12 2002 in alle Rech­te und Pflich­ten aus der Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Schuld­ne­rin und dem D. ein­ge­tre­ten ist, deren Gegen­stand eine Ent­wick­lungs­zu- sam­men­ar­beit war, deren wirt­schaft­li­ches Risi­ko von bei­den Ver­trags­par­tei­en zu tra­gen war. Dem­entspre­chend bestimmt § 7 Abs. 4 des Koope­ra­ti­ons­ver­trags, dass zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en kei­ne Rück­zah­lungs­ver­pflich­tun­gen oder dar­über hin­aus­ge­hen­de For­de­run­gen bestehen sol­len, soll­te eine gemein­sa­me Bewer­tung bis spä­tes­tens zum (letz­ten) Mei­len­stein "Han­do­ver" erge­ben, dass die "tech­ni­sche Mach­bar­keit des Film­scan­ners" nicht gege­ben ist. Die Ver­trags­par­tei­en des Koope­ra­ti­ons­ver­trags waren sich mit­hin ange­sichts der dar­in getrof­fe­nen Abspra­chen über die Ver­tei­lung des wirt­schaft­li­chen Risi­kos bewusst, dass das Ent­wick­lungs­pro­jekt auch schei­tern konn­te und dass ein sol­ches Schei­tern auch noch unmit­tel­bar vor dem Abschluss der gesam­ten Ent­wick­lungs­ar­beit ein­tre­ten konn­te, wenn sich zeig­te, dass im Zusam­men­wir­ken der ein­zel­nen Sys­tem­kom­po­nen­ten nicht über­wind­ba­re Schwie­rig­kei­ten auf­tra­ten. "Funk­ti­ons­tüch­tig" muss­ten für die "tech­ni­sche Mach­bar­keit des Film­scan­ners" nicht nur deren ein­zel­ne, teils vom D. , teils von der Schuld­ne­rin und nach deren Ein­tritt in den Ver­trag von der Über­neh­me­rin zu ent­wi­ckeln­den Kom­po­nen­ten sein, funk­ti­ons­tüch­tig muss­te ins­be­son­de­re und gera­de auch deren Zusam­men­wir­ken sein. Eben das Risi­ko eines nicht funk­tio­nie­ren­den Sys­tems hat sich im Streit­fall ver­wirk­licht, weil es nicht gelang und nach den Aus­füh­run­gen des gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen auch nicht gelin­gen konn­te , die ein­zel­nen Farb­aus­zü­ge eines abge­tas­te­ten Bil­des zur Deckung zu brin­gen.

Dass Gegen­stand des Koope­ra­ti­ons­ver­trags, in den die Über­neh­me­rin ein­ge­tre­ten ist, eine Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit war, bedeu­tet zwar nicht zwin­gend wie das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt inso­weit zutref­fend aus­ge­führt hat, dass die Erreich­bar­keit des ver­ein­bar­ten Ziels auch zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses zwi­schen der Über­neh­me­rin und der Schuld­ne­rin nach wie vor offen gewe­sen ist. Das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt durf­te sich aber im Hin­blick dar­auf, dass es in Nr. 1.1 des Ver­trags heißt, der Über­neh­me­rin sei der detail­lier­te Stand der Erfül­lung der Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung bekannt und Gele­gen­heit gege­ben wor­den, in alle Unter­la­gen und bis­her erreich­ten Arbeits­er­geb­nis­se Ein­blick zu neh­men, nicht mit die­ser Schluss­fol­ge­rung begnü­gen, son­dern hät­te ent­spre­chen­de Fest­stel­lun­gen zu dem kon­kre­ten Ent­wick­lungs­stand des Scan­ners tref­fen müs­sen, den die Schuld­ne­rin und die Über­neh­me­rin ihrer Ver­ein­ba­rung zugrun­de gelegt haben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits im ers­ten Revi­si­ons­ur­teil bean­stan­det, dass weder vom Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richt aus­ge­führt noch sonst ersicht­lich sei, inwie­fern sich aus dem Ver­trag vom 09.12 2002 erge­ben soll­te, dass dem Scan­ner nach dem bis dahin erreich­ten Ent­wick­lungs­stand in die­ser Hin­sicht eine (Soll)Beschaffenheit zuge­schrie­ben wor­den ist, die tat­säch­lich nicht erreicht war. Das zwei­te Beru­fungs­ur­teil weist den glei­chen Man­gel auf.

Es mag zutref­fen, dass die Über­neh­me­rin ange­nom­men hat und anneh­men durf­te, von ihr sei im Wesent­li­chen nur noch der Antrieb zu ent­wi­ckeln. Dafür spricht schon, dass der Aus­fall des­je­ni­gen Unter­neh­mens, das den Antrieb für die Schuld­ne­rin ent­wi­ckeln soll­te, gera­de den Anlass für den Ein­tritt der Über­neh­me­rin in den Koope­ra­ti­ons­ver­trag mit dem D. gege­ben hat­te. Die Beklag- te hat aber gera­de nicht nur die blo­ße Zulie­fe­rer­po­si­ti­on des bis dahin vor­ge­se­he­nen Antriebs­her­stel­lers über­nom­men, son­dern ist in die Rechts­stel­lung der Schuld­ne­rin ein­ge­tre­ten und hat damit jeden­falls grund­sätz­lich deren Risi­ko über­nom­men. Des­we­gen kommt es im Streit­fall nicht auf die Erwar­tun­gen der Betei­lig­ten an, am Ende der Ent­wick­lung wer­de ein funk­ti­ons­fä­hi­ges Sys­tem ste­hen und die bis­he­ri­gen Ent­wick­lungs­ar­bei­ten der Schuld­ne­rin sei­en hier­für geeig­net, son­dern dar­auf, ob die Par­tei­en bei Abschluss des Ver­tra­ges vom 09.12 2002 die­sen bis­he­ri­gen Ent­wick­lungs­ar­bei­ten und ihren Ergeb­nis­sen (kon­kre­te) Eigen­schaf­ten zuge­schrie­ben haben, die sie tat­säch­lich nicht besa­ßen. Hier­für ist den Fest­stel­lun­gen des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richs erneut nichts zu ent­neh­men.

Der Rechts­streit ist zur End­ent­schei­dung durch den Bun­des­ge­richts­hof reif. Wei­te­re Fest­stel­lun­gen, aus denen sich erge­ben könn­te, dass die Schuld­ne­rin und die Über­neh­me­rin dem Ver­trag einen tat­säch­lich nicht erreich­ten Ent­wick­lungs­stand zugrun­de gelegt haben, sind nicht zu erwar­ten.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richt bereits im ers­ten Revi­si­ons­ur­teil auf­ge­tra­gen, Fest­stel­lun­gen dazu zu tref­fen, wel­chen Ent­wick­lungs­stand des Scan­ners die Par­tei­en dem Ver­trag vom 09.12 2002 zugrun­de gelegt haben. Die Über­neh­me­rin hat­te dem­ge­mäß Gele­gen­heit, hier­zu vor­zu­tra­gen. Soweit sie sol­chen Vor­trag nicht hat hal­ten kön­nen oder nicht gehal­ten hat, besteht, wor­auf der Bun­des­ge­richts­hof in Vor­be­rei­tung der münd­li­chen Ver­hand­lung hin­ge­wie­sen hat, kein Anlass, die Sache erneut an das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.

Die Über­neh­me­rin zeigt nicht auf, dass die Über­neh­me­rin in den Tat­sa­chen­in­stan­zen Vor­trag gehal­ten hat, der das Wider­kla­ge­be­geh­ren recht­fer­ti­gen und dem Kla­ge­be­geh­ren ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den könn­te. Das in Bezug genom­me­ne Vor­brin­gen erschöpft sich in der blo­ßen Rechts­be­haup­tung, die Schuld­ne­rin habe der Über­neh­me­rin einen bestimm­ten erreich­ten Ent­wick­lungs­stand zuge­si­chert.

Soweit die Über­neh­me­rin gel­tend macht, sie habe dar­ge­legt, dass die in der Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Schuld­ne­rin und dem D. aus dem Jah­re 2001 ent­hal­te­ne Abspra­che zur Risi­ko­ver­tei­lung nicht auf den Ver­trag zwi­schen ihr und der Schuld­ne­rin vom 09.12 2002 über­tra­gen wer­den kön­ne, weil die­ser Ver­trag anders als die Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung nicht eine "klas­si­sche" Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zum Gegen­stand habe, son­dern die Schuld­ne­rin viel­mehr einen angeb­li­chen, bereits erreich­ten "Ent­wick­lungs­stand ver­kauft" habe und die­ser zuge­sag­te und geschul­de­te Ent­wick­lungs­stand tat­säch­lich aber noch nicht erreicht wor­den sei, stellt dies eine blo­ße recht­li­che Wer­tung dar, für die sich wie oben aus­ge­führt weder aus den Zeu­gen­aus­sa­gen noch aus den Ver­trags­un­ter­la­gen Anhalts­punk­te erge­ben. Es trifft zwar zu, dass die Rege­lung über die Ver­tei­lung des wirt­schaft­li­chen Risi­kos in § 7 Abs. 4 der Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung nur im Ver­hält­nis zwi­schen der hier­in ein­ge­tre­te­nen Über­neh­me­rin und dem D. gilt. Dar­aus dass der Ver­trag vom 09.12 2002 kei­ne ent­spre­chen­de Rege­lung ent­hält, ergibt sich jedoch ohne ent­spre­chen­de Anhalts­punk­te nicht, dass die Schuld­ne­rin im Ver­hält­nis zur Über­neh­me­rin für einen Ent­wick­lungs­stand ein­ste­hen soll­te, wonach der Scan­ner bereits als funk­ti­ons­tüch­ti­ger Pro­to­typ ent­wi­ckelt war.

Auch der Umstand, dass in Nr. 1.2 des Ver­trags vom 09.12 2002 anders als noch in dem von der Schuld­ne­rin an die Über­neh­me­rin über­sand­ten Ver­trags­ent­wurf vom 12.11.2002 nicht mehr die Rede davon ist, dass die Schuld­ne­rin mit D. einen Hoch­leis­tungs­scan­ner bis zur Seri­en­rei­fe ent­wi- ckelt habe, lässt nicht die Schluss­fol­ge­rung zu, dass die Schuld­ne­rin nach Strei­chung des Zusat­zes "bis zur Seri­en­rei­fe" in der end­gül­ti­gen Ver­trags­fas­sung zumin­dest für das Vor­han­den­sein eines "funk­ti­ons­fä­hi­gen Pro­to­typs" ein­ste­hen soll­te. In Nr. 1.2 des Ver­trags vom 09.12 2002 heißt es zwar, dass die Schuld­ne­rin "zusam­men mit dem D. im Ergeb­nis der Erfül­lung der Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung einen Hoch­leis­tungs­scan­ner, wie in Anla­ge C defi­niert, ent­wi­ckelt" habe. Der Ver­weis auf die Anla­ge C kann aber, wie bereits im ers­ten Revi­si­ons­ur­teil aus­ge­führt, nicht die Bedeu­tung haben, dass ein der Beschrei­bung ent­spre­chen­des Sys­tem, in dem sämt­li­che Kom­po­nen­ten so zusam­men­ar­bei­te­ten, dass Farb­fil­me mit einem prak­tisch brauch­ba­ren Ergeb­nis abge­tas­tet wer­den konn­ten, bereits zur Ver­fü­gung stand. Für ande­re Abwei­chun­gen des erreich­ten Ent­wick­lungs­stan­des von dem der Ver­ein­ba­rung zugrun­de geleg­ten ergibt sich hier­aus eben­falls nichts.

Schließ­lich ist auch die Beru­fung der Über­neh­me­rin auf die Anga­ben in dem als Anla­ge B1 vor­ge­leg­ten Pro­spekt unbe­hel­flich. Abge­se­hen davon, dass sich dem Ver­trag vom 09.12 2002 nicht ent­neh­men lässt, dass in dem Pro­spekt ent­hal­te­ne Anga­ben Gegen­stand der ver­trag­li­chen Abspra­che zwi­schen der Schuld­ne­rin und der Über­neh­me­rin gewor­den sind, zeigt die Dar­stel­lung in Figur 5.4 auf S. 12, auf die die Über­neh­me­rin sich beruft, nur die hohe Auf­lö­sung geo­me­tri­scher Figu­ren auf einem ein­zi­gen (Schwarz-Weiß)Bild. Sie kann daher über die Eig­nung des Scan­ners, so wie er bis zum 9.12 2002 ent­wi­ckelt war, die ein­zel­nen Farb­aus­zü­ge eines vom einem den Scan­ner durch­lau­fen­den Film abge­nom­me­nen Bil­des zu syn­chro­ni­sie­ren, nichts aus­sa­gen.

Das Kla­ge­be­geh­ren ist hier­nach begrün­det, das Wider­kla­ge­be­geh­ren hin­ge­gen unbe­grün­det.

Der Insol­venz­ver­wal­ter ist auch in Bezug auf die gesam­te Kla­ge­for­de­rung aktiv­le­gi­ti­miert. Zwar hat die Schuld­ne­rin einen Teil­be­trag der Kla­ge­for­de­rung in Höhe von 43.147, 22 € an die T. GmbH abge­tre­ten. Indes­sen ergibt sich die Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on des Insol­venz­ver­wal­ters, unab­hän­gig davon, ob der abge­tre­te­ne Teil der For­de­rung wie vom Insol­venz­ver­wal­ter vor­ge­tra­gen an die Schuld­ne­rin zurück­ab­ge­tre­ten wor­den ist, jeden­falls aus § 166 Abs. 2 InsO. Aus­weis­lich der von der Über­neh­me­rin vor­ge­leg­ten For­de­rungs­ab­tre­tung der Schuld­ne­rin an die T. GmbH vom 11.03.2003 ist die­se als Siche­rungs­zes­si­on zu qua­li­fi­zie­ren, so dass § 166 Abs. 2 InsO ein­greift.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. April 2016 – X ZR 8/​13

  1. LG Pots­dam, Urteil vom 03.12.2008 – 52 O 82/​04[]
  2. BGH, Urteil vom 10.05.2011 – X ZR 156/​10[]
  3. OLG Bran­den­burg, Urteil vom 21.11.2012 – 7 U 206/​08[]
  4. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 16.04.2013 – VI ZR 44/​12, NJW 2014, 71 Rn. 13; BGH, Urteil vom 29.06.2010 – XI ZR 104/​08, BGHZ 186, 98 Rn. 38[]